Lernen und Nachschlagen…

ACHTUNG: Wer Buchempfehlungen als Werbung ansieht und diese nicht gern in solchen Blogs liest soll diesen Artikel bitte direkt überspringen. Wer allerdings Interesse hat etwas über ein wirklich tolles Buch zu erfahren darf gerne hier bleiben!

Im August schon hat mir die Mail-Taube eine Nachricht zugestellt, in der mir mitgeteilt wurde, dass der Verlag Thieme mir ein Buch zukommen lassen möchte. Naja, ich bin ja von übermäßiger Werbung auch nicht der größte Fan – aber für so ein tolles Buch habe ich zugestimmt, das Buch gegen eine Rezension zu tauschen 😉
Immerhin wollte ich das Buch doch unbedingt haben nachdem ich es so ca. im Mai gefunden hatte – der Warenkorb im Online-Shop hat sich dann auch gefreut, dass er doch noch ausgeleert wurde.

So, also, um welches Buch geht es denn eigentlich? Es geht um Rettungssanitäter retten – ein Buch, zu dem auch eine App und ein Prüfungstrainer gehören.

Na gut, und warum schaut sich das Rettungsmädchen deutsche Bücher an, wo sie doch in Österreich herumdienstet, wo ganz andere Regeln gelten?
Regeln sind schön und gut, werden auch befolgt. Dennoch kann man meiner Meinung nach durch Lesen viel Hintergrundwissen anhäufen, das vor allem bei Diagnosestellungen sehr hilfreich sein kann. Und es ist doch nie verkehrt mal zu schauen wie es die Nachbarn denn so machen oder? 😉

So, jetzt also mal zu Buch/Trainer/App:
Rettungssanitäter retten von Thieme ist ein sehr praxisnahes Buch – Bilder, MindMaps, Verweise auf die App und vor allem verständliche Erklärungen bringen jemandem, der gerade irgendetwas zum Thema „Retter“ lernen möchte oder muss die Inhalte gut und schnell bei. Ob dieses Buch für die Ausbildung geeignet ist weiß ich nicht – wie gesagt, anderes Land, andere Ausbildung. Mir bringt es allemal aber was für’s Wissen an sich! Der Aufbau der einzelnen Kapitel, der Prüfungstrainer – das zielt aber ganz klar auf Lehrbuch.
Auch zum Nachschlagen finde ich das Buch durchaus sinnvoll. Wenn man mal schnell was wissen will findet man recht flott was man sucht – das Stichwortverzeichnis ist wirklich top!
Die Kapitel sind logisch und gut strukturiert, man findet Kapitel zu den Themen Organisation, Rechtliches, Grundwissen, Notfälle und auch noch „Interessantes“.
Jedes Kapitel ist optisch sehr gut gestaltet, wichtige Abschnitte werden extra hervorgehoben und wirklich relevante (vermutlich auch prüfungsrelevante) Details werden mit „Merken!“ markiert.

Der Online-Prüfungstrainer ist super aufgebaut – für mich nur etwas ungeeignet, da ich ja keine derartigen Prüfungen kenne, weil es bei uns doch etwas anders läuft in Österreich. Im Buch ist ein Code, mit dem man Zugang zum Trainer erhält, man kann diesen Zugang aber auch über die Uni erhalten oder im Online-Shop von Thieme kaufen.

Die App retten-to-go ist mit dem Buch sehr eng verknüpft: Im Buch findet man immer wieder Hinweise, was in der App zu finden ist. Man kann also Themen aus dem Buch dann auch schön „zusammengefasst“ in der App nochmal nachlesen. Aber Achtung: es wird wirklich nur das wichtigste zusammegefasst  – das dafür wirklich gut! Mit so wenigen Worten muss man mal die mechanischen Funktionen des Herzens erklären können, so dass es auch jemand versteht 😉
Aber auch so ist die App recht interessant: mal länger unterwegs, das Buch nicht mit und gerade Fragen zu einem bestimmten Thema aufgetaucht? Die App macht’s möglich – einfach das wichtigste ohne viel Suche nachlesen. Im Grunde ist die App wie das Buch strukturiert: Kaptiel -> Unterkapitel -> Information.

Mein Fazit:
Kauft euch das Buch, egal in welcher Position/auf welcher Ausbildungsebene ihr jetzt seid! Wenn Basiswissen bei euch schon vorhanden ist, dann eignet sich das Buch sowohl um dieses Wissen zu festigen, als auch aufzubauen. Ich habe das Buch mittlerweile auch einem Freund geborgt, der die Ausbildung zum Notfallsanitäter beginnen möchte und auch er meint, dass das Buch ideal ist, um mal Inhalte zu wiederholen und sich locker und ohne viel klassischem Lernstoff auf die Ausbildung vorzubereiten – man liest das Buch doch recht einfach und es fühlt sich einfach nicht nach Schule an 😉
Also: das kleine bisschen Geld, das Rettungssanitäter retten von Thieme kostet ist es wirklich auch wert hinzulegen. =)

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2 Uhr nachts…

…geht plötzlich der Alarm los.
Es ist einer meiner Ausbildungsdienste am NEF – es ist der letzte Einsatz, der mir für das Ausbildungsheft noch fehlt. Dann hätte ich zumindest das mal geschafft, brauche ich nur noch die Stunden fertig bekommen.
Wir fahren reanimieren. Der Alarmierungstext verrät uns, dass ein 49-jähriger Herr im Nachbarort umgekippt ist, anscheinend ist er „blau im Gesicht“.

Ich kenne die Siedlung, ich wohne im gleichen Ort. Der Name des Herrn ist bei uns relativ häufig, ich kenne zwar etliche Menschen mit dem Nachnamen, aber ich wage es nicht zu raten, zu wem wir fahren.
Der RTW ist schon vor Ort, wir werden von einem Jugendlichen durch das Haus in das Schlafzimmer gelotst. Als ich als Erste von unserem Team ins Haus gehe muss ich kurz mal nach Luft schnappen – da sitzt weinend eine Bekannte von mir auf der Treppe, sie war mit mir in der Schule. Wir reanimieren also wie es aussieht einen Verwandten von ihr.
Sie erkennt mich, freut sich direkt mich zu sehen und bettelt mich an ihrem Papa zu helfen. Mehr als ihr zu versprechen alles zu tun was uns möglich ist kann ich jetzt aber leider gerade nicht für sie tun.

Es ist im Prinzip eine Reanimation wie jede andere auch. Wir haben zwar sehr wenig Platz und müssen vom Schlafzimmer ins Bad arbeiten mit dem Material, sitzen fast in der Dusche um den Herrn zu reanimieren und der Doc kommt von seinem Platz am Kopf auch nicht mehr wirklich gut weg, aber es ist trotzdem das selbe Schema wie bei den Übungen und Trainings und den anderen Reanimationen. Für mich gibt es als einzige einen Unterschied: ich kenne den Mann, für den ich gerade die Intubation vorbereite…

Wir reanimieren lange, sehr lange. Wir geben Metalyse – ein Medikament zur Thrombolyse, Wirkstoff Tenecteplase. Kapnometrie ist in Ordnung, anfangs haben wir noch einen schockbaren Rhythmus, der wird aber leider recht bald zur Asystolie.
Zwischendurch, als alles läuft, die Medikamente alle aufgezogen sind, die Intubation geglückt ist, werde ich nach draußen geschickt, Patientengeschichte erheben. Ich werde geschickt, weil die anderen mitbekommen haben, dass die Tochter mich kennt, sie vermuten, dass ich mir leichter tue beim Reden bzw. dass es der Familie leichter fällt mit mir zu reden. Wir müssen aufhören – der Patient hat zu lange keinen eigenen Kreislauf, wir haben zu lange schon keinen schockbaren Rhythmus. Das Übliche: ein bisschen zusammenräumen während der Arzt die Todesnachricht überbringt.

