Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 2

Fortsetzung zu Notfallsanitäter-Kurs – das Ende, Teil 1

Station 5: „Bus Stop“
Linienbus im Freigelände
Das es was mit einem Bus zu tun hat, wissen wir ja schon. Trauma? Massenanfall an Verletzten? Internistisch?
Szenario:
Der Trainer fragt uns, ob wir bereit wären, für ein Experiment. Dafür, dass er uns die Station extra schwer gestaltet, dürfen wir gleich als Fünfer-Team durchstarten. Es ist ein Experiment, somit also nicht ganz soooo streng bewertet…
Die Alarmierung lautet „Fußverletzung“ im Bus nach Notbremsung. Der „Busfahrer“ (= Trainer) erzählt uns, dass eine Dame während der Fahrt gestanden sei. Er musste eine Notbremsung machen, daraufhin sei die Dame nach vorn gefallen und zwischen den Reihen zu liegen gekommen. Sie schreit und kommt selbst  nicht mehr auf. Die anderen Fahrgäste hat der Busfahrer bereits aus dem Bus aussteigen lassen, alle beiden Eingänge sind offen und frei für uns.
Das Arbeiten:
Wir machen uns aus, dass meine Kollegin hier gerne wieder Teamleaderin wäre. Sie geht als erstes durch den hinteren Eingang in den Bus und lokalisiert die Patientin. Sie liegt im Mittelgang zwischen den Reihen, mit den Füßen zu uns, offensichtlich hat sie große Schmerzen. Meine Kollegin geht sofort zu ihr, quält sich über die Sitze so hin, dass sie das Szenario gut im Blick hat und zeitgleich die Patientin untersuchen kann. Ich bin die zweite hinter ihr, schicke einen Kollegen von vorne zur Patientin um den Kopf zu fixieren, selbst sehe ich mir das Bein genauer an, dass zwischen den Sitzen eingeklemmt und verdreht ist – daher also auch die Schmerzen.
So, wie bekommen wie die Patientin mit möglicher Wirbelsäulenverletzung und offensichtlicher Unterschenkel-Verletzung nun möglichst schonend aus dem 45°C heißen Bus? Jaaaa, wir bereuen zu diesem Zeitpunkt, „Extra Schwer“ bestellt zu haben…
Die Station ist eine Spineboard-Improvisations-Übung, hier sollen alle Teams einfach lernen, unter erschwerten Bedingungen mit dem Brett zu üben.
Idee 1: Wir drehen die auf der Seite liegende Patientin auf den Rücken, um ihr die Halskrause anlegen zu können. Dann drehen wir sie wieder auf die Seite, um sie auf das Spineboard ziehen zu können. Meine Gedanken dazu: Bullshit – wäre einmal extra drehen! Patientenschonung??
Idee 2: Patientin liegt perfekt da, um sie aufs Spineboard zu bekommen. Warum nicht den Kopf weiter manuell fixieren – immerhin sind wir fünf Leute, da kann ich einen gut dafür verwenden – und am Spineboard dann die Halskrause anlegen? Einmal weniger drehen = Patientinschonung!!
Jetzt wird wohl erstmal diskutiert. Teamleader muss entscheiden, was gemacht wird. Nach ewigem diskutieren entscheidet die Teamleaderin mithilfe des Trainers, dass wir doch Idee 2 nehmen – Gott sei Dank! Mit viel hin und her und „wie geht das am Besten?“ bekommen wir die Patientin dann doch raus…
Verbesserungen:
Nachdem wir die Experiment-Gruppe waren, gibt es nur zu sagen, dass wir an unserem Tempo arbeiten müssen. Die Kommunikation hat funktioniert, wir müssen allerdings sicherer werden und dürfen auch nicht mehr so lange diskutieren. Sch… auf Stifneck (HWS-Schiene) wenn du jemanden hast, der manuell fixieren kann! Dadurch wird der Kopf sogar besser stabilisiert!
Fazit:
Naja, nicht die Meisterleistung, aber auch nicht schlecht. Ich bin stolz, dass ich auf die Idee mit dem Spineboard sofort drunter schieben gekommen bin, aber nicht darauf, dass wir dann so lange gebraucht haben. Die Station an sich war aber absolut geil! Wer darf schon mal in einem Bus sowas üben?

