Notfallsanitäter

So, jetzt ist es so weit… Vorerst ist es mal vorbei mit Lernen und Üben, ich darf mich jetzt endlich Notfallsanitäter nennen und darf ein bisschen mehr als vorher 😉

In Österreich ist der Notfallsanitäter ja ganz anders als in Deutschland. Bei uns geht es in der Ausbildung, die man als Freiwilliger gut noch neben dem Job absolvieren kann, ja hauptsächlich darum, mehr Wissen zu erlangen, um dem Notarzt schnell und gut assistieren zu können. Dafür ist vor allem die Pharmakologie, also die Arzneimittellehre wichtig. Wenn ein Arzt sagt, er will dieses oder jenes Medikament, muss ich wissen, was das ist, wie man es ordentlich vorbereitet und wie man es verabreicht (Verdünnung, wieviel zieh ich in die Spritze auf, wenn mir Wirkstoffnamen gesagt werden muss ich den Handelsnamen in unserem Ampullarium kennen und so weiter). Außerdem wird in Anatomie und Krankheitslehre vertiefend unterrichtet, man kann als NFS also eher Differentialdiagnosen stellen und mit Arztbriefen besser umgehen als als RS. Dadurch ist die Versorgung natürlich oft idealer bzw. die Übergabe im Krankenhaus detaillierter und es  kann somit dort in weiterer Folge Zeit gespart werden bei der weiteren Anamnese und Behandlung. Generell ist mit dem Wissen oft der Zugang zu manchen Einsätzen gleich ein ganz anderer, man bereitet sich schon auf der Anfahrt gedanklich ganz anders vor, Algorithmen, die vorher nicht da waren, geistern einem dann im Kopf herum und die Antwortmöglichkeiten zur Frage „Was erwartet mich dort wirklich?“ sind gleich mal etwas andere als vorher. 

Ich würde nicht sagen, dass ich vor der Ausbildung ein guter oder schlechter Rettungssanitäter war, ich sage jetzt auch nicht, dass ich ein guter oder schlechter Notfallsanitäter bin, aber durch das zusätzliche Wissen fällt doch einiges leichter.

Ich darf also jetzt den Notarzt als NEF-Fahrer begleiten und wenn ich mal ohne den am RTW unterwegs bin auch selbst ein paar Medikamente geben. Jetzt genieße ich erstmal die lernfreie Zeit, nächstes Jahr geht’s dann wahrscheinlich eine Stufe höher in der Führungskräfte-Ausbildung.
(Ja, ich weiß, ich bin das Rettungsmädchen und habe hier nicht einmal gegendert. Ich finde es nämlich schrecklich, dauernd lesen zu müssen „die Notfallsanitäterin/der Notfallsanitäter hat in diesem Fall dieses und jenes zu tun“ oder „die Ärztinnen und Ärzte kämpften um das Leben des…“ Hier wird nicht gegendert und das ist gut so!)

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Trauer

Warum trauern wir?
Es gibt viele Gründe dafür, am häufigsten kommen wir im Rettungsdienst mit der Trauer um einen verstorbenen Menschen in Berührung. Wenn wir nach Hause gerufen werden, weil der Opa im Bett liegt und sich nicht mehr rührt. Wenn wir den Angehörigen mitteilen müssen, dass es der Opa nicht geschafft hat. Dann sehen wir meist zwei Dinge in ihren Gesichtern: Schmerz und Trauer.

Trauer ist ein Prozess, der sich in verschiedene Phasen einteilen lässt. Hierzu die beiden gängisten Modelle kurz beschrieben (detaillierte Infos unter www.trauerphasen.de)
Nach Verena Kast sind das die vier Phasen:
Nicht-Wahrhaben-Wollen („Es darf nicht wahr sein.“)
aufbrechende Emotionen (Schwankungen zwischen Trauer, Wurt, Angst, …)
Suchen (auf Fotos, in seinem Zimmer, am Lieblingsplatz, …)
neuer Bezug zur Umwelt und sich selbst (= Akzeptanz, Einfügen in eine neue Rolle)
Yorick Spiegel teilt die vier Phasen etwas anders ein:
Schockphase (Verhalten wie in einer Traumwelt)
Kontrollierte Phase (Ablenkung durch verschiedene Aktivitäten um das Gefühl der Leere zu verdrängen)
Regression (Rückzug um mit der Trauer allein zu sein und damit umgehen zu lernen)
Anpassung (Rückkehr in ein normales Leben)

Warum schreibe ich hier jetzt von Trauer?
Nun ja, ich durfte eine faszinierende Seite der Trauer kennenlernen.
Trauer kann nämlich auch vor dem Verlust eines geliebten Menschen bestehen. Wenn man zum Beispiel erklärt bekommt, dass Mutter mit fast 90 Jahren nicht mehr lange zu leben hat, weil sie Krebs hat.