Ich kann nicht mehr, ich bin fertig – die erste Reanimation bei der ich den Patienten kannte. Und dann auch noch so kurz vor seinem 50. Geburtstag, sie waren gerade beim planen seiner Geburtstagsfeier.
Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich von der Familie niemanden sehe als ich raus zum NEF gehe. Ich könnte meiner ehemaligen Schulkollegin glaube ich gerade nicht in die Augen schauen.

Es war eine tolle Zusammenarbeit mit NEF und RTW, da sind wir uns bei der Nachbesprechung sicher. Der RTW verlässt uns auf seine Wache, wir reden bei der Heimfahrt und – obwohl mitten in der Nacht – redet mein NFS auch auf der Wache noch mit mir. Bis ins kleinste Detail gehen wir die Reanimation nochmal durch. Großes Lob an alle Beteiligten, er versteht aber auch, dass es mir besch…eiden geht gerade.
Am nächsten Tag geht es mir besser, nach ein paar Tagen kann ich ihr schreiben und mein Beileid ausdrücken. Sie bedankt sich oft bei mir, obwohl ich es auch verstehen würde, wenn momentan nicht mit mir reden möchte.

Einem Kollegen einer anderen Rettungsdienst-Organisation erzähle ich davon, obwohl wir noch nicht lange befreundet sind und es bei uns eher eine sehr lockere Freundschaft ist, will ich unbedingt ihm davon erzählen und nicht den Kollegen meiner Wache. Vielleicht um den nötigen Abstand zu wahren. Keine Ahnung. Aber es ist toll, in der Situation in der ich ihm das erzähle ist es plötzlich, als wären wir schon sehr lange befreundet. Ich fühle mich geborgen und der Moment zeigt mir, dass wir wirklich keine Konkurrenten sind, dass auch die verschiedenen Organisationen zusammenhalten und füreinander da sind, auch wenn es nur Kleinigkeiten betrifft. 

So leid es mir auch tut das sagen zu müssen: Der Einsatz, diese Reanimation hat mich so viele Dinge gelehrt. Nicht unbedingt fachlich, Reanimation nach Standardschema eben, aber persönlich habe ich viel daraus gelernt – und bin daran gewachsen…

Notfallsanitäter

So, jetzt ist es so weit… Vorerst ist es mal vorbei mit Lernen und Üben, ich darf mich jetzt endlich Notfallsanitäter nennen und darf ein bisschen mehr als vorher 😉

In Österreich ist der Notfallsanitäter ja ganz anders als in Deutschland. Bei uns geht es in der Ausbildung, die man als Freiwilliger gut noch neben dem Job absolvieren kann, ja hauptsächlich darum, mehr Wissen zu erlangen, um dem Notarzt schnell und gut assistieren zu können. Dafür ist vor allem die Pharmakologie, also die Arzneimittellehre wichtig. Wenn ein Arzt sagt, er will dieses oder jenes Medikament, muss ich wissen, was das ist, wie man es ordentlich vorbereitet und wie man es verabreicht (Verdünnung, wieviel zieh ich in die Spritze auf, wenn mir Wirkstoffnamen gesagt werden muss ich den Handelsnamen in unserem Ampullarium kennen und so weiter). Außerdem wird in Anatomie und Krankheitslehre vertiefend unterrichtet, man kann als NFS also eher Differentialdiagnosen stellen und mit Arztbriefen besser umgehen als als RS. Dadurch ist die Versorgung natürlich oft idealer bzw. die Übergabe im Krankenhaus detaillierter und es  kann somit dort in weiterer Folge Zeit gespart werden bei der weiteren Anamnese und Behandlung. Generell ist mit dem Wissen oft der Zugang zu manchen Einsätzen gleich ein ganz anderer, man bereitet sich schon auf der Anfahrt gedanklich ganz anders vor, Algorithmen, die vorher nicht da waren, geistern einem dann im Kopf herum und die Antwortmöglichkeiten zur Frage „Was erwartet mich dort wirklich?“ sind gleich mal etwas andere als vorher. 

Ich würde nicht sagen, dass ich vor der Ausbildung ein guter oder schlechter Rettungssanitäter war, ich sage jetzt auch nicht, dass ich ein guter oder schlechter Notfallsanitäter bin, aber durch das zusätzliche Wissen fällt doch einiges leichter.

Ich darf also jetzt den Notarzt als NEF-Fahrer begleiten und wenn ich mal ohne den am RTW unterwegs bin auch selbst ein paar Medikamente geben. Jetzt genieße ich erstmal die lernfreie Zeit, nächstes Jahr geht’s dann wahrscheinlich eine Stufe höher in der Führungskräfte-Ausbildung.
(Ja, ich weiß, ich bin das Rettungsmädchen und habe hier nicht einmal gegendert. Ich finde es nämlich schrecklich, dauernd lesen zu müssen „die Notfallsanitäterin/der Notfallsanitäter hat in diesem Fall dieses und jenes zu tun“ oder „die Ärztinnen und Ärzte kämpften um das Leben des…“ Hier wird nicht gegendert und das ist gut so!)

Was mache ich…?

Ein Artikel von Wenn der Melder geht brachte mich die letzten Tage ganz schön ins Grübeln.
Der Medizinstudent fragt sich in dem Beitrag Was mache ich hier eigentlich?
Und genau die Frage beschäftigt mich jetzt auch… Sie lässt mich einfach nicht los…

Ich ging vor etwas über 4 Jahren in den freiwilligen Rettungsdienst. Ich war 18 und – wenn man es so nennen will – naiv. Ich wollte helfen, konnte aber (noch) nicht Medizin studieren. Die Ausbildung, die Dienste, es machte so viel Spaß und ich hatte endlich eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gefunden!

Und dann lernte ich mehr und lernte auch, dass wir dieses und jenes nicht dürfen.
Und dann lernte ich noch, dass manche Patienten Geld bringen, andere kosten uns Geld.
Und die zusätzliche Ausbildung, die musst du nicht machen, es reicht so auch für den RTW. Im Nachhinein weiß ich, es ist teuer. Ausbildung ist teuer. Kompetenz ist teuer.

Es ist sehr traurig, dass ein Gesundheitssystem so funktioniert. Es lässt sich von Macht und Geld leiten anstatt von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.
In Kliniken und auch bei Hausärzten und anderen Versorgungseinrichtungen muss man anscheinend schon bevor man den Patienten sieht abwägen, welche Untersuchungen und Therapien das System tragen kann. Möglichst doch bitte noch mit Gewinn, nur bitte ja nicht zu viel tun, das würde uns zu viel Geld kosten.
Im Rettungsdienst ist man dann eben mehr so Taxi, Krankentransporte bringen Geld, machen den Großteil der Alarmierungen aus und dafür braucht man nur die „Grundausbildung“. Die wenigen Einsätze, die schaffen dann schon die wenigen Leute, die die Ausbildungen haben, die Konpetenzen haben.

Ich wollte helfen. Ich will helfen. Ich will lernen, ich will Kompetenzen erreichen und unseren Patienten die bestmögliche präklinische Versorgung zukommen lassen. 
Das System sagt, diese und jene Geräte zur Diagnosestellung und Erstversorgung kommen uns zu teuer.
Das System sagt, dass auf den RTWs Rettungssanitäter reichen. Und dass Notfallsanitäter auch nicht wirklich viel mehr dürfen als Rettungssanitäter. Und dass Kompetenzerweiterung teuer ist. Und dass Kompetenzanwendung sowieso nur unter notärztlicher Aufsicht genehmigt ist. Somit sind Kompetenzen eigentlich überflüssig, der NA machts ja eh selber.

Wir kutschieren lieber mit den RTWs die Krankentransporte herum, anstatt auf die wenigen Notfalleinsätze zu warten. Die Krankenkassen zahlen uns ja nur für gefahrene Kilometer und nicht die Bereitschaftszeit. Und weil 90% der Fahrten eben Krankentransporte sind…. Und weil von den übrigen 10% sowieso 8 auch zum Hausarzt gehen könnten… Und sowieso und überhaupt.

