Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 2

Fortsetzung zu Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 1

Station 5: „Bus Stop“
Linienbus im Freigelände
Das es was mit einem Bus zu tun hat, wissen wir ja schon. Trauma? Massenanfall an Verletzten? Internistisch?
Szenario:
Der Trainer fragt uns, ob wir bereit wären, für ein Experiment. Dafür, dass er uns die Station extra schwer gestaltet, dürfen wir gleich als Fünfer-Team durchstarten. Es ist ein Experiment, somit also nicht ganz soooo streng bewertet…
Die Alarmierung lautet „Fußverletzung“ im Bus nach Notbremsung. Der „Busfahrer“ (= Trainer) erzählt uns, dass eine Dame während der Fahrt gestanden sei. Er musste eine Notbremsung machen, daraufhin sei die Dame nach vorn gefallen und zwischen den Reihen zu liegen gekommen. Sie schreit und kommt selbst  nicht mehr auf. Die anderen Fahrgäste hat der Busfahrer bereits aus dem Bus aussteigen lassen, alle beiden Eingänge sind offen und frei für uns.
Das Arbeiten:
Wir machen uns aus, dass meine Kollegin hier gerne wieder Teamleaderin wäre. Sie geht als erstes durch den hinteren Eingang in den Bus und lokalisiert die Patientin. Sie liegt im Mittelgang zwischen den Reihen, mit den Füßen zu uns, offensichtlich hat sie große Schmerzen. Meine Kollegin geht sofort zu ihr, quält sich über die Sitze so hin, dass sie das Szenario gut im Blick hat und zeitgleich die Patientin untersuchen kann. Ich bin die zweite hinter ihr, schicke einen Kollegen von vorne zur Patientin um den Kopf zu fixieren, selbst sehe ich mir das Bein genauer an, dass zwischen den Sitzen eingeklemmt und verdreht ist – daher also auch die Schmerzen.
So, wie bekommen wie die Patientin mit möglicher Wirbelsäulenverletzung und offensichtlicher Unterschenkel-Verletzung nun möglichst schonend aus dem 45°C heißen Bus? Jaaaa, wir bereuen zu diesem Zeitpunkt, „Extra Schwer“ bestellt zu haben…
Die Station ist eine Spineboard-Improvisations-Übung, hier sollen alle Teams einfach lernen, unter erschwerten Bedingungen mit dem Brett zu üben.
Idee 1: Wir drehen die auf der Seite liegende Patientin auf den Rücken, um ihr die Halskrause anlegen zu können. Dann drehen wir sie wieder auf die Seite, um sie auf das Spineboard ziehen zu können. Meine Gedanken dazu: Bullshit – wäre einmal extra drehen! Patientenschonung??
Idee 2: Patientin liegt perfekt da, um sie aufs Spineboard zu bekommen. Warum nicht den Kopf weiter manuell fixieren – immerhin sind wir fünf Leute, da kann ich einen gut dafür verwenden – und am Spineboard dann die Halskrause anlegen? Einmal weniger drehen = Patientinschonung!!
Jetzt wird wohl erstmal diskutiert. Teamleader muss entscheiden, was gemacht wird. Nach ewigem diskutieren entscheidet die Teamleaderin mithilfe des Trainers, dass wir doch Idee 2 nehmen – Gott sei Dank! Mit viel hin und her und „wie geht das am Besten?“ bekommen wir die Patientin dann doch raus…
Verbesserungen:
Nachdem wir die Experiment-Gruppe waren, gibt es nur zu sagen, dass wir an unserem Tempo arbeiten müssen. Die Kommunikation hat funktioniert, wir müssen allerdings sicherer werden und dürfen auch nicht mehr so lange diskutieren. Sch… auf Stifneck (HWS-Schiene) wenn du jemanden hast, der manuell fixieren kann! Dadurch wird der Kopf sogar besser stabilisiert!
Fazit:
Naja, nicht die Meisterleistung, aber auch nicht schlecht. Ich bin stolz, dass ich auf die Idee mit dem Spineboard sofort drunter schieben gekommen bin, aber nicht darauf, dass wir dann so lange gebraucht haben. Die Station an sich war aber absolut geil! Wer darf schon mal in einem Bus sowas üben?