Wir brachten mit dem KTW eine Patientin nach Hause, die Palliativ im Krankenhaus war. Sie wurde auf eigenen Wunsch nach Hause gebracht, sie wollte im Kreise der Familie und vor allem zu Hause sterben.
Palliativ – was ist das? Es gibt in Krankenhäusern eigene Stationen, es gibt eigene Pflegehäuser, Pflegedienste dafür. Für sterbenskranke Menschen, die nur noch bestmöglich gepflegt und betreut werden, bis sie sterben. Die dadurch sozusagen darauf vorbereitet werden.
Ich bewundere alle Palliativpfleger – ihr macht eine wahnsinnig wichtige, schöne, anstrengende, belastende Arbeit. Schön? Ja, ich finde es schön, wenn man die letzten Tage/Wochen einer sterbenden Person noch bestmöglich mitgestalten kann. Man lernt Menschen in ihren ehrlichsten Momenten kennen und darf ihnen die wahren Herzenswünsche noch erfüllen. Aber es ist auch belastend, immerhin weiß man ganz genau, was auf den Menschen zukommt, dem man gerade noch geholfen hat, sich auf das Kommende vorzubereiten.
Ich könnte das nicht mein Leben lang machen.

Was ich aber kann, ist immer mal wieder durch den Rettungsdienst die Palliativstation bei uns unterstützen. Und zwar, indem ich helfe, die Wünsche zu erfüllen.
Ich durfte einmal eine Patientin nach Hause bringen, der nur noch ganz ganz wenig Zeit zu Leben gegeben wurde. Die Dame war ganz klar im Kopf. Fast 90, sehr krank aber eine tapfere kleine Lady. Sie wünschte sich, dass sie zu Hause sterben dürfe. Im Kreis ihrer Familie, ihrer Kinder.

Im Krankenhaus erwarteten uns die Tochter und einer der Söhne. Wir lagerten die Dame nach ihren Wünschen auf unserer Trage – es soll so bequem wie möglich sein. Jetzt gibt es außerdem keinen Stress mehr. Der Oberarzt wollte noch mit uns reden, also mussten wir auch noch kurz warten.
Er erklärte uns, wie es um die Dame stand. Was der Grund für den Heimtransport war. Dass sie bei klarem Verstand sei. Wir wurden darüber aufgeklärt, dass der Dame so wenig Zeit gegeben wird, dass sogar der Tod am Transportweg nach Hause nicht ausgeschlossen werden kann.
Nein, sie starb nicht im KTW. Sie war tapfer, auch ihre Kinder. Der Sohn fuhr bei uns mit, er hielt die ganze Zeit über die Hand seiner Mutter. Sie wirkten so friedlich.

Man merkte allen an, dass sie mit der Sache abgeschlossen hatten. Sie waren darauf vorbereitet. Die prägenden Trauerphasen waren überwunden. Sie wollten nur noch Ruhe. Nach den Phasen von Yorick Spiegel wären sie in der Regression gewesen. Der Rückzug, der Abschluss mir dem Thema, das war in diesem Moment wichtig. Keine Tränen mehr, keine Wut, keine ungläubigen Worte oder Verleugnungen. Jeder wusste, was jetzt kommt.

Ich will ehrlich sein: Ich wünschte der Dame, dass sie nicht zu leiden hat. Dass sie ein paar angenehme Stunden mit ihren Liebsten verbringen darf. Dass es vorbei ist, bevor die Schmerzen wiederkehren. Das waren auch ihre Wünsche, und wir haben es geschafft, dass ein Teil des Wunsches wahr wurde. Sie bedankte sich noch bei uns, auch ihre Kinder. Sie wirkte so entspannt, wie sie da in ihrem Bett lag. So still und heimlich wie möglich machten wir uns aus dem Staub. Hier wollten wir nicht mehr stören.

Etwas später erfuhr ich durch eine Traueranzeige, dass die Dame noch am selben Abend verstorben war, ein paar Stunden nachdem wir sie heimgebracht hatten. Sie hatte es geschafft, ihr letzter Wunsch war in Erfüllung gegangen.
Es freut mich, dass ich sie unterstützen – also heimbringen – durfte.
Es freut mich, dass sie bis zuletzt nicht allein war.
Es freut mich, dass sie in aller Ruhe gehen konnte.

Die Sache mit den Freiwilligen…

Ich bin freiwillige Rettungssanitäterin. Und das bin ich gern.

Ich lese in vielen Blogs über den Rettungsdienst. Die meisten davon sind aus Deutschland und damit meist von beruflichen Sanitätern/Feuerwehrmännern.

Ein Blog hat mich wirklich sehr fasziniert, da habe ich allerdings auch gelesen, wie die Hauptberuflichen das mit den Freiwilligen so sehen – und ich komm mir gerade ein bisschen verarscht vor. In dem Beitrag wird nämlich auch Österreich als Negativ-Beispiel genannt. Weil hier eigentlich alles auf den Freiwilligen aufbaut.