Alles dreht sich im Gesundheitsbereich nur noch um Geld – so wie immer und überall in Leben. Geld ist Leben. Leben ist Geld. Der Sinn der Sache wird in den Hintergrund gestellt. 

Es macht so wie es ist keinen Spaß mehr. Und trotzdem bin ich gern hier. Weil es trotzdem was Gutes ist. 

Was mache ich hier eigentlich? Ich helfe… Weil das doch immer noch der Sinn ist.

 

Die Sache mit den Freiwilligen…

Ich bin freiwillige Rettungssanitäterin. Und das bin ich gern.

Ich lese in vielen Blogs über den Rettungsdienst. Die meisten davon sind aus Deutschland und damit meist von beruflichen Sanitätern/Feuerwehrmännern.

Ein Blog hat mich wirklich sehr fasziniert, da habe ich allerdings auch gelesen, wie die Hauptberuflichen das mit den Freiwilligen so sehen – und ich komm mir gerade ein bisschen verarscht vor. In dem Beitrag wird nämlich auch Österreich als Negativ-Beispiel genannt. Weil hier eigentlich alles auf den Freiwilligen aufbaut.

Mal kurz zu meiner Ausbildung:
Rettungssanitäter-Kurs zu Beginn der Ausbildung, den machen alle, auch unsere HAs irgendwann mal.
Innerhalb von zwei Jahren dann eine Rezertifizierung (durch Arzt geprüfte Reanimation zur Kontrolle, ob ich das eh noch kann) und eine gewisse Anzahl an Fortbildungsstunden – müssen die Hauptamtlichen (HAs)  bei uns auch machen.
Jedes mal, wenn sich in den Standards etwas ändert, müssen wir freiwilligen RS das als Pflichtfortbildung lernen – auch wie die HAs.
Und daneben müssen wir auch noch so Fortbildungen machen – und ratet mal, wer das noch machen muss. Da können wir uns aber aussuchen welche das sind. Teilweise gibt es Jahresthemen, die dann mit Pflichtfortbildungen verbunden sind.
Es müssen bei uns also die HAs genauso wie die freiwilligen RS dieselben Fortbildungen machen – je nach Ausbildungsstufe (RS/NFS/Kompetenzen) sind das ein bisschen andere Dinge.

Ich kann mich natürlich auch über die geforderten Mindeststunden hinaus fortbilden, außerdem kann ich auch die Ausbildung zum Notfallsanitäter machen – auch mit den Kompetenzen. Also darf ich im Endeffekt gleich viel wie unsere HAs und bin auf dem gleichen Ausbildungsstand.
Und wo liegt jetzt das Problem? Nur weil ich Freiwillig bin, bin ich noch lange nicht schlechter ausgebildet als unsere hauptberuflichen Kollegen…

Thema war auch, dass Freiwillige den HAs die Arbeitsplätze wegnehmen.
Nicht jeder Sani will HA werden. Ich wurde selbst schon gefragt, ob ich beruflich einsteigen würde. Ich hab ein tolles Angebot bekommen, würde mehr verdienen als in meinem Bürojob – aber die Lust daran würde mir auch schnell vergehen. Ich mache das gern als Freiwillige, wenn ich mal Abstand von der ganzen Materie brauche, kann ich mir diesen nehmen.

Ein anderes Argument war auch, dass die Ehrenamtlichen keine Routine hätten.
Ich habe im vorigen Jahr als Freiwillige knappe 1.500 Stunden freiwilligen Dienst gemacht, bin in meinem 2-Jahres-Zyklus mit den Fortbildungen jetzt zur „Halbzeit“ weit über den verlangten Stunden und bin gerade dabei, einen berufsbegleitenden Notfallsanitäter-Kurs zu finden. Soviel zum Thema Routine.

Klar gibt es auch die Negativ-Beispiele, die kaum Dienststunden haben und keine Fortbildungen besuchen. Oder die, die Stunden haben aber keine Kurse belegen. Die werden aber auch zum Gespräch geladen und dann „aussortiert“ falls sich die Situation nicht ändert.
Oder die „Blaulichtgeilen“ – aber das kann genauso gut einer sein, der das Hauptberuflich macht, nur um vor seinen Kumpels mit dem coolen Beruf prahlen zu können. Manchen ist es ja egal, wo und was sie arbeiten, Hauptsache die Kohle und die Anerkennung stimmen (wobei das beim Rettungsdienst ja beides Streitthemen sind).

Es gibt auch in Österreich Systeme mit nur Hauptberuflichen – die Berufsrettung der Stadt Wien zum Beispiel. Auch bei uns am Land in meiner Organisation gibt es einige Hauptberufliche – bei uns um den Tagesbetrieb zu gewährleisten und die Dienstplanung zu übernehmen. Aber wirklich lange, auf Lebenszeit, macht von denen keiner seinen Job. Sie haben vorher einen anderen Beruf erlernt und gehen irgendwann zurück zu dem oder in einen anderen. Aber bleiben tun sie oft keine 10 Jahre – einige wenige ausgenommen.
Viele Freiwillige aber bleiben „ihr Leben lang“ dabei. Wir haben auch für die älteren, die im Rettungsdienst einfach nicht mehr fahren können oder dürfen, noch genug Aufgaben. Die wechseln dann einfach vom RTW zum sozialen Dienst. Und es macht ihnen immer noch Spaß. Das ist ein Teil ihres Lebens, ihr liebstes Hobby.

Der Dienst ist auch mein liebstes Hobby. Ob sich das irgendwann mal ändern wird? Keine Ahnung, aber ich bin ein sozialer Mensch, könnte das aber (momentan) nicht beruflich machen. Vielleicht kommt irgendwann der Punkt an dem ich bereit dazu wäre. Oder der Punkt, an dem ich gar nicht mehr will.

Es gibt diese und jene – die bemühten und die, die das alles nicht so eng sehen. Und die gibt es bei den HAs genauso wie bei den Freiwilligen. Man sollte das aber auf keinen Fall verallgemeinern – wie es in dem anfangs erwähnten Blogbeitrag gemacht wurde.

Ich helfe gerne – sehr gerne sogar.
Ich weiß auch, dass mir das beruflich momentan keinen Spaß mehr machen würde.
Ich weiß auch, dass ich unglücklich wäre, wenn ich nicht mehr als freiwillige RS helfen dürfte/könnte.
Fortbildungen machen mir auch Spaß, ich lerne ja gerne Neues dazu. Und ich will meinen „Job“ ordentlich machen und auf dem neuesten Stand sein, damit ich auch wirklich gut helfen kann. Deswegen mache ich das. Und deswegen mache ich es freiwillig.

Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 2

Fortsetzung zu Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 1

Station 5: „Bus Stop“
Linienbus im Freigelände
Das es was mit einem Bus zu tun hat, wissen wir ja schon. Trauma? Massenanfall an Verletzten? Internistisch?
Szenario:
Der Trainer fragt uns, ob wir bereit wären, für ein Experiment. Dafür, dass er uns die Station extra schwer gestaltet, dürfen wir gleich als Fünfer-Team durchstarten. Es ist ein Experiment, somit also nicht ganz soooo streng bewertet…
Die Alarmierung lautet „Fußverletzung“ im Bus nach Notbremsung. Der „Busfahrer“ (= Trainer) erzählt uns, dass eine Dame während der Fahrt gestanden sei. Er musste eine Notbremsung machen, daraufhin sei die Dame nach vorn gefallen und zwischen den Reihen zu liegen gekommen. Sie schreit und kommt selbst  nicht mehr auf. Die anderen Fahrgäste hat der Busfahrer bereits aus dem Bus aussteigen lassen, alle beiden Eingänge sind offen und frei für uns.
Das Arbeiten:
Wir machen uns aus, dass meine Kollegin hier gerne wieder Teamleaderin wäre. Sie geht als erstes durch den hinteren Eingang in den Bus und lokalisiert die Patientin. Sie liegt im Mittelgang zwischen den Reihen, mit den Füßen zu uns, offensichtlich hat sie große Schmerzen. Meine Kollegin geht sofort zu ihr, quält sich über die Sitze so hin, dass sie das Szenario gut im Blick hat und zeitgleich die Patientin untersuchen kann. Ich bin die zweite hinter ihr, schicke einen Kollegen von vorne zur Patientin um den Kopf zu fixieren, selbst sehe ich mir das Bein genauer an, dass zwischen den Sitzen eingeklemmt und verdreht ist – daher also auch die Schmerzen.
So, wie bekommen wie die Patientin mit möglicher Wirbelsäulenverletzung und offensichtlicher Unterschenkel-Verletzung nun möglichst schonend aus dem 45°C heißen Bus? Jaaaa, wir bereuen zu diesem Zeitpunkt, „Extra Schwer“ bestellt zu haben…
Die Station ist eine Spineboard-Improvisations-Übung, hier sollen alle Teams einfach lernen, unter erschwerten Bedingungen mit dem Brett zu üben.
Idee 1: Wir drehen die auf der Seite liegende Patientin auf den Rücken, um ihr die Halskrause anlegen zu können. Dann drehen wir sie wieder auf die Seite, um sie auf das Spineboard ziehen zu können. Meine Gedanken dazu: Bullshit – wäre einmal extra drehen! Patientenschonung??
Idee 2: Patientin liegt perfekt da, um sie aufs Spineboard zu bekommen. Warum nicht den Kopf weiter manuell fixieren – immerhin sind wir fünf Leute, da kann ich einen gut dafür verwenden – und am Spineboard dann die Halskrause anlegen? Einmal weniger drehen = Patientinschonung!!
Jetzt wird wohl erstmal diskutiert. Teamleader muss entscheiden, was gemacht wird. Nach ewigem diskutieren entscheidet die Teamleaderin mithilfe des Trainers, dass wir doch Idee 2 nehmen – Gott sei Dank! Mit viel hin und her und „wie geht das am Besten?“ bekommen wir die Patientin dann doch raus…
Verbesserungen:
Nachdem wir die Experiment-Gruppe waren, gibt es nur zu sagen, dass wir an unserem Tempo arbeiten müssen. Die Kommunikation hat funktioniert, wir müssen allerdings sicherer werden und dürfen auch nicht mehr so lange diskutieren. Sch… auf Stifneck (HWS-Schiene) wenn du jemanden hast, der manuell fixieren kann! Dadurch wird der Kopf sogar besser stabilisiert!
Fazit:
Naja, nicht die Meisterleistung, aber auch nicht schlecht. Ich bin stolz, dass ich auf die Idee mit dem Spineboard sofort drunter schieben gekommen bin, aber nicht darauf, dass wir dann so lange gebraucht haben. Die Station an sich war aber absolut geil! Wer darf schon mal in einem Bus sowas üben?

So, jetzt hab ich ein Problem: mein Kreislauf sackt zusammen. Ich quäle mich schnellstmöglich zur nächsten Station, die in der Halle stattfindet. Wasser in den Nacken, hinlegen, Beine hoch. Hilft nur mäßig…
Die nächsten Stationen muss ich aussetzen, ich hätte es nicht geschafft. Deshalb hier nur ganz kurze Erklärungen dazu:

Station 6: „Under Pressure“
Ich habe die Station zwar verfolgt, aber nur am Rande. Ich war ja immer noch damit beschäftigt nicht in bewusstlos zu werden. 
Hierbei ist die Patientin eine KFZ-Mechanikerin. Das Auto steht auf einem Wagenheber, der allerdings kaputt wurde, während sie noch mit den Beinen unter dem Fahrzeug war. Das schwere Auto ist nach unten gefallen und durch die Wucht hat es ihr das Bein zertrümmert. Außerdem hat sie eine starke Spritzblutung aus der Oberschenkelarterie.
Ziel der Station: richtigen Punkt zum Abdrücken in der Leistenbeuge finden und einen schnellstmöglichen Transport organisieren.

Station 7: „Breathelss“
Ich wäre soweit eigentlich wieder fit. Die Trainer lassen mich allerdings nicht in den Bus, wo diese Station stattfindet. Es ist dort einfach zu heiß. Ich muss im Schatten warten.
Ich bekomme von der Station also auch nicht wirklich was mit. Was mir erzählt wird: Fahrgast im Bus erleidet Herzinfarkt, kontinuierliche Zustandsverschlechterung während Anamnese bis hin zum Atem-Kreislauf-Stillstand.
Ziel der Station: Platzmanagement bei Reanimation

Station 8: „Burnin‘ Alive“
Auch hier hätte ich gerne mitgemacht, da es aber auf der Terrasse war, meinten die Trainer wieder, dass ich mich in den Schatten setzen soll. Hier war auch das Zusehen spannend, mit so einem Szenario hätte niemand gerechnet.
Klar, es hat was mit Verbrennung zu tun. Vater wirft den Grill an und meint mit Brennspiritus geht das alles schneller. Blöd nur, dass es dadurch eine kleine Explosion gibt. Vater verletzt, Sohn (5 Jahre) ebenso. Vater legt Kind noch in das Planschbecken, um ihn zu kühlen.
Der Vater ist recht schnell versorgt – Erwachsene verkraften Verbrennungen besser als Kinder. Beim Kind geht es allerdings bis zum Atem-Kreislauf-Stillstand. Es wurde also noch schnell eine Kinder-Reanimation eingebaut in dem Szenario.
Man merkt mittlerweile allen an, dass es für heute reicht. Niemand ist mehr zu irgendwas fähig, es ist einfach zu heiß. In dem Szenario funktioniert hauptsächlich das Platzmanagement nicht, obwohl wir das alle mittlerweile schon mit links machen könnten.

Station 9: „Killing Me Softly“
Hier war ich wieder dabei und wollte auch Teamleader sein. Wurde mir erlaubt, meinem Kreislauf ging es nach drei Pausen wieder angemessen gut.
Szenario:
Wir werden vom Ex-Freund gerufen, weil die Patientin sich in der Wohnung eingesperrt hat und nicht antwortet. Er befürchtet, dass sie wegen ihren psychischen Problemen Mist gebaut hat.
Nach der „Türöffnung“ durch Feuerwehr und Polizei betreten wir eine leere Wohnung, finden allerdings Zigaretten, Alkohol und Tabletten. Das Fenster ist offen. Ich ahne schlimmes, sehe nach draußen und mein Verdacht bestätigt sich.
Das Arbeiten:
Den Kollegen schicke ich mit der Trage und dem schweren Material runter, die Kollegin und ich laufen mit dem nötigsten (Notfallrucksack, Sauerstoff, Halskrause, Defi) nach unten. Die Patientin liegt auf dem Bauch, sie ist eingetrübt aber ansprechbar. Schwierig ist auch, dass der Ex-Freund (= Trainer) hier Tamtam macht und den Einsatz stört. Allgemein schaffen wir es aber im Team, die Dame recht schnell zu versorgen (offene Unterschenkelfraktur).
Verbesserungen:
Hier wird dann schon milder bewertet, es war ein langer Tag und neun Stationen sind nicht ohne bei 35°C im Schatten. Auch unsere immer wieder auftauchenden, teilweise wirklich blöden Meldungen während dieser Station wurden geduldet, genauso wie die Pause, weil wir alle einen Lachanfall bekommen hatten. Wir haben alles fast zur Zufriedenheit des Trainers gemacht – hier gehört aber noch ein bisschen ABCDE-Training gemacht. Die Versorgung hat hier tadellos geklappt.
Fazit:
Total geile Station. Ich bin so froh, dass ich hier die Teamleitung übernommen habe! Es war nicht einfach, weil ich einen Traumapatienten vor mir liegen hatte, der zeitgleich alkoholisiert und psychisch etwas angeknackst war. Zusätzlich war natürlich noch der Ex-Freund da, der einfach nur nervig war.

