Ääähm… #2

Ausschlag – keine Notfallleitsymptome erkennbar

So sieht die Meldung am Pager aus, die wir um halb 4 Uhr früh bekommen – und das in einer Horrornacht.
Horrornacht? Ja klar, wir waren heute schon bei verstauchten Knöcheln und betrunkenen 15-Jährigen und Heimtransporten. Wir haben bis jetzt nur 5 Minuten Schlaf bekommen. Und dann das… >.<

Jetzt kann es alles sein – eine Allergie, eine Krankheit – oder auch nichts. Wir erwarten mal alles und fahren einsatzmäßig zur Patientin.

Meinen Kollegen schicke ich gleich wieder zur Tür raus, der Patientin geht es auf den ersten Blick schon mal nicht allzu schlecht, aber sie sitzt komplett nackt vor mir und der Ausschlag zieht sich über den Schambereich. Es ist eine stille Abmachung: immer wenn eine Frau am RTW mitfährt und einer nackten PatientIN geht es so gut, dass sie jetzt nicht akut die Hilfe von uns beiden braucht, dann darf die Frau das mal übernehmen. Hier geht es einfach um das Schamgefühl der Patientin. Im akuten Notfall, wenn beide Sanitäter unbedingt sofort gebraucht werden, na dann gehen ja auch beide zu ihr hin.

Also in dem Fall mal ich zur Patientin und der Kollege raus vor die Tür. Die Patientin ist stabil, sie hat keine Allergien, wurde von keinem Tier gestochen, die Salbe die sie aufträgt hat sie schon jahrelang. Aber der Ausschlag zieht sich doch von den Füßen bis zum Nabel hoch, knallrot, ohne Hitze ohne Schwellung. Die Patientin gibt mir gegenüber auch an, dass sie keine Schmerzen hat und es nicht juckt, der Ausschlag ist aber schon seit 4 Tagen da und hat sich immer weiter ausgebreitet.
Alle Werte der Patientin sind in Ordnung, ich lasse der Dame untenrum etwas anziehen und gehe zu meinem Kollegen vor die Tür.

Nochmal von vorne:
– Die Patientin hat seit 4 Tagen nicht juckenden/nicht brennenden/nicht schmerzenden Ausschlag.
– Seit 4 Tagen breitet sich der Ausschlag aus, von den Füßen beginnend bis jetzt aktuell zum Bauchnabel.
– Alle Werte der Patientin sind vollkommen im Normbereich.
– Sie hat keine Beschwerden!
– ES IST HALB 4 UHR NACHTS!!!
—>>> Ääähm… Nr. 1 dieser Nacht

Da ich aktuell kein Problem bei der Patientin erkennen kann, rate ich ihr, doch am Vormittag gleich den Ärztenotdienst anzurufen (Sonntag, kein Hausarzt regulär erreichbar, einer davon hat aber immer Notdienst am Wochenende), ich suche ihr sogar aus dem Internet heraus, welcher Arzt das denn jetzt wäre.
Nein. Sie will mitfahren. Sie will das sofort klären. Im Krankenhaus.
Ich erkläre ihr nochmals, dass sie akut jetzt nicht gefährdet ist und sie vom Krankenhaus wahrscheinlich mit einem Rezept für eine Salbe gleich wieder heim geschickt werden wird. Nein. Sie will mitfahren.

Nun gut. In dem Fall können wir nichts machen. Eingepackt und ab geht’s.
Nachdem dies kein akuter Notfall ist, fahren wir nicht in die Klinik mit Maximalversorgung, die hätte nämlich auch eine Dermatologie, die aber nachts und an Wochenenden sowieso nur Notambulanz für richtige Notfälle ist. Wir fahren also bei uns ins nähere Krankenhaus und lassen den Ausschlag in der Aufnahme kurz anschauen.
Dort ist bei der Krankenschwester noch alles ok, es tut ihr nichts weh als der Ausschlag abgetastet wird. Dann kommt der Arzt und das Theater geht los: Berührung am Bein –> Geschrei. Es geht ein paar Minuten so weiter, die Krankenschwester und wir müssen uns ehrlich gesagt das Lachen verkneifen.
—>>> Ääähm… Nr. 2 dieser Nacht

Nach kurzer Besprechung von Arzt und Schwester kommt sie dann auf uns zu und teilt uns mit, dass der Arzt das gerne noch auf der Dermatologie begutachten lassen würde, und zwar sofort. Bedeutet für uns eine Überstellung ins nächste größere Krankenhaus. Die Schwester kann es selbst nicht ganz fassen, hat sie doch selbst gesehen und dem Arzt erzählt, dass vorher keine Schmerzen da waren. Sie hat dem Arzt auch zu „heimschicken und Hausarzt abwarten“ geraten.
—>>> Ääähm… Nr. 3 dieser Nacht

