Bewusstlos… oder ein bisschen mehr… oder weniger?

Mit dem Stichworten „Bewusstlos, Atmung vorhanden – Husten und Schwindel“ werden wir zum Einsatz gerufen. Ich bin mit zwei Burschen am RTW, das NEF ist mit alarmiert.

Ich schicke meine beiden Sanis mit dem Rucksack vor, ich werde dann gleich mit dem Rest nach oben kommen. Tja, und oben angekommen sege ich dann meine zwei jungen Männer einen 150kg schweren Menschen auf den Boden legen – sein Gesicht ist ungefähr so blau wie unser Blaulicht, das draußen in der Sonne munter herumblitzt.

Gut, sieht nach Schema A aus – Angehörige runter schicken den Notarzt einweisen, einer checkt Atmung (2x noch hören wir ein schnappen im Abstand von ca. 8 Sekunden, dann ist Stille), einer macht den Oberkörper der Patientin frei und ich bereite Defi, Sauerstoff und sonst noch was vor.
Ich höre Stimmen und Schritte, schreie dem NEF-Team „Reanimation“ entgegen um mal kurz und knapp zu erklären, was hier eigentlich gerade abgeht.

Meine erste Reanimation als „fertiger“ Notfallsani. Wir sind also 2 Rettungssanis, 2 Notfallsanis und 1 Arzt – somit wären die Aufgaben auch schon mal verteilt ohne darüber sprechen zu müssen.

Wie gut, dass wir so viele sind, ich habe genug Zeit um aus dem NEF-Rucksack mal die endotracheale Intubation vorzubereiten, während der NEF-Sani gleich mal wegen einem Zugang schaut und Medikamente aufzieht.
Einer der Burschen pumpt weiter während der andere jetzt ein EKG klebt – toll wenn die RS das übernehmen können, so hat niemand Zeit in der er sich langweilt.

Intubation: check
Zugang: check
Infusion: check
Medikamente: check
EKG: check

Nicht mal 20 Minuten reanimieren wir, es wird kein einziger Schock abgegeben, der Patient hat wieder einen Herzrhythmus und atmet gegen den Tubus.

Alles läuft sowas wie am Schnürchen, das habt ihr noch nicht gesehen! Das ist die Lehrbuchreanimation!
Der Patient kommt mit eigenem Kreislauf und gut reagierenden Pupillen ins Krankenhaus.

Bei der Nachbesprechung ist dieses Mal auch die Feuerwehr dabei – wir wollen alle immer etwas verbessern und besser zusammenarbeiten, also tauschen wir uns auch aus. Aber hier gibt es gar nichts zu verbessern – es war eine wunderbare Zusammenarbeit und es hat tatsächlich jeder einzelne Mitwirkende großes Lob verdient.
Wie gesagt: Lehrbuchreanimation!
Warum Feuerwehr? Schwierige Platzsituation, steiler Abstieg, schwerer Mensch –> Tragehilfe!

Es ist immer wieder schön wenn man Menschen wieder ins Leben zurückholen kann – egal in welcher Position man steht. Das hat uns auch die Feuerwehr bestätigt.
Und ich muss sagen: wenn man das Ganze mal aus einer anderen Situation betrachten kann, wenn man nicht neben dem Brustkorb kniet und drauf drückt sondern das ganze Rundherum aktiv beobachten muss und Medikamente und Intubation vorbereitet und dem Arzt assisstiert und dann auch noch koordiniert, was die restlichen Anwesenden machen sollen – ganz anderes Feeling im Einsatz, danach aber genauso schön wie in jeder anderen Position.

Wieder mal ein Leben gerettet und dabei auch eine neue Erfahrung gemacht. =)

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Erste Hilfe…

…ist um so viel mehr wert als ihr denkt!