FAZIT DES TAGES:
Hoch lebe der Grillmeister!
Hoch lebe der Erfinder der Duschen!!
Hoch lebe mein Bett!!!
Nach der Übung gingen wir uns alle duschen, unsere Kleidung konnte man mittlerweile auswringen. Dann wartete schon die Abschlussgrillfeier auf uns. Es war traumhaft! So soll ein Kurs enden. Zumindest ein so anstrengender, fordernder Tag.
Ein bisschen Wehmut ist beim Verabschieden dabei – immerhin bin ich in dem Kurs die einzige Auswärtige, ich werde die anderen nicht mehr bzw. fast nicht mehr sehen. Und einige davon sind mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Es war eine tolle Truppe!

Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 1

Sooo, nach einer anstrengenden Kurswoche und danach einer Woche Urlaub melde ich mich hier wieder mit dem Abschluss meines Kurses.
Es ist vorbei, einfach aus und vorbei. Die drei Monate sind eigentlich wie im Flug vergangen, auch wenn wir alle immer wieder gejammert haben. Nein, es kommt mir wirklich nicht so vor, als ob das drei Monate gewesen wären.

Aber was war denn jetzt in der letzten Woche noch alles?
Dienstag wieder mal 4 Stunden abends. Hier nochmal ein bisschen was zur Einsatztaktik und berufsspezifischen rechtlichen Grundlagen. Die beiden Themen hatten wir eigentlich schon gemacht, Stoff fürs Lernen zu Hause hatten wir auch, in diesen jeweils zwei Stunden wurden aber noch allfällige Fragen unsererseits geklärt. Hier kamen auch gleich wieder ganz spannende Themen auf, die wir auch noch eeeeewig diskutieren hätten können.

Donnerstag dann nochmal 4 Stunden, dieses Mal aber schon praktische Übungen. War jetzt nicht sooo spannend, eher die Vorbereitung auf den Samstag. Da ging’s dann so richtig zur Sache! So einen heftigen Übungstag hatte ich auch noch nie!
Aber von Anfang an:
Eintreffen beim Kurs, Austeilen der Zeit- und Locationpläne und Zuteilung in die jeweiligen Übungsgruppen ist schnell erledigt. In unseren zugelosten 5er-Gruppen machen wir uns dann auch auf den Weg zur ersten Station.

Wer Inspirationen sucht für ebensolche Übungstage oder einfach lesen will, wie ich an diesem Tag gelitten habe, kann hier gerne weiterlesen. Es werden aber insgesamt 9 Stationen mehr oder weniger detailliert beschrieben. Wer bloß die Zusammenfassung lesen will – Pech gehabt, ihr versäumt was. Könnt es aber trotzdem ganz unten noch lesen 😉

Station 1: „Hit The Wall“
PKW im Freigelände
In unserer Gruppe sind wir 3 Burschen und 2 Mädels. Da bei dieser Station (vorläufig) nur 3 Personen – ein RTW-Team – arbeiten werden, machen wir beiden Mädels es uns nebenbei mal mehr oder weniger bequem. Eher weniger, wenn man bedenkt, dass es um 9:15 Uhr schon knapp 30°C hat und wir hier am Parkplatz keinen Schatten finden können und wir außerdem die doch schön wärmende Uniform anhaben.
Szenario:
verunfalltes Fahrzeug, offensichtlich gegen eine Mauer gefahren – eine Person angeschnallt am Fahrersitz im PKW, Lenkradairbag offen – zu erkennen eine Kopfplatzwunde – kurz nach Eintreffen des RTWs beginnt es aus der Motorhaube weiß zu rauchen/dampfen.
Das Arbeiten: 
Ein Teammitglied spricht den Patienten an, ein zweites fixiert von der Rückbank aus den Kopf des Verletzten. Der dritte Sanitäter erkennt, dass es aus der Motorhaube raucht, nach kurzem Rundumblick und Einschätzung der Situation entscheidet sich der Teamleader für eine Crashbergung um schnell von dem Fahrzeug weg zu kommen. Der Verletzte wird aus der Gefahrenzone mittels Rautekgriff herausbefördert, auf ein Spineboard gelegt, Halskrause drauf und festschnallen. Weitere Anamnese im RTW. Der Patient gibt Brustschmerzen an, die anscheinend auch zu dem Unfall geführt haben – er konnte sich nicht mehr auf das Fahren konzentrieren. Ähnliche Schmerzen sind dem Fahrer schon bekannt, er leidet unter der KHK. Außer einer Kopfplatzwunde auf der Stirn können keine weiteren Verletzungen gefunden werden. Das RTW-Team entscheidet sich, dem Verdacht „Herzinfarkt/ACS bei bestehender KHK“ nachzugehen und den Patienten auf eine Ambulanz der Inneren Medizin zu bringen.
Verbesserungen:
Feuerlöscher! Hat jeder RTW dabei, die Zeit muss im Einsatz einfach sein, dass ich den schnell hole und bereitstelle. Außerdem ist weißer Dampf aus der Motorhaube meist nur Kühlwasser, das auf den heißen Motor tropft und verdampft – solange keine eindeutigen Brandzeichen wahrzunehmen sind, sollte der Patient zumindest noch mit einer Halskrause versorgt und mit Spineboard oder Rettungsboa schonend aus dem Fahrzeug geholt werden.
Die Entscheidung „Innere Medizin“ ist primär nicht schlecht, allerdings gehören vorher auch eventuelle Wirbelsäulentraumata ausgeschlossen, die bei diesem Unfallhergang sehrwohl möglich sein können. Somit wäre es am geschicktesten, den Patienten für den Schockraum anzumelden, und dort direkt den Radiologen, Unfallchirurgen UND einen Internisten hinzubeordern. Somit haben wir bei der Übergabe gleich alle nötigen Ärzte anwesend.
Fazit: 
Angenehme Station zum „aufwärmen“ und definitv mal etwas anderes. Eine solche Kombination aus Trauma und Herzerkrankung sieht man nicht oft in Übungen.

Station 2: „Wild Horses“
Reithalle (= Lehrsaal)
Hier arbeiten meine Kollegin und ich, zusammen mit einem der Burschen.
Szenario: 
Sturz vom Pferd in der Reithalle – das Pferd wurde bereits in die Box zurück gebracht. Zu sehen ist eine Sprunghürde, bei der ein Balken heruntergefallen ist, beim Balken eine reglose Person am Boden. Keine offensichtlichen Verletzungen.
Das Arbeiten: 
HALT DIE NUSS! Ich spreche die Patientin an, und fixiere gleich manuell den Kopf, meine Kollegin macht eine Atemkontrolle und stellt fest, dass die Verletzte bewusstlos ist. Da wir von einem Trauma ausgehen müssen, entscheiden wir uns vorläufig für freihalten der Atemwege durch Esmarch-Handgriff unter weiterer manueller HWS-Fixierung. Im Laufe des Trauma-Checks kommt die Reiterin wieder zu sich, wir legen eine HWS-Schiene an und die Patientin kann jetzt auch befragt werden. Außer einem stumpfen Bauchtrauma durch Huftritt sind keine weiteren Verletzungen zu erheben, das ABC hat keine Probleme aufgezeigt, bloß neurologisch auffällig war die junge Dame. Da natürlich auch von einer Gehirnerschütterung ausgegangen werden muss, eventuell sogar ein für uns (noch) nicht sichtbares SHT, denken wir, dass die Auffälligkeit davon kommt und wollen schnellstmöglich ins Kranknehaus. Wir machen die Patientin transportfertig und heben sie mit der Schaufeltrage auf die Vakuummatratze. Wir sind damit recht schnell fertig, und erklären dem Stationsbeobachter nur noch, was im RTW auf der Fahrt alles noch gemacht werden würde.
Verbesserungen: 
Auslöser für den Sturz vom Pferd war eigentlich eine Hypoglykämie – Unterzucker. Wir sind nicht drauf gekommen, da die Patientin von selbst wieder zu sich gekommen ist und sie auch beim SAMPLER mit keinem Wort ihr bestehendes Diabetes erwähnt hat. Wir haben dann am Unfallort nicht Blutzucker gemessen, hätten es erst im Fahrzeug gemacht (im Fahrzeug werden immer die restlichen Werte erhoben, wenn am Unfallort entschieden wird, dass wir schnell in den RTW kommen und transportieren wollen). Somit haben wir den Auslöser übersehen und sie wäre uns mit Sicherheit bald wieder bewusstlos geworden, da der Zuckerspiegel ja weiter sinkt.
Fazit:
VERGISS DEN BLUTZUCKER NIE MEHR WIEDER!!! Immer wieder und wieder kommen Übungen, die ein Trauma sind, aber deren Auslöser eine Hypoglykämie sind. Und immer wieder kann so etwas auch im Realeinsatz vorkommen. Ansonsten war die Traumaversorgung, die in diesem Fall trotzdem Vorrang hatte,  nicht schlecht und recht rasch, auch das mit dem Esmarch-Handgriff wurde positiv bewertet. Trotzdem wäre allerspätestens bei der Übergabe im Krankenhaus die Meldung unsererseits nötig geworden, dass die Dame Diabetikerin ist. Und hätten wir im RTW vergessen auch das zu messen, hätten wir diese Info nicht einmal gehabt.

