Bewusstlos… oder ein bisschen mehr… oder weniger?

Mit dem Stichworten „Bewusstlos, Atmung vorhanden – Husten und Schwindel“ werden wir zum Einsatz gerufen. Ich bin mit zwei Burschen am RTW, das NEF ist mit alarmiert.

Ich schicke meine beiden Sanis mit dem Rucksack vor, ich werde dann gleich mit dem Rest nach oben kommen. Tja, und oben angekommen sege ich dann meine zwei jungen Männer einen 150kg schweren Menschen auf den Boden legen – sein Gesicht ist ungefähr so blau wie unser Blaulicht, das draußen in der Sonne munter herumblitzt.

Gut, sieht nach Schema A aus – Angehörige runter schicken den Notarzt einweisen, einer checkt Atmung (2x noch hören wir ein schnappen im Abstand von ca. 8 Sekunden, dann ist Stille), einer macht den Oberkörper der Patientin frei und ich bereite Defi, Sauerstoff und sonst noch was vor.
Ich höre Stimmen und Schritte, schreie dem NEF-Team „Reanimation“ entgegen um mal kurz und knapp zu erklären, was hier eigentlich gerade abgeht.

Meine erste Reanimation als „fertiger“ Notfallsani. Wir sind also 2 Rettungssanis, 2 Notfallsanis und 1 Arzt – somit wären die Aufgaben auch schon mal verteilt ohne darüber sprechen zu müssen.

Wie gut, dass wir so viele sind, ich habe genug Zeit um aus dem NEF-Rucksack mal die endotracheale Intubation vorzubereiten, während der NEF-Sani gleich mal wegen einem Zugang schaut und Medikamente aufzieht.
Einer der Burschen pumpt weiter während der andere jetzt ein EKG klebt – toll wenn die RS das übernehmen können, so hat niemand Zeit in der er sich langweilt.

Intubation: check
Zugang: check
Infusion: check
Medikamente: check
EKG: check

Nicht mal 20 Minuten reanimieren wir, es wird kein einziger Schock abgegeben, der Patient hat wieder einen Herzrhythmus und atmet gegen den Tubus.

Alles läuft sowas wie am Schnürchen, das habt ihr noch nicht gesehen! Das ist die Lehrbuchreanimation!
Der Patient kommt mit eigenem Kreislauf und gut reagierenden Pupillen ins Krankenhaus.

Bei der Nachbesprechung ist dieses Mal auch die Feuerwehr dabei – wir wollen alle immer etwas verbessern und besser zusammenarbeiten, also tauschen wir uns auch aus. Aber hier gibt es gar nichts zu verbessern – es war eine wunderbare Zusammenarbeit und es hat tatsächlich jeder einzelne Mitwirkende großes Lob verdient.
Wie gesagt: Lehrbuchreanimation!
Warum Feuerwehr? Schwierige Platzsituation, steiler Abstieg, schwerer Mensch –> Tragehilfe!

Es ist immer wieder schön wenn man Menschen wieder ins Leben zurückholen kann – egal in welcher Position man steht. Das hat uns auch die Feuerwehr bestätigt.
Und ich muss sagen: wenn man das Ganze mal aus einer anderen Situation betrachten kann, wenn man nicht neben dem Brustkorb kniet und drauf drückt sondern das ganze Rundherum aktiv beobachten muss und Medikamente und Intubation vorbereitet und dem Arzt assisstiert und dann auch noch koordiniert, was die restlichen Anwesenden machen sollen – ganz anderes Feeling im Einsatz, danach aber genauso schön wie in jeder anderen Position.

Wieder mal ein Leben gerettet und dabei auch eine neue Erfahrung gemacht. =)

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Wald, steil, Baum, Männer, Motorsäge

**Gastbeitrag**

Wald, steil, Baum, Männer, Motorsäge… was kommt wohl jetzt?

Laut Alarmierung ist einem 45-jährigen Forstarbeiter ein Ast auf den Kopf gefallen, es blutet angeblich stark, aber er ist wach. Tja, schauen wir uns das mal an, heute sind wir NEF und da um zu helfen.

