Erste Hilfe…

…ist um so viel mehr wert als ihr denkt!

Wir erleben es im Rettungsdienst immer mal wieder, dass viele Menschen an einem Unfallort herumstehen, dass keiner hilft, sondern alle nur schauen. Neugierde schön und gut, aber es ist viel schöner zu helfen. Glaubt mir. Man hat danach irgendwie so das Gefühl ein kleines bisschen von einem Helden in sich zu haben. 😉

Ein Beispiel für wirklich gute Erste Hilfe, ich durfte es miterleben: 
Ein tragischer Unfall, Fahrzeugüberschlag, das Fahrzeug landete auf dem Verunfallten. Zu zweit im Dunkeln kann man nicht viel ausrichten, das wussten die beiden anderen Beteiligten sehr gut. Sie liefen also zum nächsten Wohngebäude und holten Hilfe. Gemeinsam mit den anderen Helfern brachten sie den Verletzten unter dem Fahrzeug hervor und begannen mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen. In diesem Fall: Reanimation. 
Es war dreckig, dunkel, rundherum Brennnesseln. Aber sie haben geholfen. Bis wir da waren. Im Dunkel. Im Matsch. In den Ölflecken. Neben dem kaputten Fahrzeug. Einem blutenden Menschen, der keine Atmung und keinen Kreislauf hatte. Den sie auch nicht kannten. Aber sie haben geholfen. 
Liebe Leute – erste Hilfe kann Leben retten!

– Ihr habt Angst, dass euch selbst etwas passiert? Wenn etwas gefährlich erscheint, dann tut es bitte nicht. Ihr braucht euch nicht auch noch selbst verletzten.

– Ihr wollt auf der Autobahn nicht aus dem Auto steigen, um den Menschen vor euch im verunfallten PKW zu helfen? Kein Problem, kann einem Angst machen wenn da Autos so schnell vorbei fahren – ruft aber bitte den Notruf anstatt zu warten bis es jemand anderer macht. Und schaltet bitte alle Lichter an eurem Auto ein – vor allem die Warnblinkanlage!

– Ihr traut euch nicht, das ganze Blut anzufassen, weil Blut Krankheiten übertragen kann? Ihr könnt euch auch über die Luft in der Straßenbahn oder im Büro Krankheiten holen. Außerdem habt ihr im Auto verpflichtend ein Erste-Hilfe-Päckchen mitzuführen, da müssen auch Handschuhe drin sein. Auch im Büro oder wo auch immer ihr arbeitet gibt es mit Sicherheit einen Erste-Hilfe-Koffer. Wer Blut nicht sehen kann, weil er oder sie dann Ohnmächtig wird – bitte ruft den Notruf und holt jemanden in eurer Nähe, um die Wunde zu versorgen.

– Ihr seht jemanden im Park kollabieren, er rührt sich nicht mehr? Geht hin, kontrolliert seine Atmung, ruft den Notruf und beginnt mit der Reanimation wenn er nicht mehr atmet. Wenn ihr nicht wisst wie man das macht: Derjenige, der den Notruf annimmt wird bei euch am Telefon bleiben und euch das erklären. Er bleibt die ganze Zeit bei euch.

– Eure Oma wirkt plötzlich komisch, etwas abwesend? Sprechen fällt ihr schwer, sie kann vielleicht nicht mehr aufstehen? Es könnte ein Schlaganfall sein! Versucht folgendes mit eurerOma: FAST!
F – Face – kann Oma lächeln oder hängt ein Mundwinkel dabei nach unten?
A – Arms – kann Oma beide Arme gleichzeitig nach oben heben bzw. nach vorne strecken oder hat ein Arm zu wenig Kraft dafür?
S – Speech – kann Oma einen einfachen Satz ohne Probleme nachsprechen, verwechselt sie Worte/Buchstaben, kann sie Buchstaben nicht ordentlich aussprechen oder kann sich gar nicht mehr an den Satz erinnern?
T – Time – wenn eines der Zeichen (FAS) zutrifft, dann ruft bitte auf jeden Fall sofort den Notruf an!
Ihr müsst also auch in dem Fall sofort den Notruf wählen. Und sagt dem Menschen am Telefon bitte, dass ihr vermutet, dass es ein Schlaganfall ist! Dann legt eure Oma hin, notfalls auch auf den Boden wenn gerade kein Bett oder eine Couch in der Nähe ist. Aber legt sie bitte auf die Seite, nicht auf den Rücken oder Bauch.