Station 3: „I Just Wanna Live“
Badezimmer
Hier werden als erstes drei Leute eingesetzt, ein RTW-Team. Als nächstes wird während dem Szenario gewechselt, zum Schluss kommt noch ein „Arzt“ (= Stationsbeobachter) + Notfallsanitäter dazu, es sind dann alle fünf im Einsatz.
Szenario: 
An der Wohnungstür erwartet uns eine aufgebrachte Frau, ihrem Mann gehe es nicht gut und jetzt wäre er im Badezimmer. Sie führt uns hin, die drei Sanitäter betreten den Raum. Der Patient liegt auf dem Badezimmerboden, die Füße in der Dusche, keine Reaktion auf Ansprechen.
Das Arbeiten: 
Die Teamleaderin macht den Notfallcheck und stellt fest, dass der Patient nicht atmet. Schnell wird entschieden, dass ein Notarztmittel nachgefordert werden so. Außerdem wird der Patient nach draußen auf den Gang gebracht – im Badezimmer wäre später nicht genug Platz für eine Reanimation, vier Sanitäter und einen Arzt. Das Team startet im ganz normalen BLS (Basic Life Support), Herzdruckmassage, Intubation mit Larynxtubus, Defi (AED über die EKG-Einheit). Während hier gearbeitet wird, wird nach jedem 2-Minuten-Zyklus (in jeder Analysephase) gewechselt, so werden auch die beiden Zuschauenden Teilnehmer nach und nach ausgewechselt mit dem arbeitenden Team, damit jeder einmal HDM machen kann. Dann kommt der Arzt dazu, jetzt sind wir alle fünf Gruppenmitglieder und der Trainer im Einsatz. Hier wird umgeschwenkt zu ALS (Advanced Life Support). Es werden Zugänge gelegt, Infusion angehängt, die Medikamente werden aufgezogen und verabreicht. Die Dosierungen müssen wir wissen, das fragt uns der Trainer auch noch. Zusammen schaffen wir die richtigen Medikamentennamen und -dosierungen: L-Adrenalin pur war sowieso klar, Sedacoron werden 300mg gebraucht, da mussten wir mal ausdiskutieren welche Größe die Ampulle hat und wieviele mg da drin sind. Mit 50mg/ml, also 150mg in der 3ml Ampulle, haben wir dann auch die richtige Antwort gefunden. Nebenbei wird natürlich die Reanimation weitergeführt.
Der Patient hat plötzlich wieder einen eigenen Kreislauf, er beginnt gegen den Tubus zu atmen und jetzt müssen wir die Medikamente und Dosierungen zur Relaxierung wissen. Ich weiß sie leider nicht, ich bin auf einer anderen Dienststelle und wir verwenden andere Medikamente dafür. Die kenne ich natürlich, aber die, die dort am Kursort verwendet werden natürlich nicht.
Verbesserungen: 
Wir haben in dem ganzen Trubel und den Wechseln der Mannschaft ganz vergessen, dass wir die EKG-Einheit vom AED-Modus in den Manuellen Schockmodus schalten, als der Arzt angekommen ist. Ist normalerweise Standard, wir hatten auch alle schon mal so eine Situation im Realeinsatz, haben es alle gemeistert, aber hier eben vergessen. Wurde uns nachgesehen, da durch die ständigen Wechsel wirklich etwas unnötige Verwirrung dabei war. Einzig die Medikamente müssen noch besser gelernt werden, da darf kein Zweifel bestehen, wenn jemand fragt, was Name, Wirkstoff und Dosierung ist.
Fazit: 
Angenehme Station, war schön zu arbeiten, allerdings waren die Wechsel wirklich nicht unbedingt förderlich für den nötigen flow in der ganzen Sache. Aber um das ging es eigentlich ja gar nicht, das Augenmerk lag ja auf der Qualität der Herzdruckmassage und dem Kennen der Medikamente. Also insofern hat’s gepasst.

Station 4: „Born To Be Alive“
Übungs-RTW
Ratet mal, was uns hier erwartet? 😉
Szenario: 
Wir gehen davon aus, dass wir eine Dame ohne Wehen aber mit erfolgtem Blasensprung von zu Hause abholen. Wir sind schon am Weg ins Krankenhaus, ich bin Fahrer, sitze also vorne. Meine beiden Kollegen kümmern sich um die Patientin. Die Trage wurde umgedreht, so dass die Patientin in Fahrtrichtung blickt – so wie es bei Schwangeren gemacht werden muss. Ich sitze am Fahrersitz, plötzlich meldet mein Kollege, ich solle bitte stehen bleiben, den Notarzt anfordern und nach hinten kommen – plötzlich einsetzende Presswehen.
Das Arbeiten:
Hier steigen wir also in das Szenario ein. Schnellstmöglich richten wir uns alle nötigen Materialien für eine Geburt zusammen. Meine beiden Kollegen ziehen die sterilen Handschuhe an und widmen sich der Mutter, ich reiche Ihnen das benötigte Material und bereite auch noch für eine eventuelle Neugeborenen-Rea vor. Den Platz auf dem „Arbeitstisch“ mache ich auch noch frei.
Das Baby ist recht flott geboren, von dem her geht alles problemlos. Aber es zeigt keine Reaktion, also wird es wirklich eine Rea. Platzwechsel – die beiden kommen nach vor um von der Mutter etwas abseits zu stehen wenn sie ihr Baby reanimieren, ich gehe zu ihr und kümmere mich um sie. Die Geburt der Plazenta kommt mir schon mal etwas zu schenll vor und dann weiß ich plötzlich auch warum:  Sie wird jetzt zunehmend blasser und ruhiger. Ich lege sie auf der Trage wieder flach hin, versuche ihre Beine etwas in die Höhe zu bekommen – ich befürchte eine Blutung in der Gebärmutter und einen dadurch entstandenen Volumenmangelschock. Und recht habe ich! Der Trainer sagt mir plötzlich, dass ich jetzt Blut sehe, es tritt schwallartig aus. Also wie gelernt den Handgriff nach Fritsch machen. Jetzt muss der Notarzt schnell sein. Das Neugeborene hat inzwischen schon einen eigenen Kreislauf, ist soweit ersichtlich putzmunter. Und damit wird die Übung abgebrochen.
Verbesserungen:
Der Trainer hatte an uns nichts wirklich auszusetzen! Wir haben eigentlich alles richtig gemacht, vom Gerätemanagement über die Abwicklung der Geburt bis hin zur Rea und dem Handgriff nach Fritsch! Einzig hätten wir ein bisschen flotter arbeiten sollen – das Abnabeln kam etwas zu spät, genauso wie ich zwar wusste, wie der Handgriff nach Fritsch heißt, ihn aber nicht gleich 100%ig korrekt ausführen konnte und mich erst korrigieren musste – auch da geht ein bisschen Zeit verloren.
Fazit: 
Hier hat der Titel schon erahnen lassen, was auf uns zukommt. Dass wir uns allerdings um die Mutter auch noch kümmern müssen, damit hat niemand von uns gerechnet. Trotzdem und auch trotz des Platzmangels im RTW hat für uns alles gut funktioniert und wir waren auch selbst mit uns zufrieden. Bis jetzt die für uns beste Station.