Die Anfahrt ist gar nicht so kompliziert, der Unfallort ist nur 100 Meter von der Zufahrtsstraße entfernt. Allerdings geht es da 100 Meter steil bergauf, und der Boden ist feucht und rutschig. Na mal schauen was uns da oben erwartet. Der RTW ist schon dort, Feuerwehr und Polizei sind ebenfalls vor Ort.
Zum Patienten kommen wir vorerst noch nicht wirklich hin, der Baum liegt noch im Weg – macht aber die Feuerwehr gerade weg. Eigenschutz und so…

Gut, jetzt kommen wir mal zu dem bewusstlosen Patienten. Er lehnt am Baum, jemand fixiert den Kopf manuell, anschauen ist grad nicht drin – er wird doch ein bisschen wach und wehrt sich. Fenta nasal – wirkt Wunder! Gut, Patienten hinlegen und Traumacheck machen geht jetzt. Schaut nicht gut aus – Gesichtsdeformationen, Blut kommt eigentlich von überall aus ihm raus. Schnell ein Zugang, die erste Vene will nicht ganz so, noch ein Versuch – sitzt! Flüssigkeit, Schmerzmittel, Relaxans, Hypnotikum und nebenbei noch die Intubation – jetzt muss es schnell gehen, der steht wirklich an der Kippe. Das blöde jetzt nur: Licht im Wald ist doof, Blut macht die Sache auch nicht leichter, möglicherweise blockiert da irgendwas den Atemweg – Intubation endotracheal nicht möglich, selbst beim zweiten Versuch nicht. Ok, es muss schnell gehen, nächster Versuch im Auto, für den Transport dahin muss es der Larynxtubus tun, der geht Gott sei Dank auch schön rein –> einpacken und in den RTW bringen.

Schei** – der Hubschrauber kommt nicht durch, zu viel Nebel!

Guuut, wie bringen wir den werten Herren jetzt eigentlich über diese Steile Wiese zum RTW runter? Feuerwehr, RTW, NEF – alles was da ist packt mit an, das muss gehen. Jo, geht auch! Und wie! Braucht acht Leute, aber geht! Aber mittlerweile ist die Golden Hour leider vorbei.

So, endgültige Immobilisation im RTW, Intubation funktioniert jetzt auch endlich richtig – shit, der Kreislauf macht nicht ganz so mit! Die einen bereiten sich auf einen mögliche Rea vor, die anderen spritzen so ungefähr alles was unser Auto so hergibt in den Patienten rein. Und es wirkt – keine Rea! So, jetzt ist der ganz gut dabei, die Narkose steht, der Tubus liegt, Katecholamine über den Perfusor und durchatmen – er lebt, ist stabil, wir fahren, es ist nicht weit… Ab in den Unfall-Schockraum!

So leer war unser NEF vermutlich zuletzt bei der Lieferung – insgesamt sind an die 3 Liter verschiedenste Flüssigkeiten in den Patienten geronnen wenn man alle Medikamente und Infusionen rechnet. Insgesamt haben wir aber auch unser gesamtes Intubationszeug beschmutzt (Wald = dreckig). Und uns selbst natürlich auch – Wald und feuchter Boden und so.

Heimfahren, auffüllen, duschen, durchatmen, besprechen – ESSEN! Haben wir uns verdient! Und dann noch erfahren, dass der Patient jetzt im Not-OP liegt aber durchkommen wird – ja, haben wir uns wirklich verdient. Und die Pause jetzt auch…

Kommentar des Verfassers:
Danke liebes rettungsmädchen! Mal hier selbst zu schreiben statt nur zu lesen ist mal was Neues, was Spannendes. Dem Patienten geht es nun übrigens wieder ziemlich gut, er hat kaum Folgeschäden davon getragen. Man liest sich liebe Leute!

Kommentar vom rettungsmädchen:
Es freut mich euch sagen zu dürfen: es werden ab jetzt immer mal wieder Gastbeiträge hier erscheinen! Momentan ist es bei mir im Rettungsdienst nämlich ein bisschen sehr ruhig, im privaten und beruflichen Umfeld dafür sehr stressig. Ich habe kaum Zeit hier etwas zu schreiben und freue mich daher über jeden Bericht, der mir zugeschickt wird!
Wenn ich eine Story wie diese bekomme, dann wird natürlich wie immer auch hier darauf geachtet, dass durch die Geschichte kein Bezug zu einer realen Person oder einem realen Vorfall entsteht – kann also wie immer sein, dass dieser Einsatz so vor 27 Jahren passiert oder eigentlich ganz anders gelaufen ist 😉
Danke auf jeden Fall an meinen Gastschreiber Michael für den Beitrag! 