Im anderen Klinikum angekommen, werden wir müde belächelt vom Personal der Dermatologie, der Arzt schaut uns grimmig an. Die Aufnahmeschwester sagt uns, wir brauchen nicht auf die Patientin warten, das hier wird dauern, die Dame wird vermutlich den ganzen Tag im Krankenhaus bleiben müssen.
YEAH! Ab nach Hause und ENDLICH ins Bett!
Gut, ab nach Hause, Bett überziehen ist scheiße, Couch tut’s auch. Ich bin grad so schön eingeschlafen, da läutet der Pager wieder! Und was ist es? Jaaaaa! Wir müssen die Dame von eben von der Derma nach Hause bringen! >.<
(Mal eben beim Dispo nachfragen, ob in der Gegend nicht irgendein KTW frei wäre. Ja, wäre, kann aber nicht umgebucht werden weil das ein KTW einer anderen Organisation und blablabla….)
Am Klinikum angekommen frage ich nochmal nach, es hat doch geheißen die Dame muss wahrscheinlich den ganzen Tag da bleiben… Nein, ist doch nichts schlimmes, sie darf heim, hier sind außerdem keine Betten frei…
—>>> Ääähm… Nr. 3 dieser Nacht

Sowas brauch ich echt nicht mehr.
Hier gab es echt so viele unnötige Kilometer, unnötige Meldungen, unnötige und schlechte Schauspielereien der Patientin bei diesem „Einsatz“, für mich war das einfach bloß eine wirklich unnötige Blockade eines Einsatzmittels. Aber ja, man kann es sich manchmal echt nicht aussuchen………

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Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht

(Fortsetzung zu Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag und Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht.)

Und schon wieder ein Faschingsdienst. Gott sei Dank ist die Zeit jetzt bald vorbei.

Ich hatte ja am Samstag schon 24h Dienst und jetzt nochmal 12h am Faschingsdienstag – warum ich mir gerade diese Dienste eingetragen hab weiß ich selber nicht.

Heute bin ich mal wieder auf meiner Gastdienststelle in der Stadt. Ich rechne wie schon am Samstag mit Alk-Intox und Schlägerei und Sturz. Mal schauen, was uns heute wirklich alles erwartet.

Los geht es schon relativ spät mit einem Busfahrer, der starke Halsschmerzen und dadurch auch Schmerzen in den Ohren und im Kopf hat. Es wäre laut seiner eigenen Aussage nicht schlimm genug fürs Krankenhaus, aber es ist mitten in der Nacht und er muss morgen früh wieder mit einem vollbesetzten Reisebus nach Hause fahren – und das ist eine sehr weite Strecke.

Wir verstehen das und bringen ihn deswegen ins Krankenhaus, damit er sich dort schnell eine Diagnose und Medikamente für die Fahrt holen kann, falls es wirklich „nichts“ ist. Eine andere Möglichkeit hätte er eh nicht – zu Fuß wäre es zu weit und mit dem Reisebus ins Krankenhaus? Dann lieber der RTW.

Gleich vom Krankenhaus weg dann ein Heimtransport, weil‘s sowieso am Weg liegt und wir halt zufällig auch grad neben der Patientin im Warteraum stehen.

Ab „nach Hause“ auf die Dienststelle. Bis jetzt haben weder wir noch der andere RTW einen der erwarteten Einsätze gehabt.

Es wird Zeit schlafen zu gehen, ich überzieh wieder mal mein Bettchen, schau noch ein bisschen übers Smartphone bei meiner Lieblingsserie weiter – da geht der Pager schon wieder. Eine Kleinigkeit, innerhalb einer halben Stunde sind wir wieder zurück und freuen uns aufs Bett. In der Garage fehlt aber der andere RTW, wir sind ein bisschen demotiviert, sind wir doch schon wieder die nächsten die dran sind. Wird also vermutlich nichts mit lange schlafen jetzt.

Nachdem wir den Einsatzbericht fertig geschrieben haben legen wir uns wieder ins Bett, mitten unterm Tratschen schlaf ich ein. Aber wie gesagt – wir werden wohl nicht lange schlafen können. Stimmt auch so. Es soll mit NAW zu einem vermutlichen Schlaganfall gehen, bei einer 37jährigen. Der Text ist schon mal ein bisschen wirr, es deutet nicht alles auf einen Schlaganfall hin, bei einer so jungen Dame ist das auch eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Als wir bei der Wohnung ankommen, liegt die Frau in der Küche am Boden und schreit und heult, um sie herum laufen ständig zwei Männer und machen sie noch panischer, als sie sowieso schon ist. Alles ist in dem Moment Chaos pur in unseren Augen.

Sie habe so starke Schmerzen und könne ihre rechte Seite nicht mehr bewegen. Volles Programm: Sauerstoff, Temperatur, EKG, Blutdruck, Pupillen, alles wird angeschaut. Parallel dazu wird die Patientin genau untersucht – was tut weh, wo und wie stark, strahlt es aus, ist die rechte Körperhälfte auch unempfindlich oder nur eingeschränkt in der Bewegung…

Herausgefunden haben wir gemeinsam mit dem Notarzt dann nicht wirklich etwas, das für uns Sinn ergeben würde: Sie ist nicht gestürzt, es hat einfach so angefangen am früheren Abend. Vor allem die starken Schmerzen, dann kam die Bewegungsunfähigkeit dazu. Wir finden keinen neurologischen Grund (ok, präklinisch etwas schwierig Genaueres herauszufinden, aber was wir finden könnten finden wir nicht) und auch keine offensichtlichen Verletzungen oder ähnliches, das die Schmerzen rechtfertigen könnte. Wir wissen nur, dass sie Schmerzen hat, wo diese sind und dass sie etwas aufgeregt ist und sich dadurch die Atemstörungen ergeben – sie ist teilweise kurz vor der Hyperventialtion. Wenn man die Dame zu ruhigem Atmen anregt, mit ihr atmet und sie auch psychisch betreut, werden sowohl Atmung als auch Schmerzen besser. Tja, immer noch keine genauere Diagnose möglich, wir bleiben also bei „Verdacht auf nicht traumatische Rückenschmerzen“ und fahren so ins Krankenhaus.

