Kampf dem Herztod #1

So, nun bin auch ich in der Aktionswoche zum Kampf gegen den Herztod angekommen. Der Stress gestern hat mich etwas aufgehalten. (Ja ich weiß: Stress ist schlecht fürs Herz!)

Warum „Kampf dem Herztod“?
Weil es wichtig ist, Bescheid zu wissen. Weil selbst Laien, also nicht-medizinisches Personal, einige Fragen ohne viel nachzudenken beantworten können sollte. Um im Notfall wirklich helfen zu können. Also Leute, lest euch das hier und die Artikel von Alltag im RettungsdienstHermione und Krangewarefahrer durch und beantwortet danach folgende Fragen:
– Erkenne ich Herzprobleme, wenn ich oder jemand anderer sie hat?
– Auf was werde ich achten, um Herzprobleme zu erkennen?
– Was muss ich tun, wenn jemand Herzprobleme hat?
– Welche Nummer muss ich anrufen?
– Wie lange ist mein letzter Erste-Hilfe-(Auffrischungs-)Kurs her? Sollte ich wieder einen machen?
– Kann ich mich vor einem Herzinfarkt schützen?

Es muss nicht immer gleich ein ganz fataler Herzinfarkt mit Todesfolge sein, Herzinfarkte können auch klein sein und man kann durchaus sowohl kleine als auch größere Herzinfarkte überleben. Es muss auch gar kein Herzinfarkt sein, auch andere Erkrankungen dieses Organs können schlimme Folgen haben. Ist das Herz einmal geschädigt, arbeitet es nicht mehr so gut wie vorher und dadurch erhöht sich das Risiko erneuter Probleme.

Nun zu meiner ersten Geschichte, tatsächlich so passiert und wie aus dem Lehrbuch geschnitten:

Edi ist 56 Jahre alt und arbeitet in einem Büro. Er hat noch zwei Jahre, dann kann er in Pension gehen. Er freut sich darauf, auch wenn er eigentlich gerne arbeitet.
Edi ist ein sportlicher Mann. Er läuft seit über 30 Jahren nahezu jeden Tag seine paar Kilometer um fit zu bleiben. Er will das Leben ja immerhin gesund genießen. Außerdem spielt er nebenbei mit ein paar anderen Männern vom Dorf Fußball.
Vor ungefähr zwei Wochen war Edi krank, er ist mit Grippe drei Tage zuhause geblieben, als das Fieber weg war ist er dann aber wieder in die Arbeit gegangen, das bisschen Husten macht ihm ja nichts aus.

Edi wird heute eine Stunde bevor sein Wecker läutet wach. Er hat komische Schmerzen in der Brust, scheint so, als sei die Grippe zurück. Aber jetzt wieder schlafen gehen – zahlt sich auch nicht mehr aus, er muss dann sowieso in die Arbeit.
Aber die Schmerzen werden schlimmer und er legt sich wieder ins Bett, ruft den Notruf an. So starke Schmerzen hat man bei einer Grippe doch nicht oder? Er hat jetzt schon Angst, dass sein Herz irgendetwas haben könnte.

Um halb 6 Uhr morgens läuten unsere Pager. Etwas außerhalb der Stadt hat jemand Schmerzen in der Brust. Vorerst sind wir solo, also nur der RTW ohne Notarztwagen unterwegs, auf ca. halber Strecke erfahren wir, dass der Notarzt doch mitkommt. Nach ca. 12 Minuten haben wir den Einsatzort erreicht und nehmen auch gleich mal den Monitor und Defi und eigentlich alles mit. Beim Stichwort „Schmerzen in der Brust“ hat man besser mal alles gleich von Anfang an mit, besser zu viel als zu wenig.

Edi öffnet die Tür, es tut mittlerweile so schrecklich weh, dass er nur gekrümmt zur Tür gehen kann, und das auch nur sehr langsam.Er greift sich auf die Brust und atmet angestrengt. Solche Schmerzen sind mehr als nur Grippe. Aber jetzt ist ja jemand da, der ihm helfen kann.

Der Mann der uns die Türe öffnet hat offensichtlich schwere Probleme. Er greift sich an die Brust, kann nur schwer mit uns sprechen und verzieht voll Schmerz das Gesicht. Ich bringe ihn sofort ins Bett, so viele Polster und Decken wie möglich unter den Rücken und Sauerstoffmaske aufs Gesicht. Jetzt soll es schnell gehen. Das ist der erste Patient den ich in meiner Laufbahn sehe, dem man den Herzinfarkt wirklich im Gesicht ansieht.

Klassische Schmerzen, von der linken Schulter über das Schlüsselbein zur Brust und in den linken Arm, ungefähr bis zum Ellbogen. Brennende Schmerzen, mit einem Punkt, der wohl der Ursprung allen Übels ist: direkt über dem Herzen fühlt es sich an, als ob ihm jemand einen glühenden Pfahl in die Brust gerammt hätte. Außerdem ist unser Patient blass und schwitzt auch etwas.

