Notfallsanitäter-Kurs – Woche 1/Teil 1

Dienstag ging’s los mit meinem Notfallsanitäter-Kurs.
Ich bin ja in einem Freiwilligen-Kurs, hab also immer unter der Woche abends und am Wochenende ganzen Tag. Und das ganze ziemlich häufig. Die Woche starten wir mit Dienstag + Donnerstag 18-22 Uhr, Samstag 9-18 Uhr. Das blöde daran: ich fahr unter der Woche direkt von der Arbeit hin und muss am nächsten Tag wieder arbeiten. Sind pro Strecke ca 70 Minuten Fahrtzeit. Tja, da rasseln die Kilometer…

Dienstag hatten wir zur Kurseinführung Erste Hilfe und erweiterte Erste Hilfe. Heute geht’s weiter mit Rettungswesen und Hygiene.

Die Gruppe ist ganz toll, einige davon kennen sich schon länger, aber insgesamt passen wir alle ganz gut zusammen 🙂

Ich bin auf alle Fälle gespannt, was mich in dem Kurs noch so erwartet! Und ich geb natürlich Bescheid darüber – wöchentliche Updates folgen auf alle Fälle, ab und zu auch zwischendurch etwas interessantes!

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„DANKE“

…ein Wort.
…eine Bedeutung.
…so klar.
…so schwer auszusprechen…

Danke…
…hört man im Supermarkt an der Wursttheke und an der Kasse.
…hört man beim Bäcker, wenn es die Lieblings-Brötchen noch gibt.
…hört man im Cafe, wenn der Aschenbecher vom Kellner getauscht wird. 
…sagt Mama, wenn man ihr Kuchen bringt. 
…sagt Oma, wenn man ihr beim Fensterputzen hilft. 
…steht sogar auf Zigaretten- und Kartenautomaten.

Wir bringen sie zum Arzt, wenn sie selbst nicht mehr mobil sind.
Wir bringen sie zur Dialyse, zur Chemo- oder Strahlentherapie.
Wir helfen ihnen auf, wenn sie zu Hause gefallen sind und nicht allein aufstehen können.
Wir helfen ihnen bei Wind und Wetter, Regen und Sonnenschein, im Schnee und im Hagel.
Wir helfen ihnen zu Hause, im Freibad, im Straßengraben, beim Wandern, Skifahren, Radfahren.
Wir helfen bei Krankheiten und Verletzungen.
Wir machen es freiwillig, zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Weil wir es gern machen.

Seit mehr als 3 Jahren mache ich all das, bin freiwillige Rettungssanitäterin. Ich habe schon viel gesehen, vielen Menschen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen und Krankheiten geholfen. Doch auch wenn ich damit Leben gerettet oder Schmerzen gelindert habe – „DANKE“ höre ich selten. 

Manchmal frage ich mich, warum ich mir das alles antue. Wo ich doch als Lohn nicht mal ein „DANKE“ bekomme (als Freiwillige natürlich auch kein Geld). 

Dann mache ich wieder einen Dienst, fahre zu Einsätzen oder Krankentransporten.
Ich erlebe in dieser Schicht Menschen, die nicht gut gelaunt sind, sich beschweren warum wir so lange gebraucht haben, die uns anschnauzen, weil alles so lange dauert, die Trage so unbequem ist oder ihnen die Farbe der Uniform nicht gefällt.
Und dann ist da die eine alte Dame, der wir um 3 Uhr früh aufstehen helfen und sie untersuchen, weil sie im Schlaf aus dem Bett gefallen ist. Und sie strahlt über das ganze Gesicht, als sie uns sieht. Und ihr fällt sichtbar ein Stein vom Herzen – endlich ist Hilfe da. Und zum Abschied hört man noch ein leises „DANKE“ von ihr, auch wenn sie Schmerzen hat, sie ist glücklich, dass ihr jemand auch um 3 Uhr nachts geholfen hat.
Und das ist genug Lohn für diese Nacht. Dieses Lächeln macht alles andere wieder wett…

24h-Dienst

Ich hatte also wieder 24h-Dienst. War am RTW als Fahrerin eingeteilt.