So, jetzt hab ich ein Problem: mein Kreislauf sackt zusammen. Ich quäle mich schnellstmöglich zur nächsten Station, die in der Halle stattfindet. Wasser in den Nacken, hinlegen, Beine hoch. Hilft nur mäßig…
Die nächsten Stationen muss ich aussetzen, ich hätte es nicht geschafft. Deshalb hier nur ganz kurze Erklärungen dazu:

Station 6: „Under Pressure“
Ich habe die Station zwar verfolgt, aber nur am Rande. Ich war ja immer noch damit beschäftigt nicht in bewusstlos zu werden. 
Hierbei ist die Patientin eine KFZ-Mechanikerin. Das Auto steht auf einem Wagenheber, der allerdings kaputt wurde, während sie noch mit den Beinen unter dem Fahrzeug war. Das schwere Auto ist nach unten gefallen und durch die Wucht hat es ihr das Bein zertrümmert. Außerdem hat sie eine starke Spritzblutung aus der Oberschenkelarterie.
Ziel der Station: richtigen Punkt zum Abdrücken in der Leistenbeuge finden und einen schnellstmöglichen Transport organisieren.

Station 7: „Breathelss“
Ich wäre soweit eigentlich wieder fit. Die Trainer lassen mich allerdings nicht in den Bus, wo diese Station stattfindet. Es ist dort einfach zu heiß. Ich muss im Schatten warten.
Ich bekomme von der Station also auch nicht wirklich was mit. Was mir erzählt wird: Fahrgast im Bus erleidet Herzinfarkt, kontinuierliche Zustandsverschlechterung während Anamnese bis hin zum Atem-Kreislauf-Stillstand.
Ziel der Station: Platzmanagement bei Reanimation

Station 8: „Burnin‘ Alive“
Auch hier hätte ich gerne mitgemacht, da es aber auf der Terrasse war, meinten die Trainer wieder, dass ich mich in den Schatten setzen soll. Hier war auch das Zusehen spannend, mit so einem Szenario hätte niemand gerechnet.
Klar, es hat was mit Verbrennung zu tun. Vater wirft den Grill an und meint mit Brennspiritus geht das alles schneller. Blöd nur, dass es dadurch eine kleine Explosion gibt. Vater verletzt, Sohn (5 Jahre) ebenso. Vater legt Kind noch in das Planschbecken, um ihn zu kühlen.
Der Vater ist recht schnell versorgt – Erwachsene verkraften Verbrennungen besser als Kinder. Beim Kind geht es allerdings bis zum Atem-Kreislauf-Stillstand. Es wurde also noch schnell eine Kinder-Reanimation eingebaut in dem Szenario.
Man merkt mittlerweile allen an, dass es für heute reicht. Niemand ist mehr zu irgendwas fähig, es ist einfach zu heiß. In dem Szenario funktioniert hauptsächlich das Platzmanagement nicht, obwohl wir das alle mittlerweile schon mit links machen könnten.

Station 9: „Killing Me Softly“
Hier war ich wieder dabei und wollte auch Teamleader sein. Wurde mir erlaubt, meinem Kreislauf ging es nach drei Pausen wieder angemessen gut.
Szenario:
Wir werden vom Ex-Freund gerufen, weil die Patientin sich in der Wohnung eingesperrt hat und nicht antwortet. Er befürchtet, dass sie wegen ihren psychischen Problemen Mist gebaut hat.
Nach der „Türöffnung“ durch Feuerwehr und Polizei betreten wir eine leere Wohnung, finden allerdings Zigaretten, Alkohol und Tabletten. Das Fenster ist offen. Ich ahne schlimmes, sehe nach draußen und mein Verdacht bestätigt sich.
Das Arbeiten:
Den Kollegen schicke ich mit der Trage und dem schweren Material runter, die Kollegin und ich laufen mit dem nötigsten (Notfallrucksack, Sauerstoff, Halskrause, Defi) nach unten. Die Patientin liegt auf dem Bauch, sie ist eingetrübt aber ansprechbar. Schwierig ist auch, dass der Ex-Freund (= Trainer) hier Tamtam macht und den Einsatz stört. Allgemein schaffen wir es aber im Team, die Dame recht schnell zu versorgen (offene Unterschenkelfraktur).
Verbesserungen:
Hier wird dann schon milder bewertet, es war ein langer Tag und neun Stationen sind nicht ohne bei 35°C im Schatten. Auch unsere immer wieder auftauchenden, teilweise wirklich blöden Meldungen während dieser Station wurden geduldet, genauso wie die Pause, weil wir alle einen Lachanfall bekommen hatten. Wir haben alles fast zur Zufriedenheit des Trainers gemacht – hier gehört aber noch ein bisschen ABCDE-Training gemacht. Die Versorgung hat hier tadellos geklappt.
Fazit:
Total geile Station. Ich bin so froh, dass ich hier die Teamleitung übernommen habe! Es war nicht einfach, weil ich einen Traumapatienten vor mir liegen hatte, der zeitgleich alkoholisiert und psychisch etwas angeknackst war. Zusätzlich war natürlich noch der Ex-Freund da, der einfach nur nervig war.

