Notfallsanitäter-Kurs – Woche 8

Verspätet aber doch: der Beitrag zu Woche 8

Die letzten Wochen waren wieder besonders stressig. Eine Kollegin fällt hier in der Arbeit ein paar Wochen aus, die Urlaubszeit beginnt auch gerade. Dadurch wird es hier schon mal ein bisschen stressig.
Zu Hause muss ich gerade alles fertig machen für meine beiden neuen Mitbewohner – in drei Wochen kommen Simba und Nala zu mir, kleine Kätzchen. ❤
Auch im Kurs ist es stressig. Jetzt kommen nämlich die richtig heftigen Themen – spezielle Notfälle. Gerade hier sollte man auch die Anatomie schon ein bisschen drauf haben, da bin ich allerdings mit dem Lernen noch etwas hinterher und verstehe manche Zusammenhänge noch nicht ganz. Ich arbeite aber daran 😉

Deshalb bleibt eben gerade recht wenig Zeit, euch hier weiter zu berichten. Ich bemühe mich aber weiter.

So, nun zu Woche 8:
Notfälle bei verschiedenen Krankheitsbildern war hier nochmal das Thema am Mittwoch und den halben Samstag. Hier war für uns vor allem am Samstag das Thema „Akutes Abdomen“ interessant. Akutes Abdomen kann nämlich verdammt viel sein, was alles, das können wir präklinisch aber oft nicht herausfinden.
Aber was heißt „Akuts Abdomen“ denn eigentlich? Eigentlich beschreibt es die Symptome: akut einsetzender abdomineller Schmerz, häufig mit Abwehrspannungen in mindestens einem Quadranten, der präklinisch als „Alarmdiagnose“ einzustufen ist. Es muss also bei der vorläufigen Diagnose Akutes Abdomen immer von einer lebensbedrohlichen Situation ausgegangen werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Präklinisch also eine heikle Angelegenheit, je nachdem welche Grunderkrankung dafür verantwortlich ist, kann es wirklich schnell gefährlich für den Patienten werden. Innere Blutungen zum Beispiel können hier schnell zum Tod führen.
In vielen Fällen hilft hier auch der Notarzt nichts, weil er die Diagnostischen Mittel wie Ultraschall nicht hat.

Samstag Nachmittag ging es dann an „ABCDE“-Training. Den ganzen Nachmittag haben wir verschiedene Szenarien durchgespielt, bei denen die Patienten nach ABCDE/SAMPLER/OPQRST-Schema abgefragt und somit nach kritischer/nicht kritischer Patient eingeteilt und eine brauchbare Verdachtsdiagnose gestellt werden musste. Hat Spaß gemacht und ich habe hier viel Neues gelernt.
In der nächsten Woche haben wir Samstag dann einen ganzen Trainings-Tag, da kann man dieses Wissen gleich anwenden und verbessern.
Der Bericht darüber folgt in den nächsten Tagen 😉

ABCDE/SAMPLER/OPQRST – was ist das?
Diese Abfrage- und Beurteilungskriterien werde ich euch in einem der folgenden Posts noch genau erklären. Mit diesen Buchstaben helfen wir uns im Rettungsdienst, den Patienten einzuschätzen, was er hat und wie kritisch es wirklich ist.

 

…irgendwo im Nirgendwo

Es ist einer meiner ersten Dienste am NAW, ich besuche ja gerade den Notfallsanitäter-Kurs. Bei uns ist nicht wirklich viel zu tun, es gibt wenige Einsätze, und so setze ich mich nach dem Fahrzeug-Check erstmal hin und trinke Kaffee.
Der Check dauert etwas, beim Kaffee lasse ich mir auch Zeit, deshalb ist es schon ungefähr 9 Uhr als das erste Mal der Pager geht.