Ein bisschen geschockt bin ich beim ersten Einsatz – eine Jugendliche, die sich mit Tabletten umbringen wollte. (Dazu in einem späteren Post mal mehr.)
Nummer zwei ist dann der Einsatz, auf den wir alle warten. In der Nähe ist ein Fest, große Disco und viel Alkohol also. Und wie erwartet holen wir dann um ca. Mitternacht ein Mädel, das gerade mal so alt ist, dass sie legal Alkohol konsumieren darf. Natürlich beschwippst, Hauptproblem war aber ihre (vermutlich durch den Alkohol ausgelöste) Panikattacke.

Sonntag früh der Einsatz ist dann schon ein bisschen mehr zu arbeiten. Ich schlafe noch, da piept es plötzlich neben mir am Tisch -> Einsatz. Ca. 80 Jahre, bewusstlos, mit NAW. Ok, also schnell hin, der NAW ist uns dicht auf den Fersen.

Wie befürchtet liegt die Dame am Boden und atmet nicht mehr -> Reanimation. Läuft alles wie am Schnürchen, wir sind genug Leute, ich kann mich kurz um unseren Azubi kümmern. Sie schaut kurz etwas irritiert, auch verständlich bei der ersten Reanimation als Azubi. Sie will dann aber auch mithelfen, traut sich alles selbst zu. Sie macht also die Herzdruckmassage, hat die ideale Drucktiefe und der Rhythmus stimmt auch. Sie ist voll dabei, arbeitet, also ob sie schon oft reanimiert hätte. Somit kann ich mich verziehen – der Ehemann schaut aus, als ob er auch gleich umkippen würde.

Jeder hat seine Aufgabe, alles läuft rund. Obwohl wir in dieser Konstellation noch nie zusammengearbeitet haben. Also, die zwei Besatzungen von RTW und NAW hatten noch nie eine Rea miteinander. Aber jeder weiß genau, was er zu tun hat. Alles funktioniert bestens. Wörter werden fast nicht gebraucht, Gesten und Blicke reichen uns im Moment. Und es läuft wirklich alles wie am Schnürchen.

Wir fahren nachher zum Notarzt auf den Stützpunkt, vielleicht hat die Azubiene ja noch Fragen. Aber sie hat brav die Theorie gelernt im Kurs und auch die Praxis hat toll funktioniert und somit bleiben auch die Fragen später weitgehend aus. Sie steckt es für ihre erste Rea sehr gut weg – mal schauen ob sie die nächsten Tage noch Fragen dazu hat. Die kommen ja oft erst später.
Bei der Nachbesprechung sind wir uns alle einig: Das war eine Rea wie aus dem Lehrbuch…

Mit Blau durch die Nacht #1

Heute wieder Nachtdienst. Es ist 01:55 Uhr und wir sind jetzt zum fünften Mal unterwegs. Obwohl ja bei uns normalerweise die Nachtdienste ruhig sind…
Die Kollegen vom zweiten RTW haben es aber auch nicht besser erwischt – die waren bei unserem 2-Minuten-Besuch auf der Wache vorhin auch unterwegs.

Wird wohl eine Nacht mit wenig Schlaf, ich seh mich morgen schon mit 1 Liter Red Bull im Büro sitzen.

Allen diensthabenden wünsche ich „einen Ruhigen“ und allen anderen eine gute Nacht!

 

Update: Wir waren danach noch einmal unterwegs. Ich hab dann natürlich verschlafen, die 2,5h Schlaf waren dann doch zu wenig.
Macht nix weil: Hoch lebe die Gleitzeit!

Wer ist denn nun das rettungsmaechen?

Ja, das rettungsmaedchen bin logischerweise ich…
Ich bin 22 Jahre jung, freiwillige Rettungssanitäterin, 2012-2013 die Ausbildung berufsbegleitend in einem Freiwilligen-Kurs gemacht und seitdem mit vollem Elan dabei.

Zwischenzeitlich habe ich in meiner Rettungsdienstorganisation noch andere Kurse, diverse Fortbildungen und auch Übungen besucht. Ich mache Realistische Notfalldarstellung („Verletzte“ bei Übungen schminken) und Rettungs- und Krankentransportdienst. Ab Ende März 2016 bin ich dann im Notfallsanitäterkurs – ebenfalls wieder ein berufsbegleitender Freiwilligen-Kurs.

Ich bin Sani in Österreich – hier wird ja bei allen möglichen Organisationen (außer Wiener Berufsrettung) zum größten Teil mit Freiwilligen gearbeitet. Gerade da wo ich bin, am Land, ist das wichtig.
Und meine Dienststellen, bei denen ich regelmäßig Dienste mache, sind für mich mittlerweile wie eine große Familie. Ich habe hier Freunde gefunden, die ich im Leben nicht mehr hergeben würde und gemeinsam haben wir Sachen erlebt, die uns zusammengeschweißt haben.