FAZIT DES TAGES:
Hoch lebe der Grillmeister!
Hoch lebe der Erfinder der Duschen!!
Hoch lebe mein Bett!!!
Nach der Übung gingen wir uns alle duschen, unsere Kleidung konnte man mittlerweile auswringen. Dann wartete schon die Abschlussgrillfeier auf uns. Es war traumhaft! So soll ein Kurs enden. Zumindest ein so anstrengender, fordernder Tag.
Ein bisschen Wehmut ist beim Verabschieden dabei – immerhin bin ich in dem Kurs die einzige Auswärtige, ich werde die anderen nicht mehr bzw. fast nicht mehr sehen. Und einige davon sind mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Es war eine tolle Truppe!

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Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht

(Forsetzung zu Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag)

Schon bei unserem Einsatz am Vormittag hatten wir diverse Grillereien und vor allem Saufereien gesehen, wir erwarten also für die Nacht eher Alk-Intox (Alkoholvergiftung), Stürze und Schlägereien.

Was wirklich geschieht:

Kurz vor 18 Uhr werden wir alarmiert in die Ordination eines uns bekannten Arztes – ein 3-Jähriger sollte mit Atembeschwerden und Verdacht auf Bronchitis auf die Kinderabteilung gebracht werden. Also: auf zum Berufungsort und danach 50km zum nächsten Krankenhaus mit Kinderabteilung düsen. Der Kleine ist recht unruhig, will nicht auf unserer Trage liegen und wirft sogar unseren Tröster-Teddy durch den ganzen RTW. Ein Wunder, dass mein Kollege jetzt nicht taub ist – trotz Atembeschwerden kann der kleine Herr noch ganz schön laut schreien. Ist also doch nicht so schlimm, wer schreit bekommt genug Luft.

Auf der Kinderstation geht die Anmeldung und Übergabe ganz rasch, wir können uns schnell auf ein Zigarettchen nach draußen stellen bevor wir den Heimweg antreten.

In der Zwischenzeit schauen wir, was denn die anderen so treiben.

Am Funk haben wir nämlich mitbekommen, dass sich der Supervisor in den Abend eingeklinkt hat und den Disponenten unterstützt. Unser NAW war ohne Unterbrechung auf drei aufeinanderfolgenden Einsätzen. Aber nicht nur bei uns, auch im Nachbarbezirk und auch ein bisschen weiter weg, aber im selben Leitstellengebiet, war die Hölle los.

Als wir jetzt schauen, was sich noch alles tut „daheim“, ist eigentlich wieder alles komplett ruhig. NAW steht zu Hause. Zweiter RTW hat mit ziemlicher Verspätung die Mannschaft gewechselt und ist auch wieder einsatzbereit. Mein Kollege ist heute Chef der Nacht und sollte so auch immer den Überblick haben, wer wo was macht gerade. Er seufzt einmal tief und zündet sich noch eine Zigarette an, nach diesem ganzen Chaos heute ist er jetzt erstmal erleichtet und schaut zufrieden aus.