Tragisch…

…sind Unfälle mit Todesfolge eigentlich sowieso immer.
…ist es besonders, wenn die Familienangehörigen dabei sind.
…ist es noch mehr, wenn es einen so jungen Menschen erwischt. 

Mitten in der Nacht, Fahrzeug liegt auf Person – ich wollte eigentlich gerade schlafen gehen, aber der Melder schreit mich gnadenlos an.
Klingt nicht angenehm, schnell sein heißt es jetzt. Tja, schnell? Naja, so schnell es halt den Berg hinauf geht, im Dunkeln.

Danke liebe Einweiser, die Taschenlampen waren eine absolut tolle Idee! An jeder stockfinsteren Kreuzung jemanden mit Licht sichtbar hinstellen – in dieser Stress-Situation auf diese Idee kommen – Hut ab meine Lieben, erleben wir tatsächlich nicht oft!

Es ist dunkel, man kann ein paar Maschinen im Feld erkennen, Menschen sind dort auch. Und sie reanimieren. Jemand schreit.
Näher gekommen (autsch – Brennnesseln!) sieht man Gesichter, irgendetwas dunkles ist darin verschmiert. Blut? Motoröl…
Wir übernehmen die Reanimation, das NEF kommt sehr bald nach uns schon an und hilft auch.
Irgendwie weg mit den Angehörigen, sie blockieren uns, sind wirklich sehr verzweifelt. Ok, wenn da ein knapp 30-Jähriger reanimiert wird… Die Feuerwehr übernimmt das, sie kümmern sich wirklich gut um die Familie, halten sie auch von uns weg und bringen sie ein Stück weit weg, so dass sie nicht mehr zusehen können.

Der Monitor zeigt uns durchgehend einen Patienten ohne Herzrhythmus – Asystolie. Die Pupillen reagieren auf Licht gar nicht, sind ganz weit.
Es gibt keine Hoffnung mehr, es geht einfach nicht. Zu schwere Verletzungen – Brustkorb, Schädelbasis, … wir können nicht reinschauen in den Burschen, können im Dunkeln mit Sicherheit nicht alles erkennen. Aber was zu erkennen ist, spricht nicht für ein Überleben…

Es war meine erste Trauma-Reanimation. Damals ging es mir erstaunlich gut danach, ich dachte bei sowas hat man vielleicht etwas mehr zu verarbeiten. Aber ich hatte im ersten Moment kaum Zeit darüber nachzudenken – Fahrzeug putzen, Material nachfüllen, Protokoll schreiben (langes Protokoll!), …
Erst dann hatten mein Fahrer und ich endlich die Zeit, wirklich darüber zu reden. Also nicht über Protokoll-relevante Dinge, sondern wie es uns gegangen ist. Der werte Herr Kollege ist schon etwas erfahrener als ich, hat schon schlimmere Sachen gesehen. Aber er ist der Meinung, dass wir alles absolut richtig gemacht haben. Wir haben getan, was wir konnten, mehr war wirklich nicht möglich. Und auch der Arzt und der NEF-Fahrer waren mit dem Einsatzablauf voll zufrieden.

Schön zu wissen, dass man wirklich alles getan hat, was möglich war. Blöd nur, dass selbst das Beste manchmal nicht gut genug ist….

 

Wenn Helfer Hilfe brauchen

Immer wieder kommt es vor. Auch wir Helfer können eben nicht alles einfach so wegstecken…

*)
Ein Verkehrsunfall auf der Autobahn. Der Kleinbus ist voll besetzt, 130 km/h sind hier erlaubt. Es ist nicht viel los auf der Straße, schwacher Morgenverkehr an einem Samstag. Die Fahrzeuge nach dem Kleinbus sehen nur noch, wie er fliegt – ein Knall, dann Ruhe. So schnell kann man gar nicht reagieren, schon gar nicht mit 130 km/h auf der Autobahn. Der Kopf sagt „Scheiße! Stopp!“, bis das aber beim richtigen Bein angekommen ist und dieses mit Hilfe des Bremspedals das Fahrzeug gestoppt hat (unter Rücksichtnahme auf die hinteren Fahrzeuge, man braucht jetzt nicht noch einen Auffahrunfall) dauert es ein bisschen – ein bisschen zu lange, man ist am Unfallort schon vorbei gefahren, steht ein paar Meter dahinter jetzt am Straßenrand. NOTRUF! Irgendjemand wählt, es kommen Feuerwehr, Polizei, Autobahnmeisterei, allerlei Rettungsorganisationen und sogar die Hubschrauber. Wenn’s auf der Autobahn knallt, dann ist mehr meistens besser. Tja, später kommen auch noch Bestatter dazu – gleich mehrere. Hier ist wirklich was passiert.
Sowas hat man noch nicht gesehen, nicht in dieser Gegend. Weder die Feuerwehr, noch die Polizei und auch die Rettung nicht. Zu heftig war dieser Unfall, zu viele Todesopfer, zu viele schwere Verletzungen hat man gesehen. Auch Kinder waren dabei.
Alles abarbeiten, mehr oder weniger direkt geht es danach zum psychologischen Dienst…