So, jetzt hab ich ein Problem: mein Kreislauf sackt zusammen. Ich quäle mich schnellstmöglich zur nächsten Station, die in der Halle stattfindet. Wasser in den Nacken, hinlegen, Beine hoch. Hilft nur mäßig…
Die nächsten Stationen muss ich aussetzen, ich hätte es nicht geschafft. Deshalb hier nur ganz kurze Erklärungen dazu:

Station 6: „Under Pressure“
Ich habe die Station zwar verfolgt, aber nur am Rande. Ich war ja immer noch damit beschäftigt nicht in bewusstlos zu werden. 
Hierbei ist die Patientin eine KFZ-Mechanikerin. Das Auto steht auf einem Wagenheber, der allerdings kaputt wurde, während sie noch mit den Beinen unter dem Fahrzeug war. Das schwere Auto ist nach unten gefallen und durch die Wucht hat es ihr das Bein zertrümmert. Außerdem hat sie eine starke Spritzblutung aus der Oberschenkelarterie.
Ziel der Station: richtigen Punkt zum Abdrücken in der Leistenbeuge finden und einen schnellstmöglichen Transport organisieren.

Station 7: „Breathelss“
Ich wäre soweit eigentlich wieder fit. Die Trainer lassen mich allerdings nicht in den Bus, wo diese Station stattfindet. Es ist dort einfach zu heiß. Ich muss im Schatten warten.
Ich bekomme von der Station also auch nicht wirklich was mit. Was mir erzählt wird: Fahrgast im Bus erleidet Herzinfarkt, kontinuierliche Zustandsverschlechterung während Anamnese bis hin zum Atem-Kreislauf-Stillstand.
Ziel der Station: Platzmanagement bei Reanimation

Station 8: „Burnin‘ Alive“
Auch hier hätte ich gerne mitgemacht, da es aber auf der Terrasse war, meinten die Trainer wieder, dass ich mich in den Schatten setzen soll. Hier war auch das Zusehen spannend, mit so einem Szenario hätte niemand gerechnet.
Klar, es hat was mit Verbrennung zu tun. Vater wirft den Grill an und meint mit Brennspiritus geht das alles schneller. Blöd nur, dass es dadurch eine kleine Explosion gibt. Vater verletzt, Sohn (5 Jahre) ebenso. Vater legt Kind noch in das Planschbecken, um ihn zu kühlen.
Der Vater ist recht schnell versorgt – Erwachsene verkraften Verbrennungen besser als Kinder. Beim Kind geht es allerdings bis zum Atem-Kreislauf-Stillstand. Es wurde also noch schnell eine Kinder-Reanimation eingebaut in dem Szenario.
Man merkt mittlerweile allen an, dass es für heute reicht. Niemand ist mehr zu irgendwas fähig, es ist einfach zu heiß. In dem Szenario funktioniert hauptsächlich das Platzmanagement nicht, obwohl wir das alle mittlerweile schon mit links machen könnten.

Station 9: „Killing Me Softly“
Hier war ich wieder dabei und wollte auch Teamleader sein. Wurde mir erlaubt, meinem Kreislauf ging es nach drei Pausen wieder angemessen gut.
Szenario:
Wir werden vom Ex-Freund gerufen, weil die Patientin sich in der Wohnung eingesperrt hat und nicht antwortet. Er befürchtet, dass sie wegen ihren psychischen Problemen Mist gebaut hat.
Nach der „Türöffnung“ durch Feuerwehr und Polizei betreten wir eine leere Wohnung, finden allerdings Zigaretten, Alkohol und Tabletten. Das Fenster ist offen. Ich ahne schlimmes, sehe nach draußen und mein Verdacht bestätigt sich.
Das Arbeiten:
Den Kollegen schicke ich mit der Trage und dem schweren Material runter, die Kollegin und ich laufen mit dem nötigsten (Notfallrucksack, Sauerstoff, Halskrause, Defi) nach unten. Die Patientin liegt auf dem Bauch, sie ist eingetrübt aber ansprechbar. Schwierig ist auch, dass der Ex-Freund (= Trainer) hier Tamtam macht und den Einsatz stört. Allgemein schaffen wir es aber im Team, die Dame recht schnell zu versorgen (offene Unterschenkelfraktur).
Verbesserungen:
Hier wird dann schon milder bewertet, es war ein langer Tag und neun Stationen sind nicht ohne bei 35°C im Schatten. Auch unsere immer wieder auftauchenden, teilweise wirklich blöden Meldungen während dieser Station wurden geduldet, genauso wie die Pause, weil wir alle einen Lachanfall bekommen hatten. Wir haben alles fast zur Zufriedenheit des Trainers gemacht – hier gehört aber noch ein bisschen ABCDE-Training gemacht. Die Versorgung hat hier tadellos geklappt.
Fazit:
Total geile Station. Ich bin so froh, dass ich hier die Teamleitung übernommen habe! Es war nicht einfach, weil ich einen Traumapatienten vor mir liegen hatte, der zeitgleich alkoholisiert und psychisch etwas angeknackst war. Zusätzlich war natürlich noch der Ex-Freund da, der einfach nur nervig war.