Und jetzt ab zur Mittagspause beziehungsweise zu Teil 2. Der folgt die nächsten Tage, ich will euch hier nicht überanstrengen mit allen 9 Stationen 😉
Fortsetzung: Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 2

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 11

Nach einem stressigen aber schönen Wochenende ist heute endlich die Zeit, die vorige Woche zusammenzufassen.

Auch wenn es nicht viel zu erzählen gibt, hatten wir doch ein sehr spannendes Thema am Dienstag. Es ging zuerst mal um Großschadensereignisse und Katastrophenwesen. Ja, mal wieder, dieses Mal musste ich aber Gott sei Dank nicht mehr alle koordinieren. 😉
In der Theorie gingen wir noch die letzten Reste durch, die wir in der Woche zuvor nicht geschafft hatten.

Die restliche Zeit des Abends kam dann ein Koordinator von der Eisenbahn zu uns. Hier gab es den Vortrag „Einsätze im Gleisbereich“ zu hören. Das war der interessantere Part des Tages, hier hat man doch etliche neue Sachen gehört.
Man glaubt ja gar nicht, wie gefährlich Eisenbahngleise tatsächlich sein können, vor allem auch für uns Einsatzkräfte! Bahnschwellen, Schotter, rutschige Teile, Stromleitungen am Boden und in der Luft, Weichen – das alles kann sehr schnell sehr gefährlich werden und mitunter auch für Einsatzkräfte tödlich ausgehen.
Nach diesem Vortrag wissen wir jetzt auch was zu tun ist, wenn wir wirklich auf die Gleise müssen, wir haben die Telefonnummer des Notfallkoordinators mehrmals eingetrichtert bekommen und uns auch gleich ins eigene Handy gespeichert. Ob und wann wir im Einsatz aufs Gleis dürfen, entscheidet der Notfallkoordinator! Ohne seine Freigabe können und dürfen wir nicht auf die Gleise, nicht mal um die Verletzten rauszuholen. Zu hoch ist einfach die Gefahr, dass uns auch noch etwas passiert – Züge werden moderner und immer leiser um nur ein Beispiel anzusprechen.

Ganz witzig war die Frage „Was macht ihr, wenn ihr zwischen zwei Eisenbahnschranken mit dem Auto zum Stehen kommt?“ Hier ging dann unter uns die Diskussion los. Aussteigen und laufen? Sitzenbleiben und versuchen die Schranken zu durchbrechen? Jeder hatte andere Argumente, im Endeffekt wurde aber aufgeklärt, dass Schranken immer eine Sollbruchstelle haben und diese somit beim Durchbrechen mit dem Auto einfach brechen – selbst der Schaden am Auto wird nicht unbedingt dramatisch sein, weil Schranken wirklich leicht brechen…

Am Donnerstag stand im Stundenplan „Einsatztaktik“.
Ich weiß nicht ob ich es schon mal erwähnt habe: Ich fahre unter der Woche zu den Abendkursen immer direkt von der Arbeit weg. Ich fahre bis zum Kurs etwas mehr als eine Stunde, das selbe dann in der Nacht nach dem Kurs wieder retour. Ich bin also gesamt für einen Kurstag ca. 2:15 Stunden im Auto unterwegs.
Richtig blöd ist dann, wenn man eine Viertelstunde auf den Vortragenden wartet, dann mal anfängt herumzutelefonieren, herausbekommt, dass der Vortragende heute vergessen hat und jetzt aber nicht vorbereitet ist und nach einer halben Stunde blöd herumsitzen einfach heimgeschickt wird.
Negativ: 140km und 2:15 Stunden umsonst im Auto gesessen
Positiv: Der Abend war warm und schön, ich konnte ihn also sogar noch ein bisschen genießen 😉

Heute geht es weiter, die letzte Woche bricht an. Dienstag, Donnerstag, Samstag – dann ist der Spaß schon wieder vorbei. Dann heißt es selbst lernen, Praxis am NAW und im Krankenhaus machen und Übungstage selbst mit dem Prüfungspartner organisieren. Naja, ich bin gespannt auf diese Woche. 😉

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 10

Es neigt sich dem Ende zu. Bald sind unsere Theorie-Einheiten zu Ende und es geht an die Praxis und das Selbststudium. Doch davor haben wir am Samstag noch begonnen mit einem recht heiklen Thema – Großunfall und Katastrophen.

Aber mal zum Anfang der Woche:
Ich hatte ja nur Mittwochs Abendkurs, zwei Stunden Anatomie und zwei Stunden Hygiene waren geplant. In Wirklichkeit brauchten wir nur zwei Stunden für alles – hier ging es ja auch nur um die Kontrolle des Selbststudiums.
In Anatomie bekamen wir 25 Fragen, die wir mittels eines „Online-Tests“, über eine Plattform für Studenten, abarbeiten mussten. Hier wurde uns danach das Ergebnis per Mail mitgeteilt. Zu den Themen Auge, Ohr, Nase und Geschlechtsteile kamen hier die Fragen bunt verteilt. Ich habe 84% erreicht – muss aber zugeben, dass ich weniger erwartet hätte. Ich hatte nämlich absolut keine Zeit um zu lernen. Bei Hygiene war das Selbststudium ein E-Lerning inkl. Abschlusstest, wir bekamen am Mittwoch nur noch 10 Fragen gestellt, Multiple-Choice, und waren auch damit sehr flott fertig. Hier habe ich aber kein Ergebnis bekommen.

Dann der Samstag:
Thema Großunfälle und Katastrophen.
Dazu ein bisschen Erklärung: Großunfälle sind immer eine Herausforderung für den Rettungsdienst. Besonders die Anfangszeit ist hier schwer. Ab 16 Patienten sprechen wir hier in Österreich von einem NFG – NotFall Groß.
So, da kommst du jetzt also nach der Alarmierung als erstes Fahrzeug an und stehst mal da, willst dich eigentlich irgendwo verkriechen, so dass die anderen nicht mitbekommen, dass du schon als Erster da bist. Weil der Erste, der hat die anstrengendste Aufgabe. Der muss da mal von Anfang an Struktur reinbringen, damit das ganze nicht im völligen Chaos versinkt. Der spielt dann den Einsatzleiter.
Und genau das durfte/musste ich am Samstag machen – das rettungsmädchen wird Einsatzleiterin für einen Tag.