*)
Eine kleine Stadt, hier kennt einfach irgendwie jeder jeden in der Nachbarschaft. Heute ist Gartentag, Papa mäht den Rasen, Mama pflanzt neue Blumen in die Beete und der kleine Sebastian spielt auf seiner Decke – Mama hat ihn gut im Blick, er kann ja jetzt schon krabbeln, da muss man aufpassen. Mama geht nur kurz den Wasserkrug neu auffüllen, Papa ist mit dem Rasenmäher gerade vor dem Haus – die dreißig Sekunden kann der Sebastian ja nicht weit kommen. Drinnen läutet gerade das Telefon, Mama geht ran. Zweihundertvierundsiebzig Sekunden später hören die Nachbarn den Krug auf dem Boden zerschellen, ein Schrei, dann lautes Weinen. Die Nachbarin sieht über den Zaun, sie erkennt was hier los ist und ruft sofort die Rettung. Daniel ist Sanitäter und kennt die Wohngegend, er hat selbst mal dort gewohnt und glaubt auch die Adresse zu kennen. „Kind ertrunken – möglicherweise Atem-Kreislauf-Stillstand“ Scheiße!
Man gibt sich ja immer Mühe einen Menschen zu retten, aber bei Kindern gibt man statt 110% dann eben 150%. Alles menschenmögliche wird versucht, noch mehr sogar. Aber es ist zu spät. Sebastian war zu lange unter Wasser – drei Minuten und genug Wasser können also wirklich tödlich sein.
Daniel hat mal genau über Mama und Papa gewohnt, er hat Mama auch mit Wehen ins Krankenhaus gebracht. Auf der Wache wartet schon ein guter Freund, der auch psychologischen Dienst macht, er hat durch Zufall alles mitbekommen und möchte mal mit Daniel reden.

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Zwei Feuerwehren sind zur Einsatzstelle alarmiert. Ein PKW ist von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geknallt. Der Rettungsdienst aus dem Nebenort ist schon da, die Polizei ebenfalls. Ein Polizist kommt dem Einsatzleiter der Feuerwehr entgegen, sie dürfen nicht zum Unfallfahrzeug, sie sollen mal die Verkehrsregelung übernehmen. 
Ohne Feuerwehr geht so ein Verkehrsunfall aber leider nicht, es muss früher oder später jemand hin. Als der Einsatzleiter sich das Fahrzeug anschauen darf, stehen die Sanitäter direkt hinter ihm. Ein Körper ist mit einer Decke verhüllt, der Feuerwehrmann erkennt aber den Wagen – es ist sein Sohn, der schon vor ihm von der Feuerwehrübung nach Hause gefahren ist. Die Polizei hat bereits einen Psychologen ins Feuerwehrhaus bestellt.

*)
Unfall mit einem Rettungsfahrzeug. Fast täglich liest man in irgendeiner Zeitung davon. Wir sind alle immer betroffen, auch wenn man diese Wache nicht gekannt hat, es sind doch irgendwie die Kollegen. Heute sind wir sogar geschockt – der Unfall war so tragisch, dass der Fahrer des RTW noch am Unfallort verstorben ist. Ausgerechnet im eigenen Einsatzgebiet. Seine Kollegen, mit denen er noch vor eineinhalb Stunden beim Frühstück gesessen ist, stehen jetzt neben ihm, neben dem Körper unter dem weißen Tuch. Der Chef der Wache ruft gerade beim Psychosozialen Dienst an.