Mal kurz zu meiner Ausbildung:
Rettungssanitäter-Kurs zu Beginn der Ausbildung, den machen alle, auch unsere HAs irgendwann mal.
Innerhalb von zwei Jahren dann eine Rezertifizierung (durch Arzt geprüfte Reanimation zur Kontrolle, ob ich das eh noch kann) und eine gewisse Anzahl an Fortbildungsstunden – müssen die Hauptamtlichen (HAs)  bei uns auch machen.
Jedes mal, wenn sich in den Standards etwas ändert, müssen wir freiwilligen RS das als Pflichtfortbildung lernen – auch wie die HAs.
Und daneben müssen wir auch noch so Fortbildungen machen – und ratet mal, wer das noch machen muss. Da können wir uns aber aussuchen welche das sind. Teilweise gibt es Jahresthemen, die dann mit Pflichtfortbildungen verbunden sind.
Es müssen bei uns also die HAs genauso wie die freiwilligen RS dieselben Fortbildungen machen – je nach Ausbildungsstufe (RS/NFS/Kompetenzen) sind das ein bisschen andere Dinge.

Ich kann mich natürlich auch über die geforderten Mindeststunden hinaus fortbilden, außerdem kann ich auch die Ausbildung zum Notfallsanitäter machen – auch mit den Kompetenzen. Also darf ich im Endeffekt gleich viel wie unsere HAs und bin auf dem gleichen Ausbildungsstand.
Und wo liegt jetzt das Problem? Nur weil ich Freiwillig bin, bin ich noch lange nicht schlechter ausgebildet als unsere hauptberuflichen Kollegen…

Thema war auch, dass Freiwillige den HAs die Arbeitsplätze wegnehmen.
Nicht jeder Sani will HA werden. Ich wurde selbst schon gefragt, ob ich beruflich einsteigen würde. Ich hab ein tolles Angebot bekommen, würde mehr verdienen als in meinem Bürojob – aber die Lust daran würde mir auch schnell vergehen. Ich mache das gern als Freiwillige, wenn ich mal Abstand von der ganzen Materie brauche, kann ich mir diesen nehmen.

Ein anderes Argument war auch, dass die Ehrenamtlichen keine Routine hätten.
Ich habe im vorigen Jahr als Freiwillige knappe 1.500 Stunden freiwilligen Dienst gemacht, bin in meinem 2-Jahres-Zyklus mit den Fortbildungen jetzt zur „Halbzeit“ weit über den verlangten Stunden und bin gerade dabei, einen berufsbegleitenden Notfallsanitäter-Kurs zu finden. Soviel zum Thema Routine.

Klar gibt es auch die Negativ-Beispiele, die kaum Dienststunden haben und keine Fortbildungen besuchen. Oder die, die Stunden haben aber keine Kurse belegen. Die werden aber auch zum Gespräch geladen und dann „aussortiert“ falls sich die Situation nicht ändert.
Oder die „Blaulichtgeilen“ – aber das kann genauso gut einer sein, der das Hauptberuflich macht, nur um vor seinen Kumpels mit dem coolen Beruf prahlen zu können. Manchen ist es ja egal, wo und was sie arbeiten, Hauptsache die Kohle und die Anerkennung stimmen (wobei das beim Rettungsdienst ja beides Streitthemen sind).

Es gibt auch in Österreich Systeme mit nur Hauptberuflichen – die Berufsrettung der Stadt Wien zum Beispiel. Auch bei uns am Land in meiner Organisation gibt es einige Hauptberufliche – bei uns um den Tagesbetrieb zu gewährleisten und die Dienstplanung zu übernehmen. Aber wirklich lange, auf Lebenszeit, macht von denen keiner seinen Job. Sie haben vorher einen anderen Beruf erlernt und gehen irgendwann zurück zu dem oder in einen anderen. Aber bleiben tun sie oft keine 10 Jahre – einige wenige ausgenommen.
Viele Freiwillige aber bleiben „ihr Leben lang“ dabei. Wir haben auch für die älteren, die im Rettungsdienst einfach nicht mehr fahren können oder dürfen, noch genug Aufgaben. Die wechseln dann einfach vom RTW zum sozialen Dienst. Und es macht ihnen immer noch Spaß. Das ist ein Teil ihres Lebens, ihr liebstes Hobby.

Der Dienst ist auch mein liebstes Hobby. Ob sich das irgendwann mal ändern wird? Keine Ahnung, aber ich bin ein sozialer Mensch, könnte das aber (momentan) nicht beruflich machen. Vielleicht kommt irgendwann der Punkt an dem ich bereit dazu wäre. Oder der Punkt, an dem ich gar nicht mehr will.

Es gibt diese und jene – die bemühten und die, die das alles nicht so eng sehen. Und die gibt es bei den HAs genauso wie bei den Freiwilligen. Man sollte das aber auf keinen Fall verallgemeinern – wie es in dem anfangs erwähnten Blogbeitrag gemacht wurde.