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Wir werden in vier Gruppen eingeteilt, davon wird (m)eines als „ersteintreffendes Fahrzeug“ bespielt. Ich hatte ja schon oft Übungen und Schulungen zum Thema NFG, aber noch nie in der Form.
Gut, ich komme halt da in den Schulungssaal, schnappe mir meinen sexy neongelben Überwurf und sehe mir das vorgegebene Szenario mal an. Sieht schon mal ganz….naja…hmmm…50(!) Verletzte?!?!?!?!
„OK, also jetzt mal alle Klappe halten und…“ – und genau in dem Moment schickt der Übungsleiter die nächsten Teams herein und plötzlich wollen 7 Leute zeitgleich was von mir.
Und jetzt beginnt auch das Chaos, das ich eigentlich vermeiden muss, gegen mich anzukämpfen. Kurz mal durchatmen, einen Schrei in die Menge, Besprechung und Einteilung. Puh!
Ok, es ist meine Erste Übung in der Form, ich mache natürlich Fehler, aber besser hier als im Realeinsatz. Und genau dafür ist dieser Tag ja auch da.
Zwischendurch immer wieder Stressphasen, ich bin teilweise kurz vorm Verzweifeln, wieder kurz durchatmen und weiter. Ich funktioniere einfach. Muss hier auch…
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Die Zusammenfassung meinerseits: 
– Funkverbindungen können bescheuert sein, hol dir also als Einsatzleiter einen Helfer, der für dich laufen und so Informationen weitertragen kann, es kann mitunter wirklich nötig werden.
– Behalte alle deine Zettel, die du als Einsatzleiter brauchst, immer bei dir, ansonsten verlierst du sie oder bekommst sie nicht mehr wieder wenn jemand sie ausborgt.
– Schreibe jede Information die du bekommst mit bzw. lass deinen Helfer mitschreiben, die Presse wird sehr schnell die ersten Infos haben wollen, und die müssen dann auch an unseren Pressesprecher weitergegeben werden.
– Mach Besprechungen, spätestens alle halben Stunden!
– Frag zwischendurch über Funk die einzelnen Leiterfunktionen nach Informationen, um bei den Besprechungen nicht alles auf einmal präsentiert zu bekommen.
– Achte auf deine Ressourcen und teile sie klug ein.
– Schau auf die Uhr!!!!
– geh danach schlafen.

Feedback des Übungsleiters: 
– Ich muss auf diese verdammte Uhr schauen!!!
– Ich muss erhaltene Informationen auch weitergeben
– Ich muss öfter mal nach Informationen fragen.
– Ich muss mir von Anfang an einen Helfer organisieren, der für mich schreibt und läuft.
– Im Grunde habe ich dafür, dass das die erste Übung in der Form war, alles ganz gut gemacht. Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten (bei wem nicht, so oft haben wir keine Großunfälle, dass das perfekt sitzen würde) aber ich könnte es meistern, ohne unterzugehen.
– Nach eineinhalb Stunden merkte man mir an, dass die Erschöpfung naht. Plötzlich saß ich anscheinend ziemlich eingefallen, mit hängenden Schultern, am Tisch und wurde immer leiser beim Sprechen über Funk. Ich brauchte länger um zu antworten, wenn auch nur Sekundenbruchteile, aber es waren merkbare Sekundenbruchteile. Als er mir im Nachhinein sagte, wann dieser Zeitpunkt war, musste ich mal nachfragen, ob er mich gerade verarscht – ich dachte echt nicht, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eineinhalb Stunden vergangen waren. Ich musste ihm aber zustimmen, ich war ab diesem Zeitpunkt der Erschöpfung tatsächlich sehr nahe. Eineinhalb Stunden bis zu diesem Durchhänger sind aber völlig in Ordnung meint der Übungsleiter. Er hätte sogar weniger erwartet.
– Er ist stolz auf mich, dass ich den Rest der Übung auch noch „durchgebissen“ und voll weiter gearbeitet habe.
– Natürlich ist er auch stolz auf alle anderen, denen ich Leiterfunktionen zugeteilt habe. Auch die sind sehr wichtig um die Ordnung zu erhalten im Großeinsatz.
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Es war einmal wirklich etwas anderes und eine riesen Herausforderung für mich. Ich weiß jetzt definitiv, was ich im Ernstfall besser machen kann, um die Struktur aufrecht zu erhalten, wenn das Chaos wieder anfängt gegen mich zu kämpfen.
Ich möchte trotzdem niemals zu einem solchen Einsatz gerufen werden, egal ob als erstes oder letztes Fahrzeug. Die psychische Belastung im Normaleinsatz ist teilweise schon sehr hoch, auch der Körper wird manchmal ganz schön gefordert. Aber wenn man 50 Patienten abarbeiten muss, so viel Leid auf einmal sieht – das stelle ich mir wirklich ganz ganz schrecklich vor.

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 9

In der neunten Woche des Kurses hatte ich wieder zweimal 4-Stunden-Abendkurs und einmal 8-Stunden-Samstag.
Die beiden Abendkurse handelten beide von speziellen Notfällen, ein großes Thema war hierbei Geburt & Gynäkologische Notfälle und ein anderes Traumatologische Notfälle, beide am Donnerstag. Am Dienstag gingen wir mehrere kleinere Themen durch: Nephrologische, Urologische, HNO-, Augen-Notfälle.

Nephrologische Notfälle – was betrifft denn das?
Nephrologie hat mit den Nieren zu tun. Zu den Notfällen hierbei zählen Nierenkoliken, Nierensteine, Nierenbeckenentzündungen und natürlich Nierenversagen (und noch viele andere, aber nicht so häufige Notfälle).

Urologische Notfälle – das sollte den meisten von euch klar sein, was das betrifft.
Hierbei geht es um einen oder mehrere „Fehler“ im Harnsystem. Seien es Blasenentzündungen, Hämaturie (Blut im Harn) oder andere Notfälle.

HNO – die Abkürzung für Hals-Nasen-Ohren.
Diese Systeme hängen ja zusammen, die Ohren sind mit dem Rachenraum durch die Eustachio-Röhre verbunden. Deshalb wird hier auch zusammengefasst.

Notfälle, die die Augen betreffen, können unter anderem auch Bindehautentzündungen sein, diese sind zwar recht häufig, aber so gut wie niemand ruft deswegen den Rettungsdienst. Mit was wir aber sehr wohl in Berühung kommen können, sind grauer Star, Netzhautablösungen, grüner Star, …

So viel also mal zum ersten Teil der Woche. Donnerstag wurde es dann noch interessanter.
Was es hier so alles geben kann als gynäkologische Notfälle, wusste selbst ich als Frau, die sich sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat nicht.
Ich habe mich schon seit dem Gymnasium mit der weiblichen Anatomie ziemlich stark beschäftigt, später dann, als ich selbst die Pille bekommen habe, auch mit den Hormonen und deren Beeinflussung durch diverse Medikamente.
Es war ein interessanter Tag, hier haben wir wirklich viel noch lernen können. Gynäkologische Notfälle können doch sehr schnell sehr kritisch werden (Blutverlust in die Gebärmutter = Blutung in eine große Körperhöhle = bleibt lange unbemerkt = kann seeeeehr gefährlich werden). Wir sollten also im Rettungsdienst wirklich auch gut darüber Bescheid wissen.

Traumatologische Notfälle waren für uns dann eigentlich nur eine Wiederholung mit etwas erweiterten Infos, das Thema kennen wir aus diversen Fortbildungen und unserer RS-Ausbildung nur zu gut. Wir hörten also nur kurz ein paar Neuerungen, die wichtigsten Basics und bereiteten uns im Gespräch dann ein bisschen auf den Übungstag am Samstag vor.

Der Übungstag war wirklich spannend, aber auch anstrengend.
Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt, zu je 5 Personen. Geübt und besprochen wurden so am Vormittag geburtshilfliche Notfälle, die Versorgung eines Neugeborenen und diverse Geräte für den traumatologischen Notfall.
Am Nachmittag ging dann der Stationenbetrieb Trauma los: hierbei mussten wir die verschiedensten traumatologischen Szenarien durchspielen. Von „Radsturz durch Hypoglykämie“ bis zu „Kind von Auto angefahren“ und „Sturz auf Becken aus 6m Höhe“. Als wir so die Szenarien durchspielen sollten, ging es einerseits darum, dass wir das ABCDE….-Schema beherrschen und so alle Verletzungen und Ursachen für den Unfall erkennen und andererseits, dass wir mit den am Vormittag kennengelernten Geräten wie Spineboard oder Beckenschlinge richtig und schonend aber schnell arbeiten lernen.
Es gibt Gott sei Dank noch weitere Übungstage, so ganz sicher sind wir uns nach einem Tag natürlich noch nicht. Aber wir haben alle auf jeden Fall ziemlich viel gelernt an diesem Tag =)