Am Rückweg läutet das Fahrzeugtelefon. Dran ist aber (Gott sei Dank) nicht der Dispo, sondern unsere CallTakerin der Leitstelle. Wir kennen uns persönlich und sie will wissen, was denn da jetzt los war bei dem Einsatz. Sie hat den Anruf entgegengenommen und schon da war alles sehr wirr und hysterisch, sie dachte sogar daran, die Polizei dazuzubestellen, weil absolut nicht klar war, was da denn jetzt los ist in der Wohnung, dauernd macht irgendjemand Panik und es war in dem Chaos nicht auszuschließen, dass jemand vielleicht sogar zugeschlagen hat. Ja, den Eindruck kann ich ihr bestätigen. War zwar kein Fall für die Polizei, aber wirr war es allemal. Auch wegen den Angehörigen.

Wir wünschen uns noch eine ruhige und angenehme Nacht – sie muss ja wach bleiben, wir dürfen uns jetzt aber wieder ins Bettchen legen. Und dieses Mal bleibt der Pager ruhig, ich kann durchschlafen bis 8:30 Uhr. So schön….

Im Endeffekt war auch in diesem Faschingsdienst wieder nichts „typisches“ dabei, so wie Samstag auch schon. Keine Schlägereien, keine Unfälle, keine Alkoholvergiftungen. Freut uns alle, sowas brauchen wir – auch wenn Fasching ist – sowieso nicht unbedingt.

Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht

(Forsetzung zu Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag)

Schon bei unserem Einsatz am Vormittag hatten wir diverse Grillereien und vor allem Saufereien gesehen, wir erwarten also für die Nacht eher Alk-Intox (Alkoholvergiftung), Stürze und Schlägereien.

Was wirklich geschieht:

Kurz vor 18 Uhr werden wir alarmiert in die Ordination eines uns bekannten Arztes – ein 3-Jähriger sollte mit Atembeschwerden und Verdacht auf Bronchitis auf die Kinderabteilung gebracht werden. Also: auf zum Berufungsort und danach 50km zum nächsten Krankenhaus mit Kinderabteilung düsen. Der Kleine ist recht unruhig, will nicht auf unserer Trage liegen und wirft sogar unseren Tröster-Teddy durch den ganzen RTW. Ein Wunder, dass mein Kollege jetzt nicht taub ist – trotz Atembeschwerden kann der kleine Herr noch ganz schön laut schreien. Ist also doch nicht so schlimm, wer schreit bekommt genug Luft.

Auf der Kinderstation geht die Anmeldung und Übergabe ganz rasch, wir können uns schnell auf ein Zigarettchen nach draußen stellen bevor wir den Heimweg antreten.

In der Zwischenzeit schauen wir, was denn die anderen so treiben.

Am Funk haben wir nämlich mitbekommen, dass sich der Supervisor in den Abend eingeklinkt hat und den Disponenten unterstützt. Unser NAW war ohne Unterbrechung auf drei aufeinanderfolgenden Einsätzen. Aber nicht nur bei uns, auch im Nachbarbezirk und auch ein bisschen weiter weg, aber im selben Leitstellengebiet, war die Hölle los.

Als wir jetzt schauen, was sich noch alles tut „daheim“, ist eigentlich wieder alles komplett ruhig. NAW steht zu Hause. Zweiter RTW hat mit ziemlicher Verspätung die Mannschaft gewechselt und ist auch wieder einsatzbereit. Mein Kollege ist heute Chef der Nacht und sollte so auch immer den Überblick haben, wer wo was macht gerade. Er seufzt einmal tief und zündet sich noch eine Zigarette an, nach diesem ganzen Chaos heute ist er jetzt erstmal erleichtet und schaut zufrieden aus.

Wir drehen wieder um, es ist mittlerweile 20 Uhr, und treten also den Heimweg an. Nach schon nur 5 km bekommt mein Kollege aber die „Vorwarnung“ der Leitstelle: Das ist eine Info, dass gerade etwas im Gange ist. In dem Fall war ein großer Feuerwehr-Einsatz – wir müssen uns also bereithalten, das wird eventuell eine Beistellung(*). Ich war mal bei der Feuerwehr, der Herr Kollege ist es immer noch, also wissen wir was da gerade abgeht. Er ruft also die Leitstelle an und holt sich Infos, ich schaue mal nach, wie viele Feuerwehren dort sind. Bei der Leitstelle ist gerade nochmal Stoßzeit, aber wir bekommen die Info, dass Atemschutzträger reingehen werden aber keine Bewohner verletzt sind. Bei so vielen Feuerwehren ist es dann üblich, dass ein RTW dabeisteht falls denen etwas passiert. Also Blaulicht wieder an und Vollgas zurück aufs Land – es fahren deshalb wir, die den weiteren Anfahrtsweg haben, weil wir beide bei der Feuerwehr sind/waren und dies außerdem eine Aufgabe für den Chef des Dienstes ist. Nach einigen Minuten Fahrt, als wir uns sicher sind, dass die Feuerwehr vor Ort ist und schon einen Überblick hat, funkt mein Kollege dann die Feuerwehr an und verlangt eine Lagemeldung, nach kurzer Zeit mein der FF-Einsatzleiter dann auch, dass wir nicht gebraucht werden, keine Atemschutzträger im Einsatz – Storno für uns. Also heim und endlich ausruhen.