Egal was es ist, ganz wichtig ist es den Notruf zu rufen! Das ist das wichtigste von allen Dingen, die ihr machen könnt!
Wenn ihr gar nichts mehr habt, wenn ihr gar nicht wisst was ihr sonst tun könnt: bleibt bei eurem Patienten. Er wird es euch danken, wenn ihr einfach nur für ihn da seid. Egal, ob er euch kennt oder nicht. Hauptsache es ist ein bisschen seelische Unterstützung da – ist wirklich Gold wert in solchen Situationen. 

Wenn ihr einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen oder einen, der schon Jahre her ist auffrischen wollt dann meldet euch doch bei eurer nächsten Rettungswache. Dort werden immer mal wieder solche Kurse angeboten und wenn gerade keiner läuft dann können die euch sagen, an wen ihr euch sonst wenden könnt.
Wenn ihr das nicht wollt oder glaubt nicht zu brauchen dann merkt euch bitte:
Ruft wenigstens den Notruf, wenn ihr seht, dass jemandem geholfen werden muss! 

DANKE!

Die Sache mit den Freiwilligen…

Ich bin freiwillige Rettungssanitäterin. Und das bin ich gern.

Ich lese in vielen Blogs über den Rettungsdienst. Die meisten davon sind aus Deutschland und damit meist von beruflichen Sanitätern/Feuerwehrmännern.

Ein Blog hat mich wirklich sehr fasziniert, da habe ich allerdings auch gelesen, wie die Hauptberuflichen das mit den Freiwilligen so sehen – und ich komm mir gerade ein bisschen verarscht vor. In dem Beitrag wird nämlich auch Österreich als Negativ-Beispiel genannt. Weil hier eigentlich alles auf den Freiwilligen aufbaut.

Mal kurz zu meiner Ausbildung:
Rettungssanitäter-Kurs zu Beginn der Ausbildung, den machen alle, auch unsere HAs irgendwann mal.
Innerhalb von zwei Jahren dann eine Rezertifizierung (durch Arzt geprüfte Reanimation zur Kontrolle, ob ich das eh noch kann) und eine gewisse Anzahl an Fortbildungsstunden – müssen die Hauptamtlichen (HAs)  bei uns auch machen.
Jedes mal, wenn sich in den Standards etwas ändert, müssen wir freiwilligen RS das als Pflichtfortbildung lernen – auch wie die HAs.
Und daneben müssen wir auch noch so Fortbildungen machen – und ratet mal, wer das noch machen muss. Da können wir uns aber aussuchen welche das sind. Teilweise gibt es Jahresthemen, die dann mit Pflichtfortbildungen verbunden sind.
Es müssen bei uns also die HAs genauso wie die freiwilligen RS dieselben Fortbildungen machen – je nach Ausbildungsstufe (RS/NFS/Kompetenzen) sind das ein bisschen andere Dinge.

Ich kann mich natürlich auch über die geforderten Mindeststunden hinaus fortbilden, außerdem kann ich auch die Ausbildung zum Notfallsanitäter machen – auch mit den Kompetenzen. Also darf ich im Endeffekt gleich viel wie unsere HAs und bin auf dem gleichen Ausbildungsstand.
Und wo liegt jetzt das Problem? Nur weil ich Freiwillig bin, bin ich noch lange nicht schlechter ausgebildet als unsere hauptberuflichen Kollegen…

Thema war auch, dass Freiwillige den HAs die Arbeitsplätze wegnehmen.
Nicht jeder Sani will HA werden. Ich wurde selbst schon gefragt, ob ich beruflich einsteigen würde. Ich hab ein tolles Angebot bekommen, würde mehr verdienen als in meinem Bürojob – aber die Lust daran würde mir auch schnell vergehen. Ich mache das gern als Freiwillige, wenn ich mal Abstand von der ganzen Materie brauche, kann ich mir diesen nehmen.