Wir erleben es im Rettungsdienst immer mal wieder, dass viele Menschen an einem Unfallort herumstehen, dass keiner hilft, sondern alle nur schauen. Neugierde schön und gut, aber es ist viel schöner zu helfen. Glaubt mir. Man hat danach irgendwie so das Gefühl ein kleines bisschen von einem Helden in sich zu haben. 😉

Ein Beispiel für wirklich gute Erste Hilfe, ich durfte es miterleben: 
Ein tragischer Unfall, Fahrzeugüberschlag, das Fahrzeug landete auf dem Verunfallten. Zu zweit im Dunkeln kann man nicht viel ausrichten, das wussten die beiden anderen Beteiligten sehr gut. Sie liefen also zum nächsten Wohngebäude und holten Hilfe. Gemeinsam mit den anderen Helfern brachten sie den Verletzten unter dem Fahrzeug hervor und begannen mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen. In diesem Fall: Reanimation. 
Es war dreckig, dunkel, rundherum Brennnesseln. Aber sie haben geholfen. Bis wir da waren. Im Dunkel. Im Matsch. In den Ölflecken. Neben dem kaputten Fahrzeug. Einem blutenden Menschen, der keine Atmung und keinen Kreislauf hatte. Den sie auch nicht kannten. Aber sie haben geholfen. 
Liebe Leute – erste Hilfe kann Leben retten!

– Ihr habt Angst, dass euch selbst etwas passiert? Wenn etwas gefährlich erscheint, dann tut es bitte nicht. Ihr braucht euch nicht auch noch selbst verletzten.

– Ihr wollt auf der Autobahn nicht aus dem Auto steigen, um den Menschen vor euch im verunfallten PKW zu helfen? Kein Problem, kann einem Angst machen wenn da Autos so schnell vorbei fahren – ruft aber bitte den Notruf anstatt zu warten bis es jemand anderer macht. Und schaltet bitte alle Lichter an eurem Auto ein – vor allem die Warnblinkanlage!

– Ihr traut euch nicht, das ganze Blut anzufassen, weil Blut Krankheiten übertragen kann? Ihr könnt euch auch über die Luft in der Straßenbahn oder im Büro Krankheiten holen. Außerdem habt ihr im Auto verpflichtend ein Erste-Hilfe-Päckchen mitzuführen, da müssen auch Handschuhe drin sein. Auch im Büro oder wo auch immer ihr arbeitet gibt es mit Sicherheit einen Erste-Hilfe-Koffer. Wer Blut nicht sehen kann, weil er oder sie dann Ohnmächtig wird – bitte ruft den Notruf und holt jemanden in eurer Nähe, um die Wunde zu versorgen.

– Ihr seht jemanden im Park kollabieren, er rührt sich nicht mehr? Geht hin, kontrolliert seine Atmung, ruft den Notruf und beginnt mit der Reanimation wenn er nicht mehr atmet. Wenn ihr nicht wisst wie man das macht: Derjenige, der den Notruf annimmt wird bei euch am Telefon bleiben und euch das erklären. Er bleibt die ganze Zeit bei euch.

– Eure Oma wirkt plötzlich komisch, etwas abwesend? Sprechen fällt ihr schwer, sie kann vielleicht nicht mehr aufstehen? Es könnte ein Schlaganfall sein! Versucht folgendes mit eurerOma: FAST!
F – Face – kann Oma lächeln oder hängt ein Mundwinkel dabei nach unten?
A – Arms – kann Oma beide Arme gleichzeitig nach oben heben bzw. nach vorne strecken oder hat ein Arm zu wenig Kraft dafür?
S – Speech – kann Oma einen einfachen Satz ohne Probleme nachsprechen, verwechselt sie Worte/Buchstaben, kann sie Buchstaben nicht ordentlich aussprechen oder kann sich gar nicht mehr an den Satz erinnern?
T – Time – wenn eines der Zeichen (FAS) zutrifft, dann ruft bitte auf jeden Fall sofort den Notruf an!
Ihr müsst also auch in dem Fall sofort den Notruf wählen. Und sagt dem Menschen am Telefon bitte, dass ihr vermutet, dass es ein Schlaganfall ist! Dann legt eure Oma hin, notfalls auch auf den Boden wenn gerade kein Bett oder eine Couch in der Nähe ist. Aber legt sie bitte auf die Seite, nicht auf den Rücken oder Bauch.