Ich helfe gerne – sehr gerne sogar.
Ich weiß auch, dass mir das beruflich momentan keinen Spaß mehr machen würde.
Ich weiß auch, dass ich unglücklich wäre, wenn ich nicht mehr als freiwillige RS helfen dürfte/könnte.
Fortbildungen machen mir auch Spaß, ich lerne ja gerne Neues dazu. Und ich will meinen „Job“ ordentlich machen und auf dem neuesten Stand sein, damit ich auch wirklich gut helfen kann. Deswegen mache ich das. Und deswegen mache ich es freiwillig.

Verrutscht…?

Endlich habe ich wieder etwas Zeit meine Geschichten aufzuarbeiten. Hier kommt mal wieder eine Geschichte, die (für meine Verhältnisse) schon ziemlich lange her ist. 

Sturz, viel Blut
– oder so ähnlich steht in der Alarmierung, ich weiß es nicht mehr so genau. Wir fahren aber solo, ohne NAW.

Es ist Dienstagnacht, kurz nach Mitternacht. Ich und der Kollege sind vorm Fernseher eingeschlafen als uns der Pager mit dieser Meldung aus unseren Träumen reißt.

Die Anfahrt ist kurz, aber wir müssen zuerst mal den richtigen Eingang im Hof suchen, es wurde uns kein Licht aufgedreht und keine Tür aufgemacht. Hinter der richtigen Tür ist dann aber auch schon Schluss, weiter komme ich nicht. Ein „Raum“, gerade mal 1m² groß, links geht gleich die Treppe weg und die anderen beiden Wände sind zugestellt mit Kleiderhaken und Schirmständer. Außerdem steht in diesem Raum auch noch der Ehemann. Und da auf der Treppe sitzt unsere Patientin.

Erstmal sehe ich wirklich nur Blut und denke mir so „Ach du….“ – sie musste die Treppe heruntergefallen sein, die kleinen Teppiche in der Biegung oben sind verrutscht und an der Wand gegenüber der Stufen klebt Blut. Nachdem hier absolut kein Platz zum Arbeiten ist, müssen wir tricksen. Ich stabilisiere den Kopf der Patientin mit meinen Händen erstmal frontal – also indem ich den Kopf von vorne mit meinen Händen fixiere – sie will sich weiter bewegen. Bei so einem Sturz könnte das aber üble Folgen haben. Ich rufe meinen Kollegen, der noch vor der Tür steht weil drinnen wie gesagt kein Platz ist. Ok, tricksen. Der Kollege übernimmt den Kopf während ich mich hinter die Patientin setze, ich nehme den Kopf wieder damit er Platz hat ihr die Halskrause anzulegen. Jetzt schicke ich ihn das Verbandsmaterial vom Rucksack draußen holen, ich nehme der Dame mal das Taschentuch aus der Hand, das sie an ihre Stirn drückt.

Und dann erschrecke ich ein zweites Mal. „Bitte Notarzt rufen, große Kopfverletzung nach Sturz über die Treppen“ rufe ich dem Kollegen zu. Der reagiert sofort – er braucht nicht nochmal drauf schauen, er vertraut mir – und gibt das über den Funk an die Leitstelle weiter. Die Dame hat eine „Platzwunde“ am Kopf, die ca. 9-10 cm lang ist, vom Haaransatz bis zur Mitte des Schädels nach hinten verlaufend. Und sie ist tief – so tief, dass wir ihren Schädelknochen sehen können. Durch die große Wunde und die Macht der Schwerkraft ist ihr im wahrsten Sinne des Wortes „das Gesicht verrutscht“ – die Wunde klafft auseinander und dadurch rutscht die gesamte Haut zur Seite und macht ein paar Zentimeter darunter Falten, nein, richtige Wellen.

Vom Platz her ist Arbeiten in dieser Umgebung der Wahnsinn. Platzmanagement wird normalerweise groß geschrieben im Rettungsdienst – um ordentliche Versorgungen hinzubekommen, ist eine gute Struktur beim Auflegen des Materials wichtig. In diesem Fall hatten wir einfach nicht den Platz, um uns ordentlich zu strukturieren. Deshalb mussten wir beim Kopf fixieren tricksen.

Mehr als eine Wundauflage drauflegen und sie weiter untersuchen können wir momentan nicht machen, der Notarzt ist aber schnell da. Die Erstuntersuchung ergibt keine direkten Hinweise auf eine Hirnblutung oder Ähnliches – erstmal gleich große Pupillen, kein Kraftverlust in einem der Arme, kein Lähmungsgefühl. Sprachschwierigkeiten hat sie, wir wissen aber nicht, ob es ihr bloß durch das herausgefallenen dritte Gebiss schwer fällt, normal zu reden. Es ist zu früh für die klassischen Anzeichen, vermuten wir zumindest, immerhin sind wir wirklich schnell hier gewesen.
Mit Hilfe der NAW-Besatzung schaffen wir es, die Dame behutsam auf die Trage zu schaffen, danach bekommt sie vom Arzt das volle Programm und wird ins Krankenhaus gebracht. Auf der Fahrt dorthin prägen sich anscheinend dann auch die typischen Anzeichen für eine Hirnblutung aus.