Von solchen Sachen werde ich euch hier berichten.
Es werden großteils wohl Einsatzberichte sein, aber es geschehen auch in unserer einsatzfreien Zeit auf der Dienststelle genug Dinge, von denen ich euch erzählen werde.
Ihr werdet hier also die unterschiedlichsten Einträge finden – kurze Lagemeldungen, wie der heutige Nachtdienst verlaufen ist, spannende Einsätze, witzige Geschichten… Mal werden die Beiträge kürzer und mal länger sein, mal traurig und mal zum Lachen.

Ich versuche, euch regelmäßig auf dem Laufenden zu halten, aber es wird nicht immer gelingen. Ich hab nebenbei ja auch noch ein Leben außerhalb der Zeit im Rettungsdienst.

 

Ich wünsche euch viel Spaß hier auf meinem Blog!
Wenn ihr Fragen habt oder gerne auch diskutieren wollt – ich bin für alle eure Meldungen offen =)

 

Liebe Grüße
euer rettungsmaedchen

Ääähm… #1

Was man nicht alles so sieht im Rettungsdienst.
Nicht nur unsere Patienten können manchmal ganz schön seltsam sein, sondern auch unsere Kollegen und die Ärzte.
In der Kategorie „Äaahm…“ möchte ich euch genau solche Fälle vorstellen.

Wieder mal Nachtdienst auf der Gastdienstelle – es ist Sommer und wir chillen auf dem Balkon. 
Da kommt die Alarmierung zu einem Verkehrsunfall – eine junge Dame mit Nackenschmerzen wird gemeldet. Die Meldung ist recht unspektakulär, aber sicher sein kann man sich nie. Wir erfahren im ersten Moment auch nur, dass die Polizei vor Ort ist. 
Trotz der harmlosen Meldung richte ich mir die Jacke und den Helm – wer weiß was wir hier gleich zu sehen bekommen.

Als ich die Tür aufmache und mich umschaue, bin ich mir erstmal nicht sicher, ob wir hier richtig sind. Es stehen zwei Autos mit Warnblinkanlage auf der Straße, aber so wirklich nach Unfall sieht es hier auf den ersten Blick nicht aus. 
Da kommen aber auch schon die Kollegen der Polizei auf uns zu. Mein Fahrer fragt, wer denn nun der Patient sei, woraufhin diese auf eine munter herumlaufende junge Dame zeigen und meinen, sie hätten uns gerufen, weil sie Nackenschmerzen hätte. Der Sani geht ihr mal entgegen, holt sie zu uns, während der Fahrer und ich die Trage und die Halskrause vorbereiten. Drauf damit wie wir es gelernt haben, auf die Trage mit der Patientin und ab ins Krankenhaus.

Wir haben ja hier Gott sei Dank nicht viele Notfälle, deshalb ist die Unfallerstversorgung auch halbwegs leer und wir bekommen sofort unseren Platz zugewiesen.

Aber – noch bevor wir den Ärzten und Pflegern überhaupt irgendetwas sagen konnten kommt einer von denen daher und reißt der Frau die Halskrause runter! 
Ääähm…???
Unser Kutscher wird wütend, für sowas haben wir kein Verständnis: „Diese Dame hatte gerade einen Autounfall, wir haben sie geholt, weil sie NACKENSCHMERZEN hat! Warum glauben Sie, haben wir die Halskrause angelegt?“

Die junge Dame durfte dann auch noch selbst aufstehen und sich auch selbst ausziehen bevor sie ins Röntgen kam. Gott sei Dank war es wohl doch nur ein Peitschenschlagsyndrom, aber das können wir draußen im RTW nicht beurteilen. Wir müssen eben mal vom schlimmsten ausgehen, bis etwas anderes bewiesen ist.

Vermutlich kennt solche oder ähnliche Situationen fast jeder Rettungsdienstler. 
Mich würden eure Meinungen dazu interessieren.
Habt ihr für solche Aktionen Verständnis? Lasst ihr die Ärzte das tun, ohne etwas zu sagen? Reagiere vielleicht nur ich bzw. reagierte nur mein Team damals so oder versteht ihr wieso die Beschwerde?