Aber leider nur kurz – eine weitere Überstellung in ein Krankenhaus mit HNO-Abteilung wird gefordert. Aber schnell, mit Blaulicht. Schön langsam wird es anstrengend.

Wir erwarten allerdings immer noch die Alk-Intox und Verletzungen durch Stürze und Schläge. Es passiert aber Gott sei Dank nichts mehr diese Nacht. Gar nichts. Also war’s wohl wirklich nur ein zweistündiger Ausnahmezustand am frühen Abend.

Mal sehen, wie dann der Dienst am Faschingdienstag wird… 😉
(Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht)

(*) Beistellung: Wir bei größeren Einsätzen der Feuerwehr benötigt. Dabei steht (je nach Einsatzart und Größe) ein oder mehrere Rettungsmittel bereit, falls den Einsatzkräften der Feuerwehr etwas passieren sollte.
Beispiel: Gebäudebrand einer Wohnhausanlage -> keine Verletzten Bewohner, Haus steht in Vollbrand. Hier müssen mehrere Feuerwehrtrupps mit Atemschutz reingehen. Das kann mitunter ganz schön gefährlich werden, ganz klar in einem brennenden Gebäude. Außerdem ist es wahnsinnig anstrengend für die Atemschutztrupps, sie müssen schwere Ausrüstung tragen, vielleicht Personen aus den Trümmern retten, unter minimalster Sicht bei größtmöglicher Hitze. Das kann auch zu Erschöpfung führen und dann ist es immer gut, den RTW gleich daneben stehen zu haben. 

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 6 & 7

Sooo, ich fasse hier jetzt mal 2 Wochen zusammen.

Woche 6 hatte ich nämlich „nur“ 2x vier Stunden Abendkurs – beide Male Anatomie. Wir sind jetzt mit dem Thema so ziemlich durch, ein bisschen was muss im Selbststudium erledigt werden und dann kommen nochmal zwei Stunden zur Überprüfung des Wissens.
Mir kam das irgendwie so wenig vor, obwohl ich jetzt glaube ich 20 Zetteln in kleinster Handschrift vollgeschrieben nur zu dem Thema Anatomie habe. Und natürlich zusätzlich noch das Buch.
Aber ich kann euch auch gerade nicht mal sagen, was wir jetzt alles genau gelernt haben – es war einfach so viel!

Woche 7 waren ebenfalls nur zwei Termine. Allerdings Samstag und Sonntag, jeweils 8 Stunden.
Samstag kam endlich das Thema, auf das ich mich schon so gefreut habe – Pharmakologie! War wahnsinnig spannend, aber am Ende des Tages war ich dann auch schon so richtig müde.
Ich hab noch nie an einem Kurstag so viele Sachen mitgeschrieben. Außerdem bekommen wir die Präsentation zur Verfügung gestellt. Find ich toll! Das werd ich mir definitv nochmal genauer anschauen, es gibt hier so viele Wirkstoffe, die die interessantesten Wirkungen auf den Organismus zeigen! Und außerdem gibt es mit jedem Wirkstoff so viele Handelsnamen der Medikamente, die muss ich sowieso noch lernen… Das wird wohl das komplizierteste…

Sonntag war dann der erste Tag „Spezielle Notfälle“. Kardiale, Pulmonale, Cerebrale und Neurologische Notfälle wurde hier besprochen. Pulmonale Notfälle haben wir in Kleingruppen zu je vier Leuten ausgearbeitet und dann vorgetragen. War ganz spannend, wie unterschiedlich hier die Präsentationsformen waren!
Eine Gruppe hatte das Thema „Asthma Bronchiale“ ausgearbeitet. Dafür haben sie uns als erstes ein Video gezeigt, was das denn genau im Körper macht, das Asthma. Währenddessen ist ein Kollege der Gruppe mehrmals in den dritten Stock und wieder runter gelaufen. Der sollte dann einen „Asthmaanfall“ simulieren und wurde dann auch Notfallmäßig versorgt. Das war mal eine nette Präsentation! 😉

 

Tja, und ab jetzt geht’s dann weiter mit den Speziellen Notfällen, das ist wieder ein schön großes Thema, da werden wir jetzt lange dran beschäftigt sein. =)

Faschingszeit – Schicht 1, Samstag Tag

 

Unsere Leitstelle ist zentral für jeweils einen Teil des Bundeslandes zuständig. Ist eine eigene Firma, hat also nichts mit den jeweiligen Rettungsdienstorganisationen zu tun.
Dort gibt es bei uns die Calltaker – die nehmen die Anrufe entgegen. In weiterer Folge wird der durch den Calltaker generierte Einsatz an den Disponenten weitergegeben, der dann die jeweils erforderlichen Rettungsmittel alarmiert. Sollte etwas Gröberes passieren – Großunfälle oder wenn gerade aufgrund einer sehr hohen Einsatzdichte der Hut brennt – mischt in der Geschichte auch noch der Supervisor mit. Das ist sozusagen der Chef der Schicht und übernimmt dann die größeren Einsätze.

