Die Sache mit den Freiwilligen…

Ich bin freiwillige Rettungssanitäterin. Und das bin ich gern.

Ich lese in vielen Blogs über den Rettungsdienst. Die meisten davon sind aus Deutschland und damit meist von beruflichen Sanitätern/Feuerwehrmännern.

Ein Blog hat mich wirklich sehr fasziniert, da habe ich allerdings auch gelesen, wie die Hauptberuflichen das mit den Freiwilligen so sehen – und ich komm mir gerade ein bisschen verarscht vor. In dem Beitrag wird nämlich auch Österreich als Negativ-Beispiel genannt. Weil hier eigentlich alles auf den Freiwilligen aufbaut.

Mal kurz zu meiner Ausbildung:
Rettungssanitäter-Kurs zu Beginn der Ausbildung, den machen alle, auch unsere HAs irgendwann mal.
Innerhalb von zwei Jahren dann eine Rezertifizierung (durch Arzt geprüfte Reanimation zur Kontrolle, ob ich das eh noch kann) und eine gewisse Anzahl an Fortbildungsstunden – müssen die Hauptamtlichen (HAs)  bei uns auch machen.
Jedes mal, wenn sich in den Standards etwas ändert, müssen wir freiwilligen RS das als Pflichtfortbildung lernen – auch wie die HAs.
Und daneben müssen wir auch noch so Fortbildungen machen – und ratet mal, wer das noch machen muss. Da können wir uns aber aussuchen welche das sind. Teilweise gibt es Jahresthemen, die dann mit Pflichtfortbildungen verbunden sind.
Es müssen bei uns also die HAs genauso wie die freiwilligen RS dieselben Fortbildungen machen – je nach Ausbildungsstufe (RS/NFS/Kompetenzen) sind das ein bisschen andere Dinge.

Ich kann mich natürlich auch über die geforderten Mindeststunden hinaus fortbilden, außerdem kann ich auch die Ausbildung zum Notfallsanitäter machen – auch mit den Kompetenzen. Also darf ich im Endeffekt gleich viel wie unsere HAs und bin auf dem gleichen Ausbildungsstand.
Und wo liegt jetzt das Problem? Nur weil ich Freiwillig bin, bin ich noch lange nicht schlechter ausgebildet als unsere hauptberuflichen Kollegen…

Thema war auch, dass Freiwillige den HAs die Arbeitsplätze wegnehmen.
Nicht jeder Sani will HA werden. Ich wurde selbst schon gefragt, ob ich beruflich einsteigen würde. Ich hab ein tolles Angebot bekommen, würde mehr verdienen als in meinem Bürojob – aber die Lust daran würde mir auch schnell vergehen. Ich mache das gern als Freiwillige, wenn ich mal Abstand von der ganzen Materie brauche, kann ich mir diesen nehmen.

Ein anderes Argument war auch, dass die Ehrenamtlichen keine Routine hätten.
Ich habe im vorigen Jahr als Freiwillige knappe 1.500 Stunden freiwilligen Dienst gemacht, bin in meinem 2-Jahres-Zyklus mit den Fortbildungen jetzt zur „Halbzeit“ weit über den verlangten Stunden und bin gerade dabei, einen berufsbegleitenden Notfallsanitäter-Kurs zu finden. Soviel zum Thema Routine.

Klar gibt es auch die Negativ-Beispiele, die kaum Dienststunden haben und keine Fortbildungen besuchen. Oder die, die Stunden haben aber keine Kurse belegen. Die werden aber auch zum Gespräch geladen und dann „aussortiert“ falls sich die Situation nicht ändert.
Oder die „Blaulichtgeilen“ – aber das kann genauso gut einer sein, der das Hauptberuflich macht, nur um vor seinen Kumpels mit dem coolen Beruf prahlen zu können. Manchen ist es ja egal, wo und was sie arbeiten, Hauptsache die Kohle und die Anerkennung stimmen (wobei das beim Rettungsdienst ja beides Streitthemen sind).