Ich lese zuerst gar nicht was da alles in der Alarmierung steht, ich sammle meine Sachen ein und gehe zum Auto. Noch kurz warten bis der Notarzt aus der Ambulanz da ist und dann geht es auch schon los. Wir haben nur einen kurzen Anfahrtsweg, ich habe also nicht viel Zeit mich vorzubereiten. Ich höre auf der Anfahrt nur, wie der Fahrer und mein Sani vorne über die Alarmierung reden. „Das ist aber auch noch kein Alter zum Sterben.“
Kreislaufstillstand – Ineffektive Atmung
Ah, das steht also in der Alarmierung. Fffffff…. Noch schnell die Handschuhe überziehen (ich ziehe mir immer gern 2 Paar übereinander an wenn es so aussieht, als ob wir mehr arbeiten müssten – man weiß ja nie wann der Handschuh reißt oder wieviel Blut dran kleben wird) und dann sind wir auch schon da.

Der RTW erwartet uns schon – allerdings mit einem putzmunteren Patienten, der „nur“ über Brust- und Kopfschmerzen klagt. Die Blutdruckmessung sagt uns nichts Gutes, das lässt sich aber mit einem Medikament recht schnell auf ein normales Level senken. Das EKG schaut gut aus, auch die Betreuung tut dem Patienten gut, sein Zustand bessert sich recht rasch. Wir nehmen ihn mit, übergeben ihn im Krankenhaus – alles in allem ein Routineeinsatz, bei dem der Zeitdruck nicht so groß war wie bei anderen.

Zeitdruck… Tja… Was das ist erlebe ich mal wieder am Nachmittag.
Nach dem ersten Einsatz gönn ich mir jetzt endlich mal mein Frühstück. Es ist fast ein bisschen zu ruhig – die Hauptberuflichen werden nicht mal vom Telefon gestört, der Arzt schläft in seinem Ruheraum, ich schlafe beim Fernseher ein.
Das hab ich jetzt davon: Der Pager piept wieder!

Kreislaufstillstand – Atemstillstand
Naja, wunderschönen Guten Morgen (oder eher schon Nachmittag, ich hab anscheinend lange geschlafen).
Der Anfahrtsweg zu diesem Einsatzort ist relativ lange, wir müssen ins andere Tal. Meine Ausbildnerin ruft mir vom Beifahrersitz aus zu, ich solle die RTW-Mannschaft gleich bei der Herzdruckmassage ablösen, sie und der Fahrer kümmern sich um Material und Notarztassistenz.

Erst als ich am Einsatzort aus dem Wagen steige bemerke ich, dass wir mitten auf einem Feld stehen. Wir sind von der Straße weg mit unserem doch recht geländegängigem und mit Allradantrieb ausgestatteten NAW einfach über die Halbe Wiese zum Patienten gefahren. Gut, brauchen wir das schwere Zeug nicht so weit schleppen.

Ich löse also gleich mal die Sanitäterin ab, die die Herzdruckmassage durchführt. Dann kann auch ich mir einen genaueren Überblick verschaffen:
– Der Defi ist geklebt, es wurden bereits einige Schocks abgegeben.
– Der dazugerufene Praktiker ist schon eine Weile da, hat mit einem Larynxtubus mit Magensonde inturbiert und bereits einiges für den Notarzt vorbeireitet.
– Die Polizei steht mit den Angehörigen außerhalb der Sichtweite hinter unserem Wagen.
– Meine Kollegin beginnt, an die drei Sanis vom RTW die Aufgaben zu verteilen (Infusion zusammenbauen, Medikamente aufziehen, EKG kleben, …).
– Unser Fahrer holt das Reanimationsgerät (LUCAS II).
– Der Notarzt bespricht sich mit dem Praktiker – einer übernimmt daraufhin die Beatmung, einer die Medikamente.

Die nächste Analyse des AED steht an. Meine Kollegin löst mich ab und ich arrangiere die Reanimationsmaschine. Sobald diese läuft, braucht von uns niemand mehr die Herzdruckmassage machen, das erledigt jetzt die Maschine.
Während die RTW-Mannschaft und die Ärzte noch weiter arbeiten, holen wir anderen schon mal alles, was wir für einen Transport brauchen: Trage, Schaufeltrage, Beatmungsgerät. Der Patient wird umgelagert, die Maschine an seiner Brust kann in der Zwischenzeit weiterarbeiten.