Ja, seit circa einer dreiviertel Stunde, immer stärker werdende Schmerzen. Nein, die strahlen schon von Anfang an so weit aus. Hat sich anfangs angefühlt, als hätte Edi sich die Schulter blöd gedreht beim Schlafen, Zerrung oder so. Nein, er nimmt gar keine Medikamente, bloß vor zwei Wochen gegen seine Grippe, aber da auch nur Schmerztabletten und etwas gegen den Husten.Es ist auch nichts bekannt, Edi hat keine Krankheiten, schon gar nicht mit dem Herzen. Irgendwann war da mal was mit erhöhtem Blutdruck, aber mit dem Sport ist das dann wieder besser geworden.

Wir haben mittlerweile ein EKG geklebt, gleich mal das Große, um uns das Herz wirklich genau anschauen zu können. Wird wohl wirklich Zeit, dass der Notarzt daher kommt, der Patient braucht dringend Medikamente! Selbst mein „EKG-Anfänger“, der heute mit ist, sieht, dass hier etwas nicht stimmt. Es scheint tatsächlich ein ausgewachsener Herzinfarkt zu sein.

Edi fragt nach Schmerzmitteln, es tut so schrecklich weh. Da hört er nebenbei auch schon, dass seine Türe nochmal aufgeht. Jetzt kommen hier noch vier Menschen mehr in das kleine Schlafzimmer.

Der Notarzt schaut sich das EKG noch an, die Notfallsanitäter ziehen in der Zwischenzeit die Medikamente auf und meine beiden Begleiter richten das Fahrzeug für den Transport her. Alles geht nach dem Standardprocedere, darauf sind wir trainiert.

Edi darf das Krankenhaus nach 29 Tagen wieder verlassen. Es wurde ein Hinterwandinfarkt diagnostiziert. Es war wohl nicht die beste Idee, mit einer Grippe arbeiten zu gehen. Auf Sport muss er jetzt erst einmal verzichten, auch wenn Sport grundsätzlich gut für das Herz ist, darf er es jetzt noch nicht überanstrengend und muss sich zuerst ganz erholen.

Man muss nicht immer Raucher, Alkoholiker, übergewichtig oder mit Vorerkrankungen belastet sein. Ein Herzinfarkt kann jeden treffen. Es gibt natürlich gewisse Risikofaktoren – Alter, Nikotin, Essgewohnheiten, Bewegung – aber die allein sind nicht ausschlaggebend für einen Herzinfarkt.

Edi hatte Glück, er hat seinen Herzinfarkt überlebt. Trotzdem zählt im Ernstfall jede Sekunde. Egal ob Herzinfarkt oder eine andere Erkrankung des Herzens, es kann immer sehr gefährlich werden. Also besser sofort 144 (in Österreich) oder 112 (in Deutschland) oder was auch immer ihr bei euch für Notrufnummern habt anrufen. Besser einmal zu oft als einmal zu wenig.
Schafft ihr es jetzt eigentlich, die Fragen zu beantworten?
Falls nicht – vielleicht nach Teil 2? (folgt die nächsten Tage)

Leukämie, du verdammtes…

Leukämie, du bist ein verdammtes Arschloch! Ich hasse hasse hasse dich! Geh weg, verkriech dich, irgendwo, wo du niemandem schaden kannst. Und nimm deine anderen verdammten Freunde gleich mit!
Du hast mir eine Freundin genommen, eine wirklich liebe, lebensfrohe junge Frau. Sie war so tapfer, all die Jahre über, die du sie gequält hast! Nie hat sie aufgegeben, sie hat immer weiter gegen dich gekämpft!
Du verdammtes ************ hast ihr ihre Träume genommen. Du hast ihr Leben versaut! Sie wollte ihr Leben doch noch genießen! Sie hatte noch so viel vor, sie war doch erst 26!
Sie war so eine starke Frau, in allen Lebenslagen. Und so fröhlich, selbst an den dunklen Tagen. Und so herzlich, herzlich und direkt.
Und du Arsch hast das alles zerstört! GEH EINFACH WEG!!!

Kennt ihr das, wenn ein ganz ganz lieber Mensch ganz ganz plötzlich weg ist? Völlig unerwartet, mitten in einem gesundheitlichen Aufschwung hat es sie erwischt. Ganz plötzlich ist sie zusammengebrochen und nicht wieder aufgewacht. Bis ganz zum Schluss hat sie gekämpft, hat sich selbst nie aufgegeben. Und doch hat sie am Ende die Kraft verlassen. 
Sie war Sanitäterin, vor der Krankheit. So habe ich sie auch kennengelernt. Dadurch sind wir auch Freunde gewesen. Sie war so ein guter Mensch…
Ich vermisse dich…

Valentinstag

Nein, ihr werdet hier nichts über den Rettungsdienst lesen. Aber ich muss hier mal etwas loswerden.