Ein anderes Argument war auch, dass die Ehrenamtlichen keine Routine hätten.
Ich habe im vorigen Jahr als Freiwillige knappe 1.500 Stunden freiwilligen Dienst gemacht, bin in meinem 2-Jahres-Zyklus mit den Fortbildungen jetzt zur „Halbzeit“ weit über den verlangten Stunden und bin gerade dabei, einen berufsbegleitenden Notfallsanitäter-Kurs zu finden. Soviel zum Thema Routine.

Klar gibt es auch die Negativ-Beispiele, die kaum Dienststunden haben und keine Fortbildungen besuchen. Oder die, die Stunden haben aber keine Kurse belegen. Die werden aber auch zum Gespräch geladen und dann „aussortiert“ falls sich die Situation nicht ändert.
Oder die „Blaulichtgeilen“ – aber das kann genauso gut einer sein, der das Hauptberuflich macht, nur um vor seinen Kumpels mit dem coolen Beruf prahlen zu können. Manchen ist es ja egal, wo und was sie arbeiten, Hauptsache die Kohle und die Anerkennung stimmen (wobei das beim Rettungsdienst ja beides Streitthemen sind).

Es gibt auch in Österreich Systeme mit nur Hauptberuflichen – die Berufsrettung der Stadt Wien zum Beispiel. Auch bei uns am Land in meiner Organisation gibt es einige Hauptberufliche – bei uns um den Tagesbetrieb zu gewährleisten und die Dienstplanung zu übernehmen. Aber wirklich lange, auf Lebenszeit, macht von denen keiner seinen Job. Sie haben vorher einen anderen Beruf erlernt und gehen irgendwann zurück zu dem oder in einen anderen. Aber bleiben tun sie oft keine 10 Jahre – einige wenige ausgenommen.
Viele Freiwillige aber bleiben „ihr Leben lang“ dabei. Wir haben auch für die älteren, die im Rettungsdienst einfach nicht mehr fahren können oder dürfen, noch genug Aufgaben. Die wechseln dann einfach vom RTW zum sozialen Dienst. Und es macht ihnen immer noch Spaß. Das ist ein Teil ihres Lebens, ihr liebstes Hobby.

Der Dienst ist auch mein liebstes Hobby. Ob sich das irgendwann mal ändern wird? Keine Ahnung, aber ich bin ein sozialer Mensch, könnte das aber (momentan) nicht beruflich machen. Vielleicht kommt irgendwann der Punkt an dem ich bereit dazu wäre. Oder der Punkt, an dem ich gar nicht mehr will.

Es gibt diese und jene – die bemühten und die, die das alles nicht so eng sehen. Und die gibt es bei den HAs genauso wie bei den Freiwilligen. Man sollte das aber auf keinen Fall verallgemeinern – wie es in dem anfangs erwähnten Blogbeitrag gemacht wurde.

Ich helfe gerne – sehr gerne sogar.
Ich weiß auch, dass mir das beruflich momentan keinen Spaß mehr machen würde.
Ich weiß auch, dass ich unglücklich wäre, wenn ich nicht mehr als freiwillige RS helfen dürfte/könnte.
Fortbildungen machen mir auch Spaß, ich lerne ja gerne Neues dazu. Und ich will meinen „Job“ ordentlich machen und auf dem neuesten Stand sein, damit ich auch wirklich gut helfen kann. Deswegen mache ich das. Und deswegen mache ich es freiwillig.