Warum transportieren wir diesen Patienten? 
Er hat wieder einen Herzrhythmus, allerdings eine PEA (pulslose elektrische Aktivität). Das Herz gibt also die nötigen elektrischen Reize ab, die Herzmuskeln sollten sich also wie üblich zusammenziehen und Blut pumpen. Das tun sie aber nicht. Und deswegen wird der Patient unter laufender Reanimation ins Krankenhaus gebracht. 

Vor der Abfahrt gibt es auch im Auto noch einiges zu erledigen:
– Meine Ausbildnerin und der Arzt kontrollieren den LUCAS, die Beatmungsmaschine, Infusion etc.
– Mein Fahrer packt unsere Sachen vom Feld ein und verstaut sie soweit möglich gleich wieder in den Fächern.
– Ich ziehe die Medikamente auf, die wir während der Fahrt noch brauchen werden.

Alles in allem vergeht die Zeit während einer Reanimation schneller als man glaubt. Wenn ich jetzt so zurück denke, könnte ich euch nicht genau sagen, wie lange wir vor Ort waren. Ich würde aber rein vom Gefühl her sagen, dass es ca. 20-25 Minuten waren, in denen das Auto gestanden ist. Wenn man sich aber genau anschaut, was genau wir alles gemacht haben, dann kann das gar nicht stimmen. Wir sind vielleicht Helden, aber keine Zauberer. Wir waren fast eine dreiviertel Stunde vor Ort. 

Während der Fahrt melden wir uns telefonisch im Zielkrankenhaus an, so wird uns direkt bei Eintreffen am Eingang ein Team bereitgestellt, dass uns in einen für uns reservierten Akutraum begleitet.

Erst jetzt, wo wir fahren, der Patient alle Medikamente bekommen hat und die Reanimations- und Beatmungsmaschine arbeiten, kann ich mich kurz hinsetzen und bemerke, dass meine Augen tränen und die Nase läuft. Verdammt – die Allergie! Klar, sitz mit Gräserallergie auch irgendwo im nirgendwo im frisch gemähten Gras. Tabletten raus und schnell eine genommen, gleich wird’s mir besser gehen…

Die Übergabe im Krankenhaus macht der Notarzt an den zuständigen Arzt der Notaufnahme.
Der Patient wird umgelagert, an die Geräte der Notaufnahme angeschlossen und wir können Auto putzen gehen.

Während wir das Auto wieder startklar machen, die Medikamente im Koffer nachfüllen, die Trage und Geräte putzen und alles wieder einsatzbereit machen, kommt der Notarzt wieder zu uns und erzählt, was drinnen noch passiert ist.

Bei dem Patienten wurde eine Thrombus festgestellt, der zu einer Lungenembolie geführt hat. Daher auch der Atem-Kreislauf-Stillstand. Die Ärzte des Krankenhauses haben nach dieser Entdeckung darauf verzichtet, weiter zu reanimieren. 

Der Patient war knapp über 60 Jahre alt. Wir haben sehr lange reanimiert und sehr viele Medikamente gegeben. Aber mit so einer Diagnose und nach so langer Zeit unter laufender Reanimation ist die Wahrscheinlichkeit gleich 0, dass der Patient das überlebt. Deshalb hat das Krankenhaus sich für einen Abbruch entschieden.

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 4

Die beiden letzten Wochen hatten es in sich, deswegen folgt hier jetzt eine kleine Zusammenfassung beider Wochen:

Woche 4 im NFS-Kurs hieß für uns noch ein bisschen Gas geben um dann mit dem Modulabschluss „Reanimation“ endlich parallel zur Theorie auch in die Praxis starten zu können.
Man glaubt ja gar nicht, wie sehr einen 12x reanimieren in 8 Stunden Kurs schaffen kann – an dem Abend war ich froh endlich ins Bett fallen zu können!

Auch das Kapitel „Störungen der Vitalfunktionen“ haben wir jetzt fertig. Das war auch ein Modul, dass wir vor der Praxis abschließen mussten. Hierbei ging es vertiefend über das ABCDE-Schema (über das werde ich euch sicherlich noch in einem anderen Beitrag berichten) und die Komplikationen, die bei jedem Punkt dieses Schemas auftauchen können und Anhand dessen wir unsere (in der Präklinik vorläufige) Verdachtsdiagnose stellen.