So oder so ähnlich kann es ablaufen. So oder so ähnlich läuft es tagtäglich ab. Egal ob Rettung, Feuerwehr, Polizei – in den Einsatzorganisationen kann man in der Stadt und am Land gleichermaßen mit den schrecklichsten Szenarien in Berührung kommen. Der Papa hat sich erhängt, direkt neben dem Kinderzimmer. Eine Schlägerei, die zur Schießerei wird und bei der eine unbeteiligte junge Frau sterben muss. Eine Amokfahrt. Einfach ein tragischer Unfall…

Auch ich wurde vor Kurzem gefragt, ob ich nach diesem einen Wochenenddienst eine Betreuung haben möchte. Es war tatsächlich mein bisher schlimmster Einsatz (Arbeitsunfall mit Todesfolge, aufgelöste Familie, schwieriges Rundherum), die restlichen Einsätze waren zwar eher so die „Standard-Arbeiten“ die wir zu machen haben, aber es war doch viel zu tun. Das Unfallopfer war jung, im Dunkeln waren aber keine allzu tragischen Verletzungen zu erkennen. Ich habe lange mit den Kollegen gesprochen, die mit bei diesem Einsatz waren, alles Profis mit denen ich ungeniert und offen reden kann und alle schon länger dabei als ich. Professionelle Hilfe hab ich daher ruhigen Gewissens ablehnen können. Aber wenn es ein generell sehr junges Team ist… Oder die Kommunikation nicht passt… Oder auch die „alten Hasen“ mit der Situation  nicht ganz so gut klar kommen… Oder einfach ein Tag, an dem man emotional einfach mal mehr Dinge an sich heranlässt als an einem „normalen“ Tag…

Ich verstehe wirklich jeden Sanitäter, Feuerwehrmann, Polizisten, etc. der nach solchen Einsätzen wie oben beschrieben den PSD aufsucht. Ich habe größten Respekt vor denen, die in diesem Dienst arbeiten. Stell ich mir auch nicht einfach vor, so oft so schreckliche Schicksale erzählt zu bekommen. Hut ab meine Damen und Herren, ihr seid wirklich eine wahnsinnig wichtige Stütze in diesem System!
Jetzt stellt euch doch mal vor es würde so schnelle und kompetente Hilfe nicht geben…? Viele von uns würden bald mal wieder aufgeben – sei es weil jetzt schon was passiert ist und man sich auf die PTBS freuen kann oder weil man einfach Angst davor hat, dass etwas passiert und weiß, dass einem niemand so wirklich helfen kann danach und aus diesem Grund schon mal vorsichtshalber den Dienst aufgibt bevor es so weit ist…
Also: Psychosoziale Dienste, die Akutteams, die Interventionsteams, die Psychologenteams – alle verdammt wichtig!

Liebe Rettungsdienstler, Feuerwehrmenschen, Polizeibeamte und wer auch immer noch betroffen sein könnte: Schämt euch nicht, wenn ihr um Hilfe bittet! Es ist wichtig, sich auch eingestehen zu können, dass gewisse Bilder mit Hilfe anderer Menschen verarbeitet werden müssen. Es ist wirklich keine Schande um Hilfe zu bitte und Hilfe anzunehmen. Und niemand, aber auch wirklich niemand kann euch dafür verurteilen und wer es doch tut dem wünsche ich zum besseren Verständnis eine ähnliche Situation.

Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht

(Forsetzung zu Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag)

Schon bei unserem Einsatz am Vormittag hatten wir diverse Grillereien und vor allem Saufereien gesehen, wir erwarten also für die Nacht eher Alk-Intox (Alkoholvergiftung), Stürze und Schlägereien.

Was wirklich geschieht:

Kurz vor 18 Uhr werden wir alarmiert in die Ordination eines uns bekannten Arztes – ein 3-Jähriger sollte mit Atembeschwerden und Verdacht auf Bronchitis auf die Kinderabteilung gebracht werden. Also: auf zum Berufungsort und danach 50km zum nächsten Krankenhaus mit Kinderabteilung düsen. Der Kleine ist recht unruhig, will nicht auf unserer Trage liegen und wirft sogar unseren Tröster-Teddy durch den ganzen RTW. Ein Wunder, dass mein Kollege jetzt nicht taub ist – trotz Atembeschwerden kann der kleine Herr noch ganz schön laut schreien. Ist also doch nicht so schlimm, wer schreit bekommt genug Luft.