Eineinhalb Jahre später erfahre ich durch Zufall, dass unsere Patientin durch den Sturz eine Hirnblutung hatte und nun ein Pflegefall ist. Die Verletzungen durch den Sturz waren einfach zu groß, um ohne spätere Folgen davon zu kommen – weder wir noch das Krankenhaus hätten hier etwas daran ändern können. 

Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 2

Fortsetzung zu Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 1

Station 5: „Bus Stop“
Linienbus im Freigelände
Das es was mit einem Bus zu tun hat, wissen wir ja schon. Trauma? Massenanfall an Verletzten? Internistisch?
Szenario:
Der Trainer fragt uns, ob wir bereit wären, für ein Experiment. Dafür, dass er uns die Station extra schwer gestaltet, dürfen wir gleich als Fünfer-Team durchstarten. Es ist ein Experiment, somit also nicht ganz soooo streng bewertet…
Die Alarmierung lautet „Fußverletzung“ im Bus nach Notbremsung. Der „Busfahrer“ (= Trainer) erzählt uns, dass eine Dame während der Fahrt gestanden sei. Er musste eine Notbremsung machen, daraufhin sei die Dame nach vorn gefallen und zwischen den Reihen zu liegen gekommen. Sie schreit und kommt selbst  nicht mehr auf. Die anderen Fahrgäste hat der Busfahrer bereits aus dem Bus aussteigen lassen, alle beiden Eingänge sind offen und frei für uns.
Das Arbeiten:
Wir machen uns aus, dass meine Kollegin hier gerne wieder Teamleaderin wäre. Sie geht als erstes durch den hinteren Eingang in den Bus und lokalisiert die Patientin. Sie liegt im Mittelgang zwischen den Reihen, mit den Füßen zu uns, offensichtlich hat sie große Schmerzen. Meine Kollegin geht sofort zu ihr, quält sich über die Sitze so hin, dass sie das Szenario gut im Blick hat und zeitgleich die Patientin untersuchen kann. Ich bin die zweite hinter ihr, schicke einen Kollegen von vorne zur Patientin um den Kopf zu fixieren, selbst sehe ich mir das Bein genauer an, dass zwischen den Sitzen eingeklemmt und verdreht ist – daher also auch die Schmerzen.
So, wie bekommen wie die Patientin mit möglicher Wirbelsäulenverletzung und offensichtlicher Unterschenkel-Verletzung nun möglichst schonend aus dem 45°C heißen Bus? Jaaaa, wir bereuen zu diesem Zeitpunkt, „Extra Schwer“ bestellt zu haben…
Die Station ist eine Spineboard-Improvisations-Übung, hier sollen alle Teams einfach lernen, unter erschwerten Bedingungen mit dem Brett zu üben.
Idee 1: Wir drehen die auf der Seite liegende Patientin auf den Rücken, um ihr die Halskrause anlegen zu können. Dann drehen wir sie wieder auf die Seite, um sie auf das Spineboard ziehen zu können. Meine Gedanken dazu: Bullshit – wäre einmal extra drehen! Patientenschonung??
Idee 2: Patientin liegt perfekt da, um sie aufs Spineboard zu bekommen. Warum nicht den Kopf weiter manuell fixieren – immerhin sind wir fünf Leute, da kann ich einen gut dafür verwenden – und am Spineboard dann die Halskrause anlegen? Einmal weniger drehen = Patientinschonung!!
Jetzt wird wohl erstmal diskutiert. Teamleader muss entscheiden, was gemacht wird. Nach ewigem diskutieren entscheidet die Teamleaderin mithilfe des Trainers, dass wir doch Idee 2 nehmen – Gott sei Dank! Mit viel hin und her und „wie geht das am Besten?“ bekommen wir die Patientin dann doch raus…
Verbesserungen:
Nachdem wir die Experiment-Gruppe waren, gibt es nur zu sagen, dass wir an unserem Tempo arbeiten müssen. Die Kommunikation hat funktioniert, wir müssen allerdings sicherer werden und dürfen auch nicht mehr so lange diskutieren. Sch… auf Stifneck (HWS-Schiene) wenn du jemanden hast, der manuell fixieren kann! Dadurch wird der Kopf sogar besser stabilisiert!
Fazit:
Naja, nicht die Meisterleistung, aber auch nicht schlecht. Ich bin stolz, dass ich auf die Idee mit dem Spineboard sofort drunter schieben gekommen bin, aber nicht darauf, dass wir dann so lange gebraucht haben. Die Station an sich war aber absolut geil! Wer darf schon mal in einem Bus sowas üben?

