Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag

 

Unsere Leitstelle ist zentral für jeweils einen Teil des Bundeslandes zuständig. Ist eine eigene Firma, hat also nichts mit den jeweiligen Rettungsdienstorganisationen zu tun.
Dort gibt es bei uns die Calltaker – die nehmen die Anrufe entgegen. In weiterer Folge wird der durch den Calltaker generierte Einsatz an den Disponenten weitergegeben, der dann die jeweils erforderlichen Rettungsmittel alarmiert. Sollte etwas Gröberes passieren – Großunfälle oder wenn gerade aufgrund einer sehr hohen Einsatzdichte der Hut brennt – mischt in der Geschichte auch noch der Supervisor mit. Das ist sozusagen der Chef der Schicht und übernimmt dann die größeren Einsätze.

Das Vergnügen mit dem Supervisor hatte ich vor Kurzen das erste Mal in meiner bis jetzt zweieinhalbjährigen RD-Laufbahn.

Es ist der Samstag vor Fasching, wir sind untertags und auf der Dienststelle vom Personal her ideal besetzt – alle geplanten Fahrten können schön abgewickelt werden und für Notfälle ist auch immer jemand frei. Ich habe 24h RTW-Dienst vor mit. Samstag früh bis Sonntag früh.

Es geht vormittags los, wir (RTW mit Azubi, ich als Fahrer) stehen gerade im Supermarkt und wollen fürs Mittagessen einkaufen. Gerade vor dem wichtigen Regal läutet unser Pager – Notfall, Beklemmungsgefühl bei 86-Jähriger, Anforderung durch den Hausarzt. Also ab ins Auto, wir haben noch eine doch relativ lange Anfahrt vor uns. Blöderweise geht unser Auto auf halber Strecke kaputt – wir können nur noch mit höchstens 70km/h durch die Gegend zuckeln. Leitstelle angefunkt, „wir fahren zu, aber bitte schickt uns ein anderes Fahrzeug zum Transport“. Wird gemacht!

Nach fast endloser Zeit kommen wir endlich bei der Patientin an. Ihr geht es augenscheinlich nicht gut, vital bedroht scheint sie uns aber momentan auch nicht zu sein. Ich kümmere mich mal mit dem Azubi um die Vitalwerte und rede nebenbei mit der Patientin, was denn genau passiert ist und seit wann dieses Gefühl besteht. Der Kollege trägt in der Zwischenzeit Befunde und Medikamentenlisten zusammen.

Nachdem wir die vorliegenden Befunde und die Werte verglichen und abgesprochen haben, einigen wir uns auf eine Verdachtsdiagnose – nichts tragisches, müssen vermutlich nur ein paar Medikamente neu eingestellt werden.

Als die Kollegen mit dem anderen Fahrzeug kommen, erklären wir den beiden Mädels von dem RTW kurz was es mit der Patientin auf sich hat, geben ihnen unser Datenblatt mit und lachen gemeinsam noch kurz über das Missgeschick mit unserem Fahrzeug. Dann „düsen“ wir wieder mit heißen 70km/h auf der Freilandstraße nach Hause. Das Fahrzeug wird dann recht bald abgeholt von den Mechanikern, wir steigen um auf den Ersatz-RTW.

Wir schaffen es jetzt aber endlich fertig einzukaufen (unser Einkaufswagen steht noch genau dort wo wir ihn verlassen hatten) und dann sogar zu kochen. Nur beim Essen werden wir dann unterbrochen – typisch. Überstellung von unserem „Stammkrankenhaus“ in ein größeres.

Die Röntgenbilder des Patienten schauen nicht gut aus, laut Arztbrief hat er eine Tibiakopf-Fraktur (Schienbeinköpfchen gebrochen). Sowas ist angeblich ziemlich schmerzhaft.

Nach dem Transport, der ja nur eine Verlegung und damit schnell erledigt ist, dürfen wir sogar fertig essen. Endlich!

Ein Teil der Mannschaft wechselt jetzt. Es ist der Wechsel von der Tag- zur Nachtschicht. Ich bleib aber hier, meinen Azubi nehm ich mit auf ein anderes Fahrzeug. Warten wir mal ab, was der Fasching noch so alles bringen wird heute Nacht…

(Fortsetzung bei Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht und Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht)

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Glatt gelaufen…

Hier kommt jetzt mal wieder ein Einsatzbericht, der schon etwas länger her ist. Nachdem ich bis Samstag Kurs-Pause habe, bleibt mir ein bisschen Zeit, vergangenes niederzuschreiben. 

Alarmierung:
Sturz, Fußverletzung

Wir sehen im Rettungsdienst ja so einiges. Manche Bilder davon vergisst man nicht so schnell wieder. Das können die Erinnerungen an einen schrecklichen Einsatz, eine grausame Verletzung oder auch an die schönen Momente sein.
Das erste meiner Bilder gehört wohl zu der zweiten Kategorie.

Ich habe Dienst auf meiner Gastdienststelle. Es ist Samstag und mein erster Tagdienst hier, normalerweise mache ich ja nur Nacht. Dass ich heute 12 Fahrten in 12 Stunden bekommen werde ahne ich jetzt noch nicht.
Ich fahre eigentlich mit einem befreundeten Pärchen, er allerdings steigt erst im Laufe des Vormittags in den Dienst ein und so verbringen wir die ersten zwei Stunden als Mädels-RTW zu zweit.

Einer unserer ersten Einsätze an diesem Tag führt uns in ein Altenheim. Sturz, Verletzung am Knöchel. Wie wir ja alle wissen sind bei vielen älteren Menschen die Knochen brüchiger, aber sowas…

Wir beiden Mädels spazieren also ins Heim, wir haben mal nur das nötigste mit, die Alarmierung sagte uns nämlich eigentlich nur „Einpacken und Fahren“.
Von einer Pflegerin werden wir zur Patientin geführt, diese sitzt in einem Rollstuhl. Eine andere Pflegekraft holt gerade das zweite Coolpack um die Verletzung zu kühlen.

Meine Kollegin bereitet mal unser Material vor, ich sehe mir also mal das Beinchen an: vorsichtig die Hose mal ein bisschen raufschieben – „Ääähmm… Komm mal bitte her! Ich brauch dich hier!“

Nachdem die Dame im Rollstuhl die Fußstützen nicht erreicht und den Fuß so nicht abstellen kann, sehe ich da den Fuß einfach so herumbaumeln. Ja wirklich! Ich greife schnell drunter und stütze ihn von unten während meine Fahrerin zu mir gelaufen kommt und sich das anschaut. So etwas haben wir beide noch nicht gesehen. Kurz oberhalb des Knöchels ist einfach alles einmal glatt durchgebrochen im Bein. Der Fuß hängt nur noch an Haut und Muskeln dran.

Die Patientin hat absolut keine Schmerzen, mit unserer Schiene und ein paar zusammengerollten Tüchern lässt sich das ganze gut fixieren. Also beschließen wir, ohne Notarzt und so sanft wie möglich ins Krankenhaus zu fahren, wo der Fuß nach dem Auspacken aus der Schiene gleich von mehreren Ärzten und Pflegern genauso fasziniert angeschaut wird wie von uns vorher. Sowas sieht man auch im Röntgenraum nicht jeden Tag…