Das Vergnügen mit dem Supervisor hatte ich vor Kurzen das erste Mal in meiner bis jetzt zweieinhalbjährigen RD-Laufbahn.

Es ist der Samstag vor Fasching, wir sind untertags und auf der Dienststelle vom Personal her ideal besetzt – alle geplanten Fahrten können schön abgewickelt werden und für Notfälle ist auch immer jemand frei. Ich habe 24h RTW-Dienst vor mit. Samstag früh bis Sonntag früh.

Es geht vormittags los, wir (RTW mit Azubi, ich als Fahrer) stehen gerade im Supermarkt und wollen fürs Mittagessen einkaufen. Gerade vor dem wichtigen Regal läutet unser Pager – Notfall, Beklemmungsgefühl bei 86-Jähriger, Anforderung durch den Hausarzt. Also ab ins Auto, wir haben noch eine doch relativ lange Anfahrt vor uns. Blöderweise geht unser Auto auf halber Strecke kaputt – wir können nur noch mit höchstens 70km/h durch die Gegend zuckeln. Leitstelle angefunkt, „wir fahren zu, aber bitte schickt uns ein anderes Fahrzeug zum Transport“. Wird gemacht!

Nach fast endloser Zeit kommen wir endlich bei der Patientin an. Ihr geht es augenscheinlich nicht gut, vital bedroht scheint sie uns aber momentan auch nicht zu sein. Ich kümmere mich mal mit dem Azubi um die Vitalwerte und rede nebenbei mit der Patientin, was denn genau passiert ist und seit wann dieses Gefühl besteht. Der Kollege trägt in der Zwischenzeit Befunde und Medikamentenlisten zusammen.

Nachdem wir die vorliegenden Befunde und die Werte verglichen und abgesprochen haben, einigen wir uns auf eine Verdachtsdiagnose – nichts tragisches, müssen vermutlich nur ein paar Medikamente neu eingestellt werden.

Als die Kollegen mit dem anderen Fahrzeug kommen, erklären wir den beiden Mädels von dem RTW kurz was es mit der Patientin auf sich hat, geben ihnen unser Datenblatt mit und lachen gemeinsam noch kurz über das Missgeschick mit unserem Fahrzeug. Dann „düsen“ wir wieder mit heißen 70km/h auf der Freilandstraße nach Hause. Das Fahrzeug wird dann recht bald abgeholt von den Mechanikern, wir steigen um auf den Ersatz-RTW.

Wir schaffen es jetzt aber endlich fertig einzukaufen (unser Einkaufswagen steht noch genau dort wo wir ihn verlassen hatten) und dann sogar zu kochen. Nur beim Essen werden wir dann unterbrochen – typisch. Überstellung von unserem „Stammkrankenhaus“ in ein größeres.

Die Röntgenbilder des Patienten schauen nicht gut aus, laut Arztbrief hat er eine Tibiakopf-Fraktur (Schienbeinköpfchen gebrochen). Sowas ist angeblich ziemlich schmerzhaft.

Nach dem Transport, der ja nur eine Verlegung und damit schnell erledigt ist, dürfen wir sogar fertig essen. Endlich!

Ein Teil der Mannschaft wechselt jetzt. Es ist der Wechsel von der Tag- zur Nachtschicht. Ich bleib aber hier, meinen Azubi nehm ich mit auf ein anderes Fahrzeug. Warten wir mal ab, was der Fasching noch so alles bringen wird heute Nacht…

(Fortsetzung bei Faschingszeit – Schicht 2, Samstag Nacht und Faschingszeit – Schicht 3, Dienstag Nacht)

Glatt gelaufen…

Hier kommt jetzt mal wieder ein Einsatzbericht, der schon etwas länger her ist. Nachdem ich bis Samstag Kurs-Pause habe, bleibt mir ein bisschen Zeit, vergangenes niederzuschreiben. 

Alarmierung:
Sturz, Fußverletzung

Wir sehen im Rettungsdienst ja so einiges. Manche Bilder davon vergisst man nicht so schnell wieder. Das können die Erinnerungen an einen schrecklichen Einsatz, eine grausame Verletzung oder auch an die schönen Momente sein.
Das erste meiner Bilder gehört wohl zu der zweiten Kategorie.

Ich habe Dienst auf meiner Gastdienststelle. Es ist Samstag und mein erster Tagdienst hier, normalerweise mache ich ja nur Nacht. Dass ich heute 12 Fahrten in 12 Stunden bekommen werde ahne ich jetzt noch nicht.
Ich fahre eigentlich mit einem befreundeten Pärchen, er allerdings steigt erst im Laufe des Vormittags in den Dienst ein und so verbringen wir die ersten zwei Stunden als Mädels-RTW zu zweit.