Wir drehen wieder um, es ist mittlerweile 20 Uhr, und treten also den Heimweg an. Nach schon nur 5 km bekommt mein Kollege aber die „Vorwarnung“ der Leitstelle: Das ist eine Info, dass gerade etwas im Gange ist. In dem Fall war ein großer Feuerwehr-Einsatz – wir müssen uns also bereithalten, das wird eventuell eine Beistellung(*). Ich war mal bei der Feuerwehr, der Herr Kollege ist es immer noch, also wissen wir was da gerade abgeht. Er ruft also die Leitstelle an und holt sich Infos, ich schaue mal nach, wie viele Feuerwehren dort sind. Bei der Leitstelle ist gerade nochmal Stoßzeit, aber wir bekommen die Info, dass Atemschutzträger reingehen werden aber keine Bewohner verletzt sind. Bei so vielen Feuerwehren ist es dann üblich, dass ein RTW dabeisteht falls denen etwas passiert. Also Blaulicht wieder an und Vollgas zurück aufs Land – es fahren deshalb wir, die den weiteren Anfahrtsweg haben, weil wir beide bei der Feuerwehr sind/waren und dies außerdem eine Aufgabe für den Chef des Dienstes ist. Nach einigen Minuten Fahrt, als wir uns sicher sind, dass die Feuerwehr vor Ort ist und schon einen Überblick hat, funkt mein Kollege dann die Feuerwehr an und verlangt eine Lagemeldung, nach kurzer Zeit mein der FF-Einsatzleiter dann auch, dass wir nicht gebraucht werden, keine Atemschutzträger im Einsatz – Storno für uns. Also heim und endlich ausruhen.

Aber leider nur kurz – eine weitere Überstellung in ein Krankenhaus mit HNO-Abteilung wird gefordert. Aber schnell, mit Blaulicht. Schön langsam wird es anstrengend.

Wir erwarten allerdings immer noch die Alk-Intox und Verletzungen durch Stürze und Schläge. Es passiert aber Gott sei Dank nichts mehr diese Nacht. Gar nichts. Also war’s wohl wirklich nur ein zweistündiger Ausnahmezustand am frühen Abend.

Mal sehen, wie dann der Dienst am Faschingdienstag wird… 😉
(Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht)

(*) Beistellung: Wir bei größeren Einsätzen der Feuerwehr benötigt. Dabei steht (je nach Einsatzart und Größe) ein oder mehrere Rettungsmittel bereit, falls den Einsatzkräften der Feuerwehr etwas passieren sollte.
Beispiel: Gebäudebrand einer Wohnhausanlage -> keine Verletzten Bewohner, Haus steht in Vollbrand. Hier müssen mehrere Feuerwehrtrupps mit Atemschutz reingehen. Das kann mitunter ganz schön gefährlich werden, ganz klar in einem brennenden Gebäude. Außerdem ist es wahnsinnig anstrengend für die Atemschutztrupps, sie müssen schwere Ausrüstung tragen, vielleicht Personen aus den Trümmern retten, unter minimalster Sicht bei größtmöglicher Hitze. Das kann auch zu Erschöpfung führen und dann ist es immer gut, den RTW gleich daneben stehen zu haben. 

Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag

 

Unsere Leitstelle ist zentral für jeweils einen Teil des Bundeslandes zuständig. Ist eine eigene Firma, hat also nichts mit den jeweiligen Rettungsdienstorganisationen zu tun.
Dort gibt es bei uns die Calltaker – die nehmen die Anrufe entgegen. In weiterer Folge wird der durch den Calltaker generierte Einsatz an den Disponenten weitergegeben, der dann die jeweils erforderlichen Rettungsmittel alarmiert. Sollte etwas Gröberes passieren – Großunfälle oder wenn gerade aufgrund einer sehr hohen Einsatzdichte der Hut brennt – mischt in der Geschichte auch noch der Supervisor mit. Das ist sozusagen der Chef der Schicht und übernimmt dann die größeren Einsätze.

Das Vergnügen mit dem Supervisor hatte ich vor Kurzen das erste Mal in meiner bis jetzt zweieinhalbjährigen RD-Laufbahn.

Es ist der Samstag vor Fasching, wir sind untertags und auf der Dienststelle vom Personal her ideal besetzt – alle geplanten Fahrten können schön abgewickelt werden und für Notfälle ist auch immer jemand frei. Ich habe 24h RTW-Dienst vor mit. Samstag früh bis Sonntag früh.