So, jetzt hab ich ein Problem: mein Kreislauf sackt zusammen. Ich quäle mich schnellstmöglich zur nächsten Station, die in der Halle stattfindet. Wasser in den Nacken, hinlegen, Beine hoch. Hilft nur mäßig…
Die nächsten Stationen muss ich aussetzen, ich hätte es nicht geschafft. Deshalb hier nur ganz kurze Erklärungen dazu:

Station 6: „Under Pressure“
Ich habe die Station zwar verfolgt, aber nur am Rande. Ich war ja immer noch damit beschäftigt nicht in bewusstlos zu werden. 
Hierbei ist die Patientin eine KFZ-Mechanikerin. Das Auto steht auf einem Wagenheber, der allerdings kaputt wurde, während sie noch mit den Beinen unter dem Fahrzeug war. Das schwere Auto ist nach unten gefallen und durch die Wucht hat es ihr das Bein zertrümmert. Außerdem hat sie eine starke Spritzblutung aus der Oberschenkelarterie.
Ziel der Station: richtigen Punkt zum Abdrücken in der Leistenbeuge finden und einen schnellstmöglichen Transport organisieren.

Station 7: „Breathelss“
Ich wäre soweit eigentlich wieder fit. Die Trainer lassen mich allerdings nicht in den Bus, wo diese Station stattfindet. Es ist dort einfach zu heiß. Ich muss im Schatten warten.
Ich bekomme von der Station also auch nicht wirklich was mit. Was mir erzählt wird: Fahrgast im Bus erleidet Herzinfarkt, kontinuierliche Zustandsverschlechterung während Anamnese bis hin zum Atem-Kreislauf-Stillstand.
Ziel der Station: Platzmanagement bei Reanimation

Station 8: „Burnin‘ Alive“
Auch hier hätte ich gerne mitgemacht, da es aber auf der Terrasse war, meinten die Trainer wieder, dass ich mich in den Schatten setzen soll. Hier war auch das Zusehen spannend, mit so einem Szenario hätte niemand gerechnet.
Klar, es hat was mit Verbrennung zu tun. Vater wirft den Grill an und meint mit Brennspiritus geht das alles schneller. Blöd nur, dass es dadurch eine kleine Explosion gibt. Vater verletzt, Sohn (5 Jahre) ebenso. Vater legt Kind noch in das Planschbecken, um ihn zu kühlen.
Der Vater ist recht schnell versorgt – Erwachsene verkraften Verbrennungen besser als Kinder. Beim Kind geht es allerdings bis zum Atem-Kreislauf-Stillstand. Es wurde also noch schnell eine Kinder-Reanimation eingebaut in dem Szenario.
Man merkt mittlerweile allen an, dass es für heute reicht. Niemand ist mehr zu irgendwas fähig, es ist einfach zu heiß. In dem Szenario funktioniert hauptsächlich das Platzmanagement nicht, obwohl wir das alle mittlerweile schon mit links machen könnten.

Station 9: „Killing Me Softly“
Hier war ich wieder dabei und wollte auch Teamleader sein. Wurde mir erlaubt, meinem Kreislauf ging es nach drei Pausen wieder angemessen gut.
Szenario:
Wir werden vom Ex-Freund gerufen, weil die Patientin sich in der Wohnung eingesperrt hat und nicht antwortet. Er befürchtet, dass sie wegen ihren psychischen Problemen Mist gebaut hat.
Nach der „Türöffnung“ durch Feuerwehr und Polizei betreten wir eine leere Wohnung, finden allerdings Zigaretten, Alkohol und Tabletten. Das Fenster ist offen. Ich ahne schlimmes, sehe nach draußen und mein Verdacht bestätigt sich.
Das Arbeiten:
Den Kollegen schicke ich mit der Trage und dem schweren Material runter, die Kollegin und ich laufen mit dem nötigsten (Notfallrucksack, Sauerstoff, Halskrause, Defi) nach unten. Die Patientin liegt auf dem Bauch, sie ist eingetrübt aber ansprechbar. Schwierig ist auch, dass der Ex-Freund (= Trainer) hier Tamtam macht und den Einsatz stört. Allgemein schaffen wir es aber im Team, die Dame recht schnell zu versorgen (offene Unterschenkelfraktur).
Verbesserungen:
Hier wird dann schon milder bewertet, es war ein langer Tag und neun Stationen sind nicht ohne bei 35°C im Schatten. Auch unsere immer wieder auftauchenden, teilweise wirklich blöden Meldungen während dieser Station wurden geduldet, genauso wie die Pause, weil wir alle einen Lachanfall bekommen hatten. Wir haben alles fast zur Zufriedenheit des Trainers gemacht – hier gehört aber noch ein bisschen ABCDE-Training gemacht. Die Versorgung hat hier tadellos geklappt.
Fazit:
Total geile Station. Ich bin so froh, dass ich hier die Teamleitung übernommen habe! Es war nicht einfach, weil ich einen Traumapatienten vor mir liegen hatte, der zeitgleich alkoholisiert und psychisch etwas angeknackst war. Zusätzlich war natürlich noch der Ex-Freund da, der einfach nur nervig war.