Nun gut, klein rettungsmaedchen darf jetzt also auf den Notarztmitteln (NAW oder NEF) Praxisstunden sammeln!
Hab ich natürlich gleich ausgenutzt und mir die ersten Dienste eingetragen!
Diese Woche ist nämlich Kurs-Pause (und Urlaub)! Da ich aber Mitveranstalterin bei einem großen Fest bin, das gestern Nacht über fie Bühne ging, ist sich nur ein Dienst ausgegangen. Ihr wisst ja, dass ich in einer ziemlich einsatzarmen Gegend tätig bin, deshalb blieb es in den 12 Stunden Dienst auch bei einem Einsatz.
Naja, nächste Woche folgen noch zwei Dienste und drei Kurstage. 🙂

Was ich übrigens noch erreicht habe:
Am 23.4. hatte ich in der früh noch eine kurze Prüfung, auch für die Organisation. Ich habe nun die Führungskräfte-Ausbildung Ebene 1 bestanden und darf mich offiziell Gruppenkommandantin nennen! 🙂

Ab jetzt ist es also mal mit dem Lernen für die eine Prüfung und Vorbereiten für das Fest vorbei und ich hab auch wieder mehr Zeit zu schreiben.

Bis bald ihr Lieben!

24h-Dienst

Ich hatte also wieder 24h-Dienst. War am RTW als Fahrerin eingeteilt.

Ein bisschen geschockt bin ich beim ersten Einsatz – eine Jugendliche, die sich mit Tabletten umbringen wollte. (Dazu in einem späteren Post mal mehr.)
Nummer zwei ist dann der Einsatz, auf den wir alle warten. In der Nähe ist ein Fest, große Disco und viel Alkohol also. Und wie erwartet holen wir dann um ca. Mitternacht ein Mädel, das gerade mal so alt ist, dass sie legal Alkohol konsumieren darf. Natürlich beschwippst, Hauptproblem war aber ihre (vermutlich durch den Alkohol ausgelöste) Panikattacke.

Sonntag früh der Einsatz ist dann schon ein bisschen mehr zu arbeiten. Ich schlafe noch, da piept es plötzlich neben mir am Tisch -> Einsatz. Ca. 80 Jahre, bewusstlos, mit NAW. Ok, also schnell hin, der NAW ist uns dicht auf den Fersen.

Wie befürchtet liegt die Dame am Boden und atmet nicht mehr -> Reanimation. Läuft alles wie am Schnürchen, wir sind genug Leute, ich kann mich kurz um unseren Azubi kümmern. Sie schaut kurz etwas irritiert, auch verständlich bei der ersten Reanimation als Azubi. Sie will dann aber auch mithelfen, traut sich alles selbst zu. Sie macht also die Herzdruckmassage, hat die ideale Drucktiefe und der Rhythmus stimmt auch. Sie ist voll dabei, arbeitet, also ob sie schon oft reanimiert hätte. Somit kann ich mich verziehen – der Ehemann schaut aus, als ob er auch gleich umkippen würde.

Jeder hat seine Aufgabe, alles läuft rund. Obwohl wir in dieser Konstellation noch nie zusammengearbeitet haben. Also, die zwei Besatzungen von RTW und NAW hatten noch nie eine Rea miteinander. Aber jeder weiß genau, was er zu tun hat. Alles funktioniert bestens. Wörter werden fast nicht gebraucht, Gesten und Blicke reichen uns im Moment. Und es läuft wirklich alles wie am Schnürchen.

Wir fahren nachher zum Notarzt auf den Stützpunkt, vielleicht hat die Azubiene ja noch Fragen. Aber sie hat brav die Theorie gelernt im Kurs und auch die Praxis hat toll funktioniert und somit bleiben auch die Fragen später weitgehend aus. Sie steckt es für ihre erste Rea sehr gut weg – mal schauen ob sie die nächsten Tage noch Fragen dazu hat. Die kommen ja oft erst später.
Bei der Nachbesprechung sind wir uns alle einig: Das war eine Rea wie aus dem Lehrbuch…