Es geht vormittags los, wir (RTW mit Azubi, ich als Fahrer) stehen gerade im Supermarkt und wollen fürs Mittagessen einkaufen. Gerade vor dem wichtigen Regal läutet unser Pager – Notfall, Beklemmungsgefühl bei 86-Jähriger, Anforderung durch den Hausarzt. Also ab ins Auto, wir haben noch eine doch relativ lange Anfahrt vor uns. Blöderweise geht unser Auto auf halber Strecke kaputt – wir können nur noch mit höchstens 70km/h durch die Gegend zuckeln. Leitstelle angefunkt, „wir fahren zu, aber bitte schickt uns ein anderes Fahrzeug zum Transport“. Wird gemacht!

Nach fast endloser Zeit kommen wir endlich bei der Patientin an. Ihr geht es augenscheinlich nicht gut, vital bedroht scheint sie uns aber momentan auch nicht zu sein. Ich kümmere mich mal mit dem Azubi um die Vitalwerte und rede nebenbei mit der Patientin, was denn genau passiert ist und seit wann dieses Gefühl besteht. Der Kollege trägt in der Zwischenzeit Befunde und Medikamentenlisten zusammen.

Nachdem wir die vorliegenden Befunde und die Werte verglichen und abgesprochen haben, einigen wir uns auf eine Verdachtsdiagnose – nichts tragisches, müssen vermutlich nur ein paar Medikamente neu eingestellt werden.

Als die Kollegen mit dem anderen Fahrzeug kommen, erklären wir den beiden Mädels von dem RTW kurz was es mit der Patientin auf sich hat, geben ihnen unser Datenblatt mit und lachen gemeinsam noch kurz über das Missgeschick mit unserem Fahrzeug. Dann „düsen“ wir wieder mit heißen 70km/h auf der Freilandstraße nach Hause. Das Fahrzeug wird dann recht bald abgeholt von den Mechanikern, wir steigen um auf den Ersatz-RTW.

Wir schaffen es jetzt aber endlich fertig einzukaufen (unser Einkaufswagen steht noch genau dort wo wir ihn verlassen hatten) und dann sogar zu kochen. Nur beim Essen werden wir dann unterbrochen – typisch. Überstellung von unserem „Stammkrankenhaus“ in ein größeres.

Die Röntgenbilder des Patienten schauen nicht gut aus, laut Arztbrief hat er eine Tibiakopf-Fraktur (Schienbeinköpfchen gebrochen). Sowas ist angeblich ziemlich schmerzhaft.

Nach dem Transport, der ja nur eine Verlegung und damit schnell erledigt ist, dürfen wir sogar fertig essen. Endlich!

Ein Teil der Mannschaft wechselt jetzt. Es ist der Wechsel von der Tag- zur Nachtschicht. Ich bleib aber hier, meinen Azubi nehm ich mit auf ein anderes Fahrzeug. Warten wir mal ab, was der Fasching noch so alles bringen wird heute Nacht…

(Fortsetzung bei Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht und Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht)

24h-Dienst

Ich hatte also wieder 24h-Dienst. War am RTW als Fahrerin eingeteilt.

Ein bisschen geschockt bin ich beim ersten Einsatz – eine Jugendliche, die sich mit Tabletten umbringen wollte. (Dazu in einem späteren Post mal mehr.)
Nummer zwei ist dann der Einsatz, auf den wir alle warten. In der Nähe ist ein Fest, große Disco und viel Alkohol also. Und wie erwartet holen wir dann um ca. Mitternacht ein Mädel, das gerade mal so alt ist, dass sie legal Alkohol konsumieren darf. Natürlich beschwippst, Hauptproblem war aber ihre (vermutlich durch den Alkohol ausgelöste) Panikattacke.

Sonntag früh der Einsatz ist dann schon ein bisschen mehr zu arbeiten. Ich schlafe noch, da piept es plötzlich neben mir am Tisch -> Einsatz. Ca. 80 Jahre, bewusstlos, mit NAW. Ok, also schnell hin, der NAW ist uns dicht auf den Fersen.

Wie befürchtet liegt die Dame am Boden und atmet nicht mehr -> Reanimation. Läuft alles wie am Schnürchen, wir sind genug Leute, ich kann mich kurz um unseren Azubi kümmern. Sie schaut kurz etwas irritiert, auch verständlich bei der ersten Reanimation als Azubi. Sie will dann aber auch mithelfen, traut sich alles selbst zu. Sie macht also die Herzdruckmassage, hat die ideale Drucktiefe und der Rhythmus stimmt auch. Sie ist voll dabei, arbeitet, also ob sie schon oft reanimiert hätte. Somit kann ich mich verziehen – der Ehemann schaut aus, als ob er auch gleich umkippen würde.