FAZIT DES TAGES:
Hoch lebe der Grillmeister!
Hoch lebe der Erfinder der Duschen!!
Hoch lebe mein Bett!!!
Nach der Übung gingen wir uns alle duschen, unsere Kleidung konnte man mittlerweile auswringen. Dann wartete schon die Abschlussgrillfeier auf uns. Es war traumhaft! So soll ein Kurs enden. Zumindest ein so anstrengender, fordernder Tag.
Ein bisschen Wehmut ist beim Verabschieden dabei – immerhin bin ich in dem Kurs die einzige Auswärtige, ich werde die anderen nicht mehr bzw. fast nicht mehr sehen. Und einige davon sind mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Es war eine tolle Truppe!

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Notfallsanitäter-Kurs – Woche 9

In der neunten Woche des Kurses hatte ich wieder zweimal 4-Stunden-Abendkurs und einmal 8-Stunden-Samstag.
Die beiden Abendkurse handelten beide von speziellen Notfällen, ein großes Thema war hierbei Geburt & Gynäkologische Notfälle und ein anderes Traumatologische Notfälle, beide am Donnerstag. Am Dienstag gingen wir mehrere kleinere Themen durch: Nephrologische, Urologische, HNO-, Augen-Notfälle.

Nephrologische Notfälle – was betrifft denn das?
Nephrologie hat mit den Nieren zu tun. Zu den Notfällen hierbei zählen Nierenkoliken, Nierensteine, Nierenbeckenentzündungen und natürlich Nierenversagen (und noch viele andere, aber nicht so häufige Notfälle).

Urologische Notfälle – das sollte den meisten von euch klar sein, was das betrifft.
Hierbei geht es um einen oder mehrere „Fehler“ im Harnsystem. Seien es Blasenentzündungen, Hämaturie (Blut im Harn) oder andere Notfälle.

HNO – die Abkürzung für Hals-Nasen-Ohren.
Diese Systeme hängen ja zusammen, die Ohren sind mit dem Rachenraum durch die Eustachio-Röhre verbunden. Deshalb wird hier auch zusammengefasst.

Notfälle, die die Augen betreffen, können unter anderem auch Bindehautentzündungen sein, diese sind zwar recht häufig, aber so gut wie niemand ruft deswegen den Rettungsdienst. Mit was wir aber sehr wohl in Berühung kommen können, sind grauer Star, Netzhautablösungen, grüner Star, …

So viel also mal zum ersten Teil der Woche. Donnerstag wurde es dann noch interessanter.
Was es hier so alles geben kann als gynäkologische Notfälle, wusste selbst ich als Frau, die sich sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat nicht.
Ich habe mich schon seit dem Gymnasium mit der weiblichen Anatomie ziemlich stark beschäftigt, später dann, als ich selbst die Pille bekommen habe, auch mit den Hormonen und deren Beeinflussung durch diverse Medikamente.
Es war ein interessanter Tag, hier haben wir wirklich viel noch lernen können. Gynäkologische Notfälle können doch sehr schnell sehr kritisch werden (Blutverlust in die Gebärmutter = Blutung in eine große Körperhöhle = bleibt lange unbemerkt = kann seeeeehr gefährlich werden). Wir sollten also im Rettungsdienst wirklich auch gut darüber Bescheid wissen.

Traumatologische Notfälle waren für uns dann eigentlich nur eine Wiederholung mit etwas erweiterten Infos, das Thema kennen wir aus diversen Fortbildungen und unserer RS-Ausbildung nur zu gut. Wir hörten also nur kurz ein paar Neuerungen, die wichtigsten Basics und bereiteten uns im Gespräch dann ein bisschen auf den Übungstag am Samstag vor.