Auf der Kinderstation geht die Anmeldung und Übergabe ganz rasch, wir können uns schnell auf ein Zigarettchen nach draußen stellen bevor wir den Heimweg antreten.

In der Zwischenzeit schauen wir, was denn die anderen so treiben.

Am Funk haben wir nämlich mitbekommen, dass sich der Supervisor in den Abend eingeklinkt hat und den Disponenten unterstützt. Unser NAW war ohne Unterbrechung auf drei aufeinanderfolgenden Einsätzen. Aber nicht nur bei uns, auch im Nachbarbezirk und auch ein bisschen weiter weg, aber im selben Leitstellengebiet, war die Hölle los.

Als wir jetzt schauen, was sich noch alles tut „daheim“, ist eigentlich wieder alles komplett ruhig. NAW steht zu Hause. Zweiter RTW hat mit ziemlicher Verspätung die Mannschaft gewechselt und ist auch wieder einsatzbereit. Mein Kollege ist heute Chef der Nacht und sollte so auch immer den Überblick haben, wer wo was macht gerade. Er seufzt einmal tief und zündet sich noch eine Zigarette an, nach diesem ganzen Chaos heute ist er jetzt erstmal erleichtet und schaut zufrieden aus.

Wir drehen wieder um, es ist mittlerweile 20 Uhr, und treten also den Heimweg an. Nach schon nur 5 km bekommt mein Kollege aber die „Vorwarnung“ der Leitstelle: Das ist eine Info, dass gerade etwas im Gange ist. In dem Fall war ein großer Feuerwehr-Einsatz – wir müssen uns also bereithalten, das wird eventuell eine Beistellung(*). Ich war mal bei der Feuerwehr, der Herr Kollege ist es immer noch, also wissen wir was da gerade abgeht. Er ruft also die Leitstelle an und holt sich Infos, ich schaue mal nach, wie viele Feuerwehren dort sind. Bei der Leitstelle ist gerade nochmal Stoßzeit, aber wir bekommen die Info, dass Atemschutzträger reingehen werden aber keine Bewohner verletzt sind. Bei so vielen Feuerwehren ist es dann üblich, dass ein RTW dabeisteht falls denen etwas passiert. Also Blaulicht wieder an und Vollgas zurück aufs Land – es fahren deshalb wir, die den weiteren Anfahrtsweg haben, weil wir beide bei der Feuerwehr sind/waren und dies außerdem eine Aufgabe für den Chef des Dienstes ist. Nach einigen Minuten Fahrt, als wir uns sicher sind, dass die Feuerwehr vor Ort ist und schon einen Überblick hat, funkt mein Kollege dann die Feuerwehr an und verlangt eine Lagemeldung, nach kurzer Zeit mein der FF-Einsatzleiter dann auch, dass wir nicht gebraucht werden, keine Atemschutzträger im Einsatz – Storno für uns. Also heim und endlich ausruhen.

Aber leider nur kurz – eine weitere Überstellung in ein Krankenhaus mit HNO-Abteilung wird gefordert. Aber schnell, mit Blaulicht. Schön langsam wird es anstrengend.

Wir erwarten allerdings immer noch die Alk-Intox und Verletzungen durch Stürze und Schläge. Es passiert aber Gott sei Dank nichts mehr diese Nacht. Gar nichts. Also war’s wohl wirklich nur ein zweistündiger Ausnahmezustand am frühen Abend.

Mal sehen, wie dann der Dienst am Faschingdienstag wird… 😉
(Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht)

(*) Beistellung: Wir bei größeren Einsätzen der Feuerwehr benötigt. Dabei steht (je nach Einsatzart und Größe) ein oder mehrere Rettungsmittel bereit, falls den Einsatzkräften der Feuerwehr etwas passieren sollte.
Beispiel: Gebäudebrand einer Wohnhausanlage -> keine Verletzten Bewohner, Haus steht in Vollbrand. Hier müssen mehrere Feuerwehrtrupps mit Atemschutz reingehen. Das kann mitunter ganz schön gefährlich werden, ganz klar in einem brennenden Gebäude. Außerdem ist es wahnsinnig anstrengend für die Atemschutztrupps, sie müssen schwere Ausrüstung tragen, vielleicht Personen aus den Trümmern retten, unter minimalster Sicht bei größtmöglicher Hitze. Das kann auch zu Erschöpfung führen und dann ist es immer gut, den RTW gleich daneben stehen zu haben.