Jeder hat seine Aufgabe, alles läuft rund. Obwohl wir in dieser Konstellation noch nie zusammengearbeitet haben. Also, die zwei Besatzungen von RTW und NAW hatten noch nie eine Rea miteinander. Aber jeder weiß genau, was er zu tun hat. Alles funktioniert bestens. Wörter werden fast nicht gebraucht, Gesten und Blicke reichen uns im Moment. Und es läuft wirklich alles wie am Schnürchen.

Wir fahren nachher zum Notarzt auf den Stützpunkt, vielleicht hat die Azubiene ja noch Fragen. Aber sie hat brav die Theorie gelernt im Kurs und auch die Praxis hat toll funktioniert und somit bleiben auch die Fragen später weitgehend aus. Sie steckt es für ihre erste Rea sehr gut weg – mal schauen ob sie die nächsten Tage noch Fragen dazu hat. Die kommen ja oft erst später.
Bei der Nachbesprechung sind wir uns alle einig: Das war eine Rea wie aus dem Lehrbuch…

Vom Sani zum Installateur zum Psychologen in einer Nacht – Teil 1

#1: Tabletten genommen, sieht nichts mehr

Alarmierung zu Überdosis – Tablette und Alkohol genommen, sieht nichts mehr

Nachtdienst in der Gastdienststelle, ich fahre mit zwei ganz lieben Kollegen, ich bin als Dritte am Auto dabei. Seit 19 Uhr sind wir im Dienst, wir hatten noch nichts zu tun und warten eigentlich nur auf den obligatorischen Einsatz, der immer vorm Schlafen gehen kommt.
Es dauert und dauert, ich bin eigentlich eh schon ziemlich müde und überlege gerade, ob ich das Bett schon mal überziehen soll, da melden sich gerade mein Handy und der Pager.
Soso, zur Polizei am Bahnhofsplatz also, einen Alki der Tabletten genommen hat holen.
Wir gehen ja prinzipiell ohne Vorurteile in den Einsatz, aber bei solchen Alarmierungen denken wir immer wieder an unsere „Stammgäste“.

Es sollte aber keiner von diesen sein, ein uns Unbekannter wird uns von der Polizei übergeben. Wir sind noch nicht mal aus dem RTW draußen, da bringen sie ihn uns schon her.
Ja, getrunken hat er, man riecht es.
Die Freunde in der blauen Uniform erklären uns kurz, dass der Patient am Bahnhofsplatz herumgeirrt und immer wieder gegen Laternen und Mistkübel gelaufen sei, besagter Patient mischt sich ein und meint das wäre doch nur, weil er nichts sieht, kommt auf keinen Fall vom Alkohol.

Gut, ohne Blaulicht und ohne Polizei in die Notfallambulanz, einsteigen kann der Herr auch allein. Immerhin sieht er offensichtlich genug, er ist nur ein bisschen wackelig auf den Beinen. Auf der fünfminütigen Fahrt erfahren mein Sani und ich so ungefähr die ganze Lebensgeschichte des Herrn – vor kurzem war er auf Alkoholentzug, muss aber aufgrund seiner Depressionen und der Selbstmordgefahr starke Medikamente nehmen und sagt, dass er die ohne Alkohol nicht mehr runterbekommt.

Die Patienten sind mir ja die allerliebsten, vor allem wenn sie sich dann noch über Frauen beschweren und ihre Aussagen so verallgemeinern wie unser lieber Herr das so gern und lautstark gemacht hat. Hallo? Du beschwerst dich bei mir, offensichtlich eine Frau, über die ach so bösen Frauen auf dieser Welt?
Ganz angenehm wird es, wenn sie dann den Abstand zu dir nicht mehr abschätzen können und immer näher und näher kommen – den Geruch bekomme ich sicher heute nicht mehr aus der Nase denke ich mir so.

Unendlich lang müssen wir warten bis wir mit ihm endlich in die Notaufnahme rein dürfen – und danach erst mal die wohlverdiente Zigarette – vielleicht bekomm ich ja so den ekligen Geruch aus der Nase…