FAZIT DES TAGES:
Hoch lebe der Grillmeister!
Hoch lebe der Erfinder der Duschen!!
Hoch lebe mein Bett!!!
Nach der Übung gingen wir uns alle duschen, unsere Kleidung konnte man mittlerweile auswringen. Dann wartete schon die Abschlussgrillfeier auf uns. Es war traumhaft! So soll ein Kurs enden. Zumindest ein so anstrengender, fordernder Tag.
Ein bisschen Wehmut ist beim Verabschieden dabei – immerhin bin ich in dem Kurs die einzige Auswärtige, ich werde die anderen nicht mehr bzw. fast nicht mehr sehen. Und einige davon sind mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Es war eine tolle Truppe!

Ääähm… #2

Ausschlag – keine Notfallleitsymptome erkennbar

So sieht die Meldung am Pager aus, die wir um halb 4 Uhr früh bekommen – und das in einer Horrornacht.
Horrornacht? Ja klar, wir waren heute schon bei verstauchten Knöcheln und betrunkenen 15-Jährigen und Heimtransporten. Wir haben bis jetzt nur 5 Minuten Schlaf bekommen. Und dann das… >.<

Jetzt kann es alles sein – eine Allergie, eine Krankheit – oder auch nichts. Wir erwarten mal alles und fahren einsatzmäßig zur Patientin.

Meinen Kollegen schicke ich gleich wieder zur Tür raus, der Patientin geht es auf den ersten Blick schon mal nicht allzu schlecht, aber sie sitzt komplett nackt vor mir und der Ausschlag zieht sich über den Schambereich. Es ist eine stille Abmachung: immer wenn eine Frau am RTW mitfährt und einer nackten PatientIN geht es so gut, dass sie jetzt nicht akut die Hilfe von uns beiden braucht, dann darf die Frau das mal übernehmen. Hier geht es einfach um das Schamgefühl der Patientin. Im akuten Notfall, wenn beide Sanitäter unbedingt sofort gebraucht werden, na dann gehen ja auch beide zu ihr hin.

Also in dem Fall mal ich zur Patientin und der Kollege raus vor die Tür. Die Patientin ist stabil, sie hat keine Allergien, wurde von keinem Tier gestochen, die Salbe die sie aufträgt hat sie schon jahrelang. Aber der Ausschlag zieht sich doch von den Füßen bis zum Nabel hoch, knallrot, ohne Hitze ohne Schwellung. Die Patientin gibt mir gegenüber auch an, dass sie keine Schmerzen hat und es nicht juckt, der Ausschlag ist aber schon seit 4 Tagen da und hat sich immer weiter ausgebreitet.
Alle Werte der Patientin sind in Ordnung, ich lasse der Dame untenrum etwas anziehen und gehe zu meinem Kollegen vor die Tür.

Nochmal von vorne:
– Die Patientin hat seit 4 Tagen nicht juckenden/nicht brennenden/nicht schmerzenden Ausschlag.
– Seit 4 Tagen breitet sich der Ausschlag aus, von den Füßen beginnend bis jetzt aktuell zum Bauchnabel.
– Alle Werte der Patientin sind vollkommen im Normbereich.
– Sie hat keine Beschwerden!
– ES IST HALB 4 UHR NACHTS!!!
—>>> Ääähm… Nr. 1 dieser Nacht

Da ich aktuell kein Problem bei der Patientin erkennen kann, rate ich ihr, doch am Vormittag gleich den Ärztenotdienst anzurufen (Sonntag, kein Hausarzt regulär erreichbar, einer davon hat aber immer Notdienst am Wochenende), ich suche ihr sogar aus dem Internet heraus, welcher Arzt das denn jetzt wäre.
Nein. Sie will mitfahren. Sie will das sofort klären. Im Krankenhaus.
Ich erkläre ihr nochmals, dass sie akut jetzt nicht gefährdet ist und sie vom Krankenhaus wahrscheinlich mit einem Rezept für eine Salbe gleich wieder heim geschickt werden wird. Nein. Sie will mitfahren.

Nun gut. In dem Fall können wir nichts machen. Eingepackt und ab geht’s.
Nachdem dies kein akuter Notfall ist, fahren wir nicht in die Klinik mit Maximalversorgung, die hätte nämlich auch eine Dermatologie, die aber nachts und an Wochenenden sowieso nur Notambulanz für richtige Notfälle ist. Wir fahren also bei uns ins nähere Krankenhaus und lassen den Ausschlag in der Aufnahme kurz anschauen.
Dort ist bei der Krankenschwester noch alles ok, es tut ihr nichts weh als der Ausschlag abgetastet wird. Dann kommt der Arzt und das Theater geht los: Berührung am Bein –> Geschrei. Es geht ein paar Minuten so weiter, die Krankenschwester und wir müssen uns ehrlich gesagt das Lachen verkneifen.
—>>> Ääähm… Nr. 2 dieser Nacht