Es gibt auch in Österreich Systeme mit nur Hauptberuflichen – die Berufsrettung der Stadt Wien zum Beispiel. Auch bei uns am Land in meiner Organisation gibt es einige Hauptberufliche – bei uns um den Tagesbetrieb zu gewährleisten und die Dienstplanung zu übernehmen. Aber wirklich lange, auf Lebenszeit, macht von denen keiner seinen Job. Sie haben vorher einen anderen Beruf erlernt und gehen irgendwann zurück zu dem oder in einen anderen. Aber bleiben tun sie oft keine 10 Jahre – einige wenige ausgenommen.
Viele Freiwillige aber bleiben „ihr Leben lang“ dabei. Wir haben auch für die älteren, die im Rettungsdienst einfach nicht mehr fahren können oder dürfen, noch genug Aufgaben. Die wechseln dann einfach vom RTW zum sozialen Dienst. Und es macht ihnen immer noch Spaß. Das ist ein Teil ihres Lebens, ihr liebstes Hobby.

Der Dienst ist auch mein liebstes Hobby. Ob sich das irgendwann mal ändern wird? Keine Ahnung, aber ich bin ein sozialer Mensch, könnte das aber (momentan) nicht beruflich machen. Vielleicht kommt irgendwann der Punkt an dem ich bereit dazu wäre. Oder der Punkt, an dem ich gar nicht mehr will.

Es gibt diese und jene – die bemühten und die, die das alles nicht so eng sehen. Und die gibt es bei den HAs genauso wie bei den Freiwilligen. Man sollte das aber auf keinen Fall verallgemeinern – wie es in dem anfangs erwähnten Blogbeitrag gemacht wurde.

Ich helfe gerne – sehr gerne sogar.
Ich weiß auch, dass mir das beruflich momentan keinen Spaß mehr machen würde.
Ich weiß auch, dass ich unglücklich wäre, wenn ich nicht mehr als freiwillige RS helfen dürfte/könnte.
Fortbildungen machen mir auch Spaß, ich lerne ja gerne Neues dazu. Und ich will meinen „Job“ ordentlich machen und auf dem neuesten Stand sein, damit ich auch wirklich gut helfen kann. Deswegen mache ich das. Und deswegen mache ich es freiwillig.

10 Gedanken zu „Die Sache mit den Freiwilligen…

  1. Ich muss sagen, dass das nicht nur im RD so ist. Ich bin Mitglied in einer Freiwilligen Feuerwehr in einer deutschen Großstadt. Hier stimmt es zwar, dass die BF’ler mehr Routine haben als wir – aber der Ausbildungsstand ist an sich der gleiche, teilweise sitzen in den Lehrgängen BF und FF gemixt. Und auch wir üben ja regelmässig (unsere Wehr alle zwei Wochen). Bei Einsätzen kommt es auch vor, dass gemischte Trupps gebildet werden. Aber trotzdem werden wir -und auch die Kameraden von FFen, die viele Einsätze fahren- als „minderbemittelt“ angesehen, mit einem „Was können die denn schon“- Blick.

    Das ist schade. Aber es gibt Hoffnung. Die jungen Leute, die in den BFen nachrücken, haben eine deutlich bessere Einstellung. Aber bis sich das vollends bessert, wird es noch dauern.

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    • Hi! Schön, dass du auf meinen Blog gefunden hast!

      Dass es bei der FF auch so ist wusste ich auch nicht. Bei uns in Ö ist die FF eigentlich hoch angesehen. Höher als die Rettungsdienste, weitaus höher sogar. Hier kennt man die BF auch nur aus wenigen Städten und selbst die meisten Betriebsfeuerwehren sind bei uns „freiwillig“ – also die Arbeiter rennen von der Arbeit weg wenns piept und haben keine Bereitschaften.
      Aber schön, dass die nachkommenden schön langsam umdenken, hoffentlich werdet ihr auch bald als „vollwertige Feuerwehrmänner“ gesehen 🙂
      Liebe Grüße