Einer unserer ersten Einsätze an diesem Tag führt uns in ein Altenheim. Sturz, Verletzung am Knöchel. Wie wir ja alle wissen sind bei vielen älteren Menschen die Knochen brüchiger, aber sowas…

Wir beiden Mädels spazieren also ins Heim, wir haben mal nur das nötigste mit, die Alarmierung sagte uns nämlich eigentlich nur „Einpacken und Fahren“.
Von einer Pflegerin werden wir zur Patientin geführt, diese sitzt in einem Rollstuhl. Eine andere Pflegekraft holt gerade das zweite Coolpack um die Verletzung zu kühlen.

Meine Kollegin bereitet mal unser Material vor, ich sehe mir also mal das Beinchen an: vorsichtig die Hose mal ein bisschen raufschieben – „Ääähmm… Komm mal bitte her! Ich brauch dich hier!“

Nachdem die Dame im Rollstuhl die Fußstützen nicht erreicht und den Fuß so nicht abstellen kann, sehe ich da den Fuß einfach so herumbaumeln. Ja wirklich! Ich greife schnell drunter und stütze ihn von unten während meine Fahrerin zu mir gelaufen kommt und sich das anschaut. So etwas haben wir beide noch nicht gesehen. Kurz oberhalb des Knöchels ist einfach alles einmal glatt durchgebrochen im Bein. Der Fuß hängt nur noch an Haut und Muskeln dran.

Die Patientin hat absolut keine Schmerzen, mit unserer Schiene und ein paar zusammengerollten Tüchern lässt sich das ganze gut fixieren. Also beschließen wir, ohne Notarzt und so sanft wie möglich ins Krankenhaus zu fahren, wo der Fuß nach dem Auspacken aus der Schiene gleich von mehreren Ärzten und Pflegern genauso fasziniert angeschaut wird wie von uns vorher. Sowas sieht man auch im Röntgenraum nicht jeden Tag…

…irgendwo im Nirgendwo

Es ist einer meiner ersten Dienste am NAW, ich besuche ja gerade den Notfallsanitäter-Kurs. Bei uns ist nicht wirklich viel zu tun, es gibt wenige Einsätze, und so setze ich mich nach dem Fahrzeug-Check erstmal hin und trinke Kaffee.
Der Check dauert etwas, beim Kaffee lasse ich mir auch Zeit, deshalb ist es schon ungefähr 9 Uhr als das erste Mal der Pager geht.

Ich lese zuerst gar nicht was da alles in der Alarmierung steht, ich sammle meine Sachen ein und gehe zum Auto. Noch kurz warten bis der Notarzt aus der Ambulanz da ist und dann geht es auch schon los. Wir haben nur einen kurzen Anfahrtsweg, ich habe also nicht viel Zeit mich vorzubereiten. Ich höre auf der Anfahrt nur, wie der Fahrer und mein Sani vorne über die Alarmierung reden. „Das ist aber auch noch kein Alter zum Sterben.“
Kreislaufstillstand – Ineffektive Atmung
Ah, das steht also in der Alarmierung. Fffffff…. Noch schnell die Handschuhe überziehen (ich ziehe mir immer gern 2 Paar übereinander an wenn es so aussieht, als ob wir mehr arbeiten müssten – man weiß ja nie wann der Handschuh reißt oder wieviel Blut dran kleben wird) und dann sind wir auch schon da.

Der RTW erwartet uns schon – allerdings mit einem putzmunteren Patienten, der „nur“ über Brust- und Kopfschmerzen klagt. Die Blutdruckmessung sagt uns nichts Gutes, das lässt sich aber mit einem Medikament recht schnell auf ein normales Level senken. Das EKG schaut gut aus, auch die Betreuung tut dem Patienten gut, sein Zustand bessert sich recht rasch. Wir nehmen ihn mit, übergeben ihn im Krankenhaus – alles in allem ein Routineeinsatz, bei dem der Zeitdruck nicht so groß war wie bei anderen.

Zeitdruck… Tja… Was das ist erlebe ich mal wieder am Nachmittag.
Nach dem ersten Einsatz gönn ich mir jetzt endlich mal mein Frühstück. Es ist fast ein bisschen zu ruhig – die Hauptberuflichen werden nicht mal vom Telefon gestört, der Arzt schläft in seinem Ruheraum, ich schlafe beim Fernseher ein.
Das hab ich jetzt davon: Der Pager piept wieder!

Kreislaufstillstand – Atemstillstand
Naja, wunderschönen Guten Morgen (oder eher schon Nachmittag, ich hab anscheinend lange geschlafen).
Der Anfahrtsweg zu diesem Einsatzort ist relativ lange, wir müssen ins andere Tal. Meine Ausbildnerin ruft mir vom Beifahrersitz aus zu, ich solle die RTW-Mannschaft gleich bei der Herzdruckmassage ablösen, sie und der Fahrer kümmern sich um Material und Notarztassistenz.

Erst als ich am Einsatzort aus dem Wagen steige bemerke ich, dass wir mitten auf einem Feld stehen. Wir sind von der Straße weg mit unserem doch recht geländegängigem und mit Allradantrieb ausgestatteten NAW einfach über die Halbe Wiese zum Patienten gefahren. Gut, brauchen wir das schwere Zeug nicht so weit schleppen.