Nach kurzer Besprechung von Arzt und Schwester kommt sie dann auf uns zu und teilt uns mit, dass der Arzt das gerne noch auf der Dermatologie begutachten lassen würde, und zwar sofort. Bedeutet für uns eine Überstellung ins nächste größere Krankenhaus. Die Schwester kann es selbst nicht ganz fassen, hat sie doch selbst gesehen und dem Arzt erzählt, dass vorher keine Schmerzen da waren. Sie hat dem Arzt auch zu „heimschicken und Hausarzt abwarten“ geraten.
—>>> Ääähm… Nr. 3 dieser Nacht

Im anderen Klinikum angekommen, werden wir müde belächelt vom Personal der Dermatologie, der Arzt schaut uns grimmig an. Die Aufnahmeschwester sagt uns, wir brauchen nicht auf die Patientin warten, das hier wird dauern, die Dame wird vermutlich den ganzen Tag im Krankenhaus bleiben müssen.
YEAH! Ab nach Hause und ENDLICH ins Bett!
Gut, ab nach Hause, Bett überziehen ist scheiße, Couch tut’s auch. Ich bin grad so schön eingeschlafen, da läutet der Pager wieder! Und was ist es? Jaaaaa! Wir müssen die Dame von eben von der Derma nach Hause bringen! >.<
(Mal eben beim Dispo nachfragen, ob in der Gegend nicht irgendein KTW frei wäre. Ja, wäre, kann aber nicht umgebucht werden weil das ein KTW einer anderen Organisation und blablabla….)
Am Klinikum angekommen frage ich nochmal nach, es hat doch geheißen die Dame muss wahrscheinlich den ganzen Tag da bleiben… Nein, ist doch nichts schlimmes, sie darf heim, hier sind außerdem keine Betten frei…
—>>> Ääähm… Nr. 3 dieser Nacht

Sowas brauch ich echt nicht mehr.
Hier gab es echt so viele unnötige Kilometer, unnötige Meldungen, unnötige und schlechte Schauspielereien der Patientin bei diesem „Einsatz“, für mich war das einfach bloß eine wirklich unnötige Blockade eines Einsatzmittels. Aber ja, man kann es sich manchmal echt nicht aussuchen………

„DANKE“

…ein Wort.
…eine Bedeutung.
…so klar.
…so schwer auszusprechen…

Danke…
…hört man im Supermarkt an der Wursttheke und an der Kasse.
…hört man beim Bäcker, wenn es die Lieblings-Brötchen noch gibt.
…hört man im Cafe, wenn der Aschenbecher vom Kellner getauscht wird. 
…sagt Mama, wenn man ihr Kuchen bringt. 
…sagt Oma, wenn man ihr beim Fensterputzen hilft. 
…steht sogar auf Zigaretten- und Kartenautomaten.

Wir bringen sie zum Arzt, wenn sie selbst nicht mehr mobil sind.
Wir bringen sie zur Dialyse, zur Chemo- oder Strahlentherapie.
Wir helfen ihnen auf, wenn sie zu Hause gefallen sind und nicht allein aufstehen können.
Wir helfen ihnen bei Wind und Wetter, Regen und Sonnenschein, im Schnee und im Hagel.
Wir helfen ihnen zu Hause, im Freibad, im Straßengraben, beim Wandern, Skifahren, Radfahren.
Wir helfen bei Krankheiten und Verletzungen.
Wir machen es freiwillig, zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Weil wir es gern machen.

Seit mehr als 3 Jahren mache ich all das, bin freiwillige Rettungssanitäterin. Ich habe schon viel gesehen, vielen Menschen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen und Krankheiten geholfen. Doch auch wenn ich damit Leben gerettet oder Schmerzen gelindert habe – „DANKE“ höre ich selten. 

Manchmal frage ich mich, warum ich mir das alles antue. Wo ich doch als Lohn nicht mal ein „DANKE“ bekomme (als Freiwillige natürlich auch kein Geld). 

Dann mache ich wieder einen Dienst, fahre zu Einsätzen oder Krankentransporten.
Ich erlebe in dieser Schicht Menschen, die nicht gut gelaunt sind, sich beschweren warum wir so lange gebraucht haben, die uns anschnauzen, weil alles so lange dauert, die Trage so unbequem ist oder ihnen die Farbe der Uniform nicht gefällt.
Und dann ist da die eine alte Dame, der wir um 3 Uhr früh aufstehen helfen und sie untersuchen, weil sie im Schlaf aus dem Bett gefallen ist. Und sie strahlt über das ganze Gesicht, als sie uns sieht. Und ihr fällt sichtbar ein Stein vom Herzen – endlich ist Hilfe da. Und zum Abschied hört man noch ein leises „DANKE“ von ihr, auch wenn sie Schmerzen hat, sie ist glücklich, dass ihr jemand auch um 3 Uhr nachts geholfen hat.
Und das ist genug Lohn für diese Nacht. Dieses Lächeln macht alles andere wieder wett…