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  2. Wie Du schon sagst: Es gibt zwei Arten von Freiwilligen. Mit den einen arbeite ich auch ganz gerne zusammen, die anderen ruinieren mitunter den Ruf der Freiwilligen.
    Ich habe auch nichts gegen Freiwillige. Zumindest nichts wirksames 😉 Um ehrlich zu sein retten uns die Aushilfen hier gerade den Arsch, da es hauptamtlich gerade etwas dünne ist. Solange sie ihre Fortbildungen machen, halbwegs regelmäßig auf nem Auto sitzen und sich auch gerne mal etwas zeigen lassen bzw einfach nur ihren Job machen, ohne ständig große Töne zu spucken, fahre ich auch echt gerne mit ihnen.
    Auf der anderen Seite gibt es natürlich die schwarzen Schafe. Kaum Praxiserfahrung, aber schon alles erlebt, alles gesehen und generell eine riesige Klappe. Das dann noch oft gepaart mit drölfzig Meldern, Holstern und was weiß ich am Gürtel, blaulichtgeil und natürlich grundsätzlich besserwisserisch. Dafür dann aber auch gerne faul und unzuverlässig, was Pünktlichkeit, Dienstzusagen, etc angeht. Und das sind dann auch die „Kollegen“, die den Ruf der Freiwilligen oder Ehrenamtler in den Dreck ziehen. Leider leider.
    Aber wie du schon sagst: Diese Sorte gibt es natürlich auch im Hauptamt. Und ich hasse sie und werde sie immer hassen.

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    • Hallöchen lieber krangewarefahrer! 😉
      (Oh mein Gott, eins meiner Blog-Vorbilder kommentiert meine Beitrag!!) :‘-D

      Ja genau das mein ich – es gibt diese UND jene. EA und HA gleichermaßen.
      Was mich nur so stört ist die Verallgemeinerung, dass von einigen Beruflichen die Freiwilligen prinzipiell als faule blaulichtgeile Kampfsanis ohne ordentliche Ausbildung abgestempelt werden.

      Ich hab mit Verallgemeinerung und Vorurteilen generell ein Problem, jetzt betrifft es mich selbst auch mal und ich musste Dampf ablassen 😉

      Und mal ehrlich: wer hasst diese Möchtegern-Ich-Bin-Besser-Als-Der-Arzt-Sanitöter nicht? 😉

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      • Ich und Vorbild!? Hahahaha 😉

        Und ich muss wirklich sagen, dass ich mit so mancher (auf dem Boden gebliebener) Aushilfe deutlich lieber fahre als manchem Hauptamtlichen.
        Diese „Möchtegern-Ich-Bin-Besser-Als-Der-Arzt-Sanitöter“ und auch -assistenten rauben einem den letzten Nerv und mit der Zeit auch jegliche Motivation, weil sie einfach absolut unbelehrbar sind.

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  3. Der Beitrag ist nun schon ewig alt, aber ich möchte trotzdem noch was dazu schreiben. Ich bin hauptamtlich in der Pflege und ehrenamtlich bei einer großen HiOrg (in D). Ich bin aktuell Rettungshelfer (in D die „niedrigste“ RD-Quali), bald hoffentlich RS und würde mich freuen, öfters RTW fahren zu dürfen. Auch um mehr in der Praxis zu bleiben. Ist hier leider nicht möglich. Andererseits verstehe ich auch, wenn die HA hier sagen, dass man dadurch die Gehälter noch mehr drückt, weil der die HiOrg’s dann versuchen, so wenig wie möglich Leute HA einzustellen.

    P.S.: In Luxemburg ist das System sehr ähnlich. Bis vor kurzem ausschließlich Freiwillige, jetzt viele Freiwillige mit einigen HA. Allerdings haben erstere nur eine absolute Basisausbildung, dürfen also quasi nicht, was über Verband machen und grobe Diagnostik hinausgeht. Dort haben die Freiwilligen allerdings keine richtigen Schichten, das läuft eher so, wie bei der FF. Was aber auch heißen kann, dass man mal ne halbe Stunde aufn RTW wartet.

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