Ich löse also gleich mal die Sanitäterin ab, die die Herzdruckmassage durchführt. Dann kann auch ich mir einen genaueren Überblick verschaffen:
– Der Defi ist geklebt, es wurden bereits einige Schocks abgegeben.
– Der dazugerufene Praktiker ist schon eine Weile da, hat mit einem Larynxtubus mit Magensonde inturbiert und bereits einiges für den Notarzt vorbeireitet.
– Die Polizei steht mit den Angehörigen außerhalb der Sichtweite hinter unserem Wagen.
– Meine Kollegin beginnt, an die drei Sanis vom RTW die Aufgaben zu verteilen (Infusion zusammenbauen, Medikamente aufziehen, EKG kleben, …).
– Unser Fahrer holt das Reanimationsgerät (LUCAS II).
– Der Notarzt bespricht sich mit dem Praktiker – einer übernimmt daraufhin die Beatmung, einer die Medikamente.

Die nächste Analyse des AED steht an. Meine Kollegin löst mich ab und ich arrangiere die Reanimationsmaschine. Sobald diese läuft, braucht von uns niemand mehr die Herzdruckmassage machen, das erledigt jetzt die Maschine.
Während die RTW-Mannschaft und die Ärzte noch weiter arbeiten, holen wir anderen schon mal alles, was wir für einen Transport brauchen: Trage, Schaufeltrage, Beatmungsgerät. Der Patient wird umgelagert, die Maschine an seiner Brust kann in der Zwischenzeit weiterarbeiten.

Warum transportieren wir diesen Patienten? 
Er hat wieder einen Herzrhythmus, allerdings eine PEA (pulslose elektrische Aktivität). Das Herz gibt also die nötigen elektrischen Reize ab, die Herzmuskeln sollten sich also wie üblich zusammenziehen und Blut pumpen. Das tun sie aber nicht. Und deswegen wird der Patient unter laufender Reanimation ins Krankenhaus gebracht. 

Vor der Abfahrt gibt es auch im Auto noch einiges zu erledigen:
– Meine Ausbildnerin und der Arzt kontrollieren den LUCAS, die Beatmungsmaschine, Infusion etc.
– Mein Fahrer packt unsere Sachen vom Feld ein und verstaut sie soweit möglich gleich wieder in den Fächern.
– Ich ziehe die Medikamente auf, die wir während der Fahrt noch brauchen werden.

Alles in allem vergeht die Zeit während einer Reanimation schneller als man glaubt. Wenn ich jetzt so zurück denke, könnte ich euch nicht genau sagen, wie lange wir vor Ort waren. Ich würde aber rein vom Gefühl her sagen, dass es ca. 20-25 Minuten waren, in denen das Auto gestanden ist. Wenn man sich aber genau anschaut, was genau wir alles gemacht haben, dann kann das gar nicht stimmen. Wir sind vielleicht Helden, aber keine Zauberer. Wir waren fast eine dreiviertel Stunde vor Ort. 

Während der Fahrt melden wir uns telefonisch im Zielkrankenhaus an, so wird uns direkt bei Eintreffen am Eingang ein Team bereitgestellt, dass uns in einen für uns reservierten Akutraum begleitet.

Erst jetzt, wo wir fahren, der Patient alle Medikamente bekommen hat und die Reanimations- und Beatmungsmaschine arbeiten, kann ich mich kurz hinsetzen und bemerke, dass meine Augen tränen und die Nase läuft. Verdammt – die Allergie! Klar, sitz mit Gräserallergie auch irgendwo im nirgendwo im frisch gemähten Gras. Tabletten raus und schnell eine genommen, gleich wird’s mir besser gehen…

Die Übergabe im Krankenhaus macht der Notarzt an den zuständigen Arzt der Notaufnahme.
Der Patient wird umgelagert, an die Geräte der Notaufnahme angeschlossen und wir können Auto putzen gehen.

Während wir das Auto wieder startklar machen, die Medikamente im Koffer nachfüllen, die Trage und Geräte putzen und alles wieder einsatzbereit machen, kommt der Notarzt wieder zu uns und erzählt, was drinnen noch passiert ist.

Bei dem Patienten wurde eine Thrombus festgestellt, der zu einer Lungenembolie geführt hat. Daher auch der Atem-Kreislauf-Stillstand. Die Ärzte des Krankenhauses haben nach dieser Entdeckung darauf verzichtet, weiter zu reanimieren. 

Der Patient war knapp über 60 Jahre alt. Wir haben sehr lange reanimiert und sehr viele Medikamente gegeben. Aber mit so einer Diagnose und nach so langer Zeit unter laufender Reanimation ist die Wahrscheinlichkeit gleich 0, dass der Patient das überlebt. Deshalb hat das Krankenhaus sich für einen Abbruch entschieden.

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 5/Teil 2

Von Anatomie hab ich euch ja schon erzählt diese Woche. Jetzt ist also der Sonntag (Muttertag!) mit Angewandter Psychologie und Stressbewältigung dran.

