Wenn sie gehen…

Gestern Abend hatte ich wieder Kurs. War dieses mal ganz spannend, wir sind vertiefend auf die Algorithmen der ERC-Guidelines 2015 eingegangen. Reanimation bei Erwachsenen und Kind, Bradykardie und Tachykardie – alles mal in der Theorie durch, Samstag wird dann praktisch geübt.

Allerdings war ich gestern kurzzeitig gedanklich etwas abwesend.
Während dem Kurs habe ich erfahren, dass ein langjähriger Dauerpatient (Dialyse) von uns verstorben ist.

Ich bin immer sehr gern mit diesem Patienten gefahren, dafür habe ich meinen Dienst auch mal um 5 Uhr morgens begonnen.
Er hat mich sehr an meinen Großvater erinnert. Leider hatte ich durch den Kurs und die Arbeit in letzter Zeit keine Gelegenheit mehr, mit ihm zu fahren.

Gerade eben habe ich noch erfahren, dass er vor kurzem eine Kollegin nicht mehr erkannt hat und daraufhin eine Gehirnblutung bei ihm festgestellt wurde. Das tut mir wirklich sehr leid, ich bin aber ehrlich gesagt froh, dass er nicht allzu lang darunter zu leiden hatte.

Im Rettungsdienst haben wir immer wieder die verschiedensten Patienten. Die meisten sehen wir nur einmal – bei einem Primäreinsatz, wenn sie akut Hilfe brauchen und wir sie versorgen und ins Krankenhaus bringen.
Manche Patienten begleiten uns aber über Jahre. Sie sind schwer krank und müssen immer wieder zu Therapien oder Untersuchungen ins Krankenhaus transportiert werden. Gerade diese Patienten erleben wir meist als die dankbarsten und mit denen haben wir auch Gelegenheit, viel zu reden.

So habe ich auch über diesen Patienten viel erfahren – er hat in seinem langen Leben doch viel erlebt – und immer wieder gab es Geschichten zu erzählen, die ich noch nicht kannte. Wir haben immer viel gelacht auf den Transporten.

Es ist immer traurig, wenn man Patienten sterben sieht oder hört, dass sie verstorben sind.
Doch gerade bei diesen Patienten, die wir doch recht oft sehen, trifft es auch uns tief in unserem Inneren.

Auch den Kollegen, mit denen ich schon darüber gesprochen habe, merkt man ihre Betroffenheit an.
Es wird nun für uns alle die nächsten Dienste irgendwie komisch sein, wenn wir auf die Transportzuteilung warten, und niemand wird zu ihm fahren.

Ruhen Sie in Frieden.

Was man tief in seinem Herzen besitzt,
kann man nicht durch den Tod verlieren.
Johann Wolfgang von Goethe
Im Fall des Verstorbenen war es die Freude am Leben selbst. Das hat man ihm auf jedem einzelnen Transport angemerkt. 

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