Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht

(Fortsetzung zu Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag und Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht.)

Und schon wieder ein Faschingsdienst. Gott sei Dank ist die Zeit jetzt bald vorbei.

Ich hatte ja am Samstag schon 24h Dienst und jetzt nochmal 12h am Faschingsdienstag – warum ich mir gerade diese Dienste eingetragen hab weiß ich selber nicht.

Heute bin ich mal wieder auf meiner Gastdienststelle in der Stadt. Ich rechne wie schon am Samstag mit Alk-Intox und Schlägerei und Sturz. Mal schauen, was uns heute wirklich alles erwartet.

Los geht es schon relativ spät mit einem Busfahrer, der starke Halsschmerzen und dadurch auch Schmerzen in den Ohren und im Kopf hat. Es wäre laut seiner eigenen Aussage nicht schlimm genug fürs Krankenhaus, aber es ist mitten in der Nacht und er muss morgen früh wieder mit einem vollbesetzten Reisebus nach Hause fahren – und das ist eine sehr weite Strecke.

Wir verstehen das und bringen ihn deswegen ins Krankenhaus, damit er sich dort schnell eine Diagnose und Medikamente für die Fahrt holen kann, falls es wirklich „nichts“ ist. Eine andere Möglichkeit hätte er eh nicht – zu Fuß wäre es zu weit und mit dem Reisebus ins Krankenhaus? Dann lieber der RTW.

Gleich vom Krankenhaus weg dann ein Heimtransport, weil‘s sowieso am Weg liegt und wir halt zufällig auch grad neben der Patientin im Warteraum stehen.

Ab „nach Hause“ auf die Dienststelle. Bis jetzt haben weder wir noch der andere RTW einen der erwarteten Einsätze gehabt.

Es wird Zeit schlafen zu gehen, ich überzieh wieder mal mein Bettchen, schau noch ein bisschen übers Smartphone bei meiner Lieblingsserie weiter – da geht der Pager schon wieder. Eine Kleinigkeit, innerhalb einer halben Stunde sind wir wieder zurück und freuen uns aufs Bett. In der Garage fehlt aber der andere RTW, wir sind ein bisschen demotiviert, sind wir doch schon wieder die nächsten die dran sind. Wird also vermutlich nichts mit lange schlafen jetzt.

Nachdem wir den Einsatzbericht fertig geschrieben haben legen wir uns wieder ins Bett, mitten unterm Tratschen schlaf ich ein. Aber wie gesagt – wir werden wohl nicht lange schlafen können. Stimmt auch so. Es soll mit NAW zu einem vermutlichen Schlaganfall gehen, bei einer 37jährigen. Der Text ist schon mal ein bisschen wirr, es deutet nicht alles auf einen Schlaganfall hin, bei einer so jungen Dame ist das auch eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Als wir bei der Wohnung ankommen, liegt die Frau in der Küche am Boden und schreit und heult, um sie herum laufen ständig zwei Männer und machen sie noch panischer, als sie sowieso schon ist. Alles ist in dem Moment Chaos pur in unseren Augen.

Sie habe so starke Schmerzen und könne ihre rechte Seite nicht mehr bewegen. Volles Programm: Sauerstoff, Temperatur, EKG, Blutdruck, Pupillen, alles wird angeschaut. Parallel dazu wird die Patientin genau untersucht – was tut weh, wo und wie stark, strahlt es aus, ist die rechte Körperhälfte auch unempfindlich oder nur eingeschränkt in der Bewegung…

Herausgefunden haben wir gemeinsam mit dem Notarzt dann nicht wirklich etwas, das für uns Sinn ergeben würde: Sie ist nicht gestürzt, es hat einfach so angefangen am früheren Abend. Vor allem die starken Schmerzen, dann kam die Bewegungsunfähigkeit dazu. Wir finden keinen neurologischen Grund (ok, präklinisch etwas schwierig Genaueres herauszufinden, aber was wir finden könnten finden wir nicht) und auch keine offensichtlichen Verletzungen oder ähnliches, das die Schmerzen rechtfertigen könnte. Wir wissen nur, dass sie Schmerzen hat, wo diese sind und dass sie etwas aufgeregt ist und sich dadurch die Atemstörungen ergeben – sie ist teilweise kurz vor der Hyperventialtion. Wenn man die Dame zu ruhigem Atmen anregt, mit ihr atmet und sie auch psychisch betreut, werden sowohl Atmung als auch Schmerzen besser. Tja, immer noch keine genauere Diagnose möglich, wir bleiben also bei „Verdacht auf nicht traumatische Rückenschmerzen“ und fahren so ins Krankenhaus.

Am Rückweg läutet das Fahrzeugtelefon. Dran ist aber (Gott sei Dank) nicht der Dispo, sondern unsere CallTakerin der Leitstelle. Wir kennen uns persönlich und sie will wissen, was denn da jetzt los war bei dem Einsatz. Sie hat den Anruf entgegengenommen und schon da war alles sehr wirr und hysterisch, sie dachte sogar daran, die Polizei dazuzubestellen, weil absolut nicht klar war, was da denn jetzt los ist in der Wohnung, dauernd macht irgendjemand Panik und es war in dem Chaos nicht auszuschließen, dass jemand vielleicht sogar zugeschlagen hat. Ja, den Eindruck kann ich ihr bestätigen. War zwar kein Fall für die Polizei, aber wirr war es allemal. Auch wegen den Angehörigen.

Wir wünschen uns noch eine ruhige und angenehme Nacht – sie muss ja wach bleiben, wir dürfen uns jetzt aber wieder ins Bettchen legen. Und dieses Mal bleibt der Pager ruhig, ich kann durchschlafen bis 8:30 Uhr. So schön….

Im Endeffekt war auch in diesem Faschingsdienst wieder nichts „typisches“ dabei, so wie Samstag auch schon. Keine Schlägereien, keine Unfälle, keine Alkoholvergiftungen. Freut uns alle, sowas brauchen wir – auch wenn Fasching ist – sowieso nicht unbedingt.

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2 Gedanken zu „Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht

  1. Pingback: Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht | rettungsmaedchen

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