Es fängt schon mal mit komischen Begrüßungen an – ich wurde gleich von einigen Kurskollegen gefragt, wie denn meine beiden Reanimationen am Freitag gewesen seien.
Häää? Woher wissen die das denn?
Hab ich dann nicht erfahren, aber ich hab ihnen die Geschichte halt erzählt. (…irgendwo im Nirgendwo)

Angewandte Psychologie und Stressverarbeitung – ja was ist das denn eigentlich genau im Rettungsdienst?
An diesem Kurstag hören wir viel von einem beruflichen Psychotherapeuten, der eng mit dem Rettungsdienst zusammenarbeitet. Wir lernen, wie wir mit Patienten und Angehörigen in den diversesten Situationen umgehen, in denen psychische Betreuung akut notwendig ist.
Wir lernen auch die Stadien der Trauer kennen und die jeweils dazugehörenden Reaktionen. Ganz interessant wenn man dabei mal so an vergangene Einsätze denkt und einem die Reaktionen dann doch teilweise sehr bekannt vorkommen.

Auch haben wir im Detail geklärt, welche professionellen Hilfen es für welche Zielgruppe gibt. Im Rettungsdienst ist ja wie bei vielen anderen Berufen das PEER-System als Hilfe für die eigenen Mitarbeiter aktiv. Hier kann man nach belastenden Einsätzen einen PEER, der ebenfalls RS oder NFS ist, zu Hilfe ziehen. Es kann ein mir schon bekannter PEER sein, ich kann mir aber auch jemanden vom anderen Ende des Bundeslandes herbestellen, den ich noch nicht kenne. Mal ist es sinnvoller mit jemandem zu reden, den man schon kennt, manchmal braucht man den emotionalen Abstand zu dem Menschen einfach.
Auch was die Angehörigen-Betreuung angeht haben wir die verschiedensten Hilfestellungen der verschiedenen Organisationen kennengelernt. Hier bei uns hat jede RD-Organisation ihr eigenes, geschultes Team dafür. Wir nennen es Krisenintervention. Das kommt zum Einsatz, wenn es sich um Großunfälle handelt, Todesfälle oder einfach die Familie oder auch Ersthelfer mit der Situation in der Erstphase nicht allein klarkommen.

Gerade dieser Teil des Kurses ist eher eine Diskussionsrunde, jeder kann und soll hier auch Einsatzberichte einwerfen. So kamen wir auch immer wieder auf die verschiedensten Themen: Wie gehe ich mit Gewalt gegen Hilfsorganisationen um? Wie mache ich das, wenn Kinder den toten Vater sehen? Wie kann und soll ich mit psychisch Kranken reden? Welche psychischen Krankheiten gibt es überhaupt?

Absolut interessanter Tag, der mir eigentlich fast schon ein bisschen zu kurz geworden ist – Psychologie interessiert mich privat sehr, also hab ich mich da wohl ein bisschen zu stark reingehängt bei dem Kurs 😉
Außerdem hat dieser Tag mir die Reaktionen der Angehörigen meiner beiden Einsätze am Freitag erklärt. Weiß ich jetzt also auch warum die alle so reagiert haben. Aber dazu wie gesagt im nächsten Beitrag mehr.

Bis dann =)

Notfallsanitäter-Kurs – Woche 5/Teil 1

Diese Woche hatte ich wieder 2 Abende und einen ganzen Tag Kurs.
An den beiden Abenden ging es um Anatomie – ein wahnsinnig spannendes Thema!

Ganz klein fingen wir am Montag an mit der Zelle. Das ist wichtig, um das Nervensystem zu verstehen. Auch das haben wir uns näher angeschaut.
Wirklich interessant wenn man das mal näher betrachtet.
Besonders das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus fand ich hier wahnsinnig faszinierend.
Kurz für diejenigen unter euch, die damit nichts anfangen können:
Der Sympathikus gehört zum Nervensystem und ist verantwortlich für alle Reaktionen, die zum Stichwort „FLUCHT“ gehören. Er weitet die Pupillen, beschleunigt die Herzfrequenz, erhöht den Blutdruck, regt Adrenalin-Produktion an,…
Der Parasympathikus ist im Gegensatz dazu für Entspannung zuständig. Die Pupillen werden enger, die Herzfrequenz sinkt, die Muskelspannung lässt nach,…
Wenn ich zu dem Thema näher eingehen würde, würde das wohl den Beitrag sprengen. 😉

Mittwoch ging es dann weiter mit dem Skelett – natürlich inklusive Benennung der wichtigsten Knochen mit den medizinischen (lateinischen) Namen. Dazu gehören auch die Muskeln und wie das ganze Zusammenspiel dazwischen funktioniert.
Auch die Atmung hat viel mit Muskeln zu tun – dem Zwerchfell. Also haben wir uns das auch noch angeschaut – die Atemmechanik. Und vorbereitend auf nächste Woche die Atmung und den Gasaustausch in der Lunge.

Anatomie ist schon ein spannendes Thema, man erfährt wahnsinnig viel über die Zusammenhänge im Körper, dass zum Beispiel die Bewegung des kleinen Fingers in Wirklichkeit ganz viele Vorgänge in unserem Körper braucht, von denen wir nur einen Bruchteil mitbekommen.

Ich freue mich schon auf Sonntag,
Angewandte Psychologie und Stressverarbeitung ist da dran. Bis dahin gibt es noch einen Dienst am NAW, mal sehen was ich da dann erlebe.

Bis dann 🙂