Der Übungstag war wirklich spannend, aber auch anstrengend.
Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt, zu je 5 Personen. Geübt und besprochen wurden so am Vormittag geburtshilfliche Notfälle, die Versorgung eines Neugeborenen und diverse Geräte für den traumatologischen Notfall.
Am Nachmittag ging dann der Stationenbetrieb Trauma los: hierbei mussten wir die verschiedensten traumatologischen Szenarien durchspielen. Von „Radsturz durch Hypoglykämie“ bis zu „Kind von Auto angefahren“ und „Sturz auf Becken aus 6m Höhe“. Als wir so die Szenarien durchspielen sollten, ging es einerseits darum, dass wir das ABCDE….-Schema beherrschen und so alle Verletzungen und Ursachen für den Unfall erkennen und andererseits, dass wir mit den am Vormittag kennengelernten Geräten wie Spineboard oder Beckenschlinge richtig und schonend aber schnell arbeiten lernen.
Es gibt Gott sei Dank noch weitere Übungstage, so ganz sicher sind wir uns nach einem Tag natürlich noch nicht. Aber wir haben alle auf jeden Fall ziemlich viel gelernt an diesem Tag =)

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 8

Verspätet aber doch: der Beitrag zu Woche 8

Die letzten Wochen waren wieder besonders stressig. Eine Kollegin fällt hier in der Arbeit ein paar Wochen aus, die Urlaubszeit beginnt auch gerade. Dadurch wird es hier schon mal ein bisschen stressig.
Zu Hause muss ich gerade alles fertig machen für meine beiden neuen Mitbewohner – in drei Wochen kommen Simba und Nala zu mir, kleine Kätzchen. ❤
Auch im Kurs ist es stressig. Jetzt kommen nämlich die richtig heftigen Themen – spezielle Notfälle. Gerade hier sollte man auch die Anatomie schon ein bisschen drauf haben, da bin ich allerdings mit dem Lernen noch etwas hinterher und verstehe manche Zusammenhänge noch nicht ganz. Ich arbeite aber daran 😉

Deshalb bleibt eben gerade recht wenig Zeit, euch hier weiter zu berichten. Ich bemühe mich aber weiter.

So, nun zu Woche 8:
Notfälle bei verschiedenen Krankheitsbildern war hier nochmal das Thema am Mittwoch und den halben Samstag. Hier war für uns vor allem am Samstag das Thema „Akutes Abdomen“ interessant. Akutes Abdomen kann nämlich verdammt viel sein, was alles, das können wir präklinisch aber oft nicht herausfinden.
Aber was heißt „Akuts Abdomen“ denn eigentlich? Eigentlich beschreibt es die Symptome: akut einsetzender abdomineller Schmerz, häufig mit Abwehrspannungen in mindestens einem Quadranten, der präklinisch als „Alarmdiagnose“ einzustufen ist. Es muss also bei der vorläufigen Diagnose Akutes Abdomen immer von einer lebensbedrohlichen Situation ausgegangen werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Präklinisch also eine heikle Angelegenheit, je nachdem welche Grunderkrankung dafür verantwortlich ist, kann es wirklich schnell gefährlich für den Patienten werden. Innere Blutungen zum Beispiel können hier schnell zum Tod führen.
In vielen Fällen hilft hier auch der Notarzt nichts, weil er die Diagnostischen Mittel wie Ultraschall nicht hat.

Samstag Nachmittag ging es dann an „ABCDE“-Training. Den ganzen Nachmittag haben wir verschiedene Szenarien durchgespielt, bei denen die Patienten nach ABCDE/SAMPLER/OPQRST-Schema abgefragt und somit nach kritischer/nicht kritischer Patient eingeteilt und eine brauchbare Verdachtsdiagnose gestellt werden musste. Hat Spaß gemacht und ich habe hier viel Neues gelernt.
In der nächsten Woche haben wir Samstag dann einen ganzen Trainings-Tag, da kann man dieses Wissen gleich anwenden und verbessern.
Der Bericht darüber folgt in den nächsten Tagen 😉

ABCDE/SAMPLER/OPQRST – was ist das?
Diese Abfrage- und Beurteilungskriterien werde ich euch in einem der folgenden Posts noch genau erklären. Mit diesen Buchstaben helfen wir uns im Rettungsdienst, den Patienten einzuschätzen, was er hat und wie kritisch es wirklich ist.