Ääähm… #1

Was man nicht alles so sieht im Rettungsdienst.
Nicht nur unsere Patienten können manchmal ganz schön seltsam sein, sondern auch unsere Kollegen und die Ärzte.
In der Kategorie „Äaahm…“ möchte ich euch genau solche Fälle vorstellen.

Wieder mal Nachtdienst auf der Gastdienstelle – es ist Sommer und wir chillen auf dem Balkon. 
Da kommt die Alarmierung zu einem Verkehrsunfall – eine junge Dame mit Nackenschmerzen wird gemeldet. Die Meldung ist recht unspektakulär, aber sicher sein kann man sich nie. Wir erfahren im ersten Moment auch nur, dass die Polizei vor Ort ist. 
Trotz der harmlosen Meldung richte ich mir die Jacke und den Helm – wer weiß was wir hier gleich zu sehen bekommen.

Als ich die Tür aufmache und mich umschaue, bin ich mir erstmal nicht sicher, ob wir hier richtig sind. Es stehen zwei Autos mit Warnblinkanlage auf der Straße, aber so wirklich nach Unfall sieht es hier auf den ersten Blick nicht aus. 
Da kommen aber auch schon die Kollegen der Polizei auf uns zu. Mein Fahrer fragt, wer denn nun der Patient sei, woraufhin diese auf eine munter herumlaufende junge Dame zeigen und meinen, sie hätten uns gerufen, weil sie Nackenschmerzen hätte. Der Sani geht ihr mal entgegen, holt sie zu uns, während der Fahrer und ich die Trage und die Halskrause vorbereiten. Drauf damit wie wir es gelernt haben, auf die Trage mit der Patientin und ab ins Krankenhaus.

Wir haben ja hier Gott sei Dank nicht viele Notfälle, deshalb ist die Unfallerstversorgung auch halbwegs leer und wir bekommen sofort unseren Platz zugewiesen.

Aber – noch bevor wir den Ärzten und Pflegern überhaupt irgendetwas sagen konnten kommt einer von denen daher und reißt der Frau die Halskrause runter! 
Ääähm…???
Unser Kutscher wird wütend, für sowas haben wir kein Verständnis: „Diese Dame hatte gerade einen Autounfall, wir haben sie geholt, weil sie NACKENSCHMERZEN hat! Warum glauben Sie, haben wir die Halskrause angelegt?“

Die junge Dame durfte dann auch noch selbst aufstehen und sich auch selbst ausziehen bevor sie ins Röntgen kam. Gott sei Dank war es wohl doch nur ein Peitschenschlagsyndrom, aber das können wir draußen im RTW nicht beurteilen. Wir müssen eben mal vom schlimmsten ausgehen, bis etwas anderes bewiesen ist.

Vermutlich kennt solche oder ähnliche Situationen fast jeder Rettungsdienstler. 
Mich würden eure Meinungen dazu interessieren.
Habt ihr für solche Aktionen Verständnis? Lasst ihr die Ärzte das tun, ohne etwas zu sagen? Reagiere vielleicht nur ich bzw. reagierte nur mein Team damals so oder versteht ihr wieso die Beschwerde?

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