Egal was es ist, ganz wichtig ist es den Notruf zu rufen! Das ist das wichtigste von allen Dingen, die ihr machen könnt!
Wenn ihr gar nichts mehr habt, wenn ihr gar nicht wisst was ihr sonst tun könnt: bleibt bei eurem Patienten. Er wird es euch danken, wenn ihr einfach nur für ihn da seid. Egal, ob er euch kennt oder nicht. Hauptsache es ist ein bisschen seelische Unterstützung da – ist wirklich Gold wert in solchen Situationen. 

Wenn ihr einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen oder einen, der schon Jahre her ist auffrischen wollt dann meldet euch doch bei eurer nächsten Rettungswache. Dort werden immer mal wieder solche Kurse angeboten und wenn gerade keiner läuft dann können die euch sagen, an wen ihr euch sonst wenden könnt.
Wenn ihr das nicht wollt oder glaubt nicht zu brauchen dann merkt euch bitte:
Ruft wenigstens den Notruf, wenn ihr seht, dass jemandem geholfen werden muss! 

DANKE!

„DANKE“

…ein Wort.
…eine Bedeutung.
…so klar.
…so schwer auszusprechen…

Danke…
…hört man im Supermarkt an der Wursttheke und an der Kasse.
…hört man beim Bäcker, wenn es die Lieblings-Brötchen noch gibt.
…hört man im Cafe, wenn der Aschenbecher vom Kellner getauscht wird. 
…sagt Mama, wenn man ihr Kuchen bringt. 
…sagt Oma, wenn man ihr beim Fensterputzen hilft. 
…steht sogar auf Zigaretten- und Kartenautomaten.

Wir bringen sie zum Arzt, wenn sie selbst nicht mehr mobil sind.
Wir bringen sie zur Dialyse, zur Chemo- oder Strahlentherapie.
Wir helfen ihnen auf, wenn sie zu Hause gefallen sind und nicht allein aufstehen können.
Wir helfen ihnen bei Wind und Wetter, Regen und Sonnenschein, im Schnee und im Hagel.
Wir helfen ihnen zu Hause, im Freibad, im Straßengraben, beim Wandern, Skifahren, Radfahren.
Wir helfen bei Krankheiten und Verletzungen.
Wir machen es freiwillig, zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Weil wir es gern machen.

Seit mehr als 3 Jahren mache ich all das, bin freiwillige Rettungssanitäterin. Ich habe schon viel gesehen, vielen Menschen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen und Krankheiten geholfen. Doch auch wenn ich damit Leben gerettet oder Schmerzen gelindert habe – „DANKE“ höre ich selten. 

Manchmal frage ich mich, warum ich mir das alles antue. Wo ich doch als Lohn nicht mal ein „DANKE“ bekomme (als Freiwillige natürlich auch kein Geld). 

Dann mache ich wieder einen Dienst, fahre zu Einsätzen oder Krankentransporten.
Ich erlebe in dieser Schicht Menschen, die nicht gut gelaunt sind, sich beschweren warum wir so lange gebraucht haben, die uns anschnauzen, weil alles so lange dauert, die Trage so unbequem ist oder ihnen die Farbe der Uniform nicht gefällt.
Und dann ist da die eine alte Dame, der wir um 3 Uhr früh aufstehen helfen und sie untersuchen, weil sie im Schlaf aus dem Bett gefallen ist. Und sie strahlt über das ganze Gesicht, als sie uns sieht. Und ihr fällt sichtbar ein Stein vom Herzen – endlich ist Hilfe da. Und zum Abschied hört man noch ein leises „DANKE“ von ihr, auch wenn sie Schmerzen hat, sie ist glücklich, dass ihr jemand auch um 3 Uhr nachts geholfen hat.
Und das ist genug Lohn für diese Nacht. Dieses Lächeln macht alles andere wieder wett…