Heute ist der Tag an dem man den Menschen, die man liebt, diese Liebe auch zeigt. Der Tag der Pärchen. Oderso…
Ich hasse diesen Tag – naja, so typisch Single eben. Kann damit nicht viel anfangen. Aber heute Morgen kam ich dann doch ins Grübeln über diesen Tag des Konsums… 

Blumen, Pralinen, kitschige Karten, Küsschen und Herzchenaugen überall. Bäh! Also nicht, dass ich jetzt was gegen Verliebte hab, ich hab was gegen diesen Tag. Bauscht unsere Konsumgesellschaft auf, um großen Profit zu machen. BÄH!!

In Wahrheit ist es ein Tag wie jeder andere. So wie Muttertag und Vatertag auch. Oder wasweißichwas… Man sollte den Tag nicht als Erinnerung benutzen. So „Ach, heute muss ich mal wieder allen sagen wie gern ich sie hab.“ Das kann man wirklich an jedem anderen Tag auch.
Valentinstag ist der Tag der Liebe – und Liebe betrifft nicht nur den Partner. Ich zum Beispiel liebe meine Familie und meine Freunde und möchte ihr das auch zeigen und sagen. Ich brauche dazu aber keinen 14. Februar und keine Geschenke. Ich brauche bloß etwas Zeit mit ihnen und ein bisschen reden, lachen, Spaß haben. Zeit mit den Menschen zu verbringen, die man liebt, das ist das richtige Geschenk. Keine Schokolade. Worte. Gefühle. Lachen.

Für mich ist der Valentinstag heuer trotzdem etwas „besonderes“.
Ich bin heute früh nämlich aufgewacht und wusste nicht, ob meine Oma noch lebt. Ich war gestern bei ihr, hab ihr Blumen gebracht (absichtlich nicht am Valentinstag!) – sie hat mich nicht mehr erkannt, konnte nicht mehr sprechen, bekommt kaum mehr Luft… Ich habe ihr gesagt, dass ich sie lieb hab. Ich weiß nicht, ob sie es mitbekommen hat oder nicht.
Seit Wochen schon geht es ihr schlecht, sie war schon kurz vorm Sterben, hat sich wieder etwas erholt und jetzt geht es weiter bergab. Ich hab ihr so selten gesagt wie sehr ich sie lieb hab. Ich habe das alles die letzten Wochen versucht aufzuholen. Es hat nicht gereicht. Es war immer noch zu wenig. Und jetzt befürchte ich plötzlich, dass ich ihr an diesem Valentinstag nicht mehr sagen kann, wie sehr ich sie lieb hab.
Ja, ich hab es ihr gestern gesagt.
Ja , ich habe es ihr die letzten Wochen schon gesagt.
Und ja, plötzlich möchte ich es ihr unbedingt heute noch sagen. Am Valentinstag. Weil es der Tag der Liebe ist.
Das Blöde daran – ich bin in der Arbeit. Morgens war es zu früh – darf noch kein Besuch rein. Aus der Arbeit kann ich nicht weg, für die Mittagspause ist es zu weit entfernt. Und wer weiß, kann ich es ihr am Abend noch sagen.

Liebe Leute – wir vernachlässigen unsere Lieben viel zu sehr.
Sagt nicht nur eurem Partner, dass ihr ihn liebt! Sagt es euren Eltern, euren Großeltern, Kinder und Freunden – sagt es einfach jedem, der euch wichtig ist! Und sagt es ihnen bei jeder Gelegenheit. Irgendwann war es dann nämlich die letzte Gelegenheit und die ungenutzt zu lassen wäre doch etwas traurig.

Wir brauchen keinen erfundenen Tag um Mama im Mai zu sagen, dass wir sie lieben. Papa kommt dann ein Monat später dran. Der Partner schon im Februar. Und der Rest bloß am Geburtstag.
Geht raus und sagt es jedem, dem ihr es sagen wollt, aber wartet nicht auf diesen einen speziellen Tag. Es gibt ihn nicht. Jeder Tag ist gut genug, um jemandem zu sagen und zu zeigen, was Liebe ist. Jeder Tag hat es verdient ein mit Liebe gefüllter Tag zu sein. Jeder Tag könnte die letzte Gelegenheit dazu sein.

Ja ich weiß, dieser Artikel klingt jetzt vielleicht etwas kitschig.
Aber es liegt mir gerade wirklich am Herzen euch das zu sagen. 

immer und immer wieder

Es gibt so Patienten, die sieht man immer und immer wieder – und plötzlich sind sie dann doch weg.
Dialyse-Patienten, die nach Jahren als Dauerpatient versterben.
Chemo- oder Strahlentherapien, die doch nicht jedes Leben retten können.
Einfach nur alte Leute, die gebrechlich sind, uns oft brauchen, und dann friedlich einschlafen.
Patienten, die schlicht und einfach geheilt werden!
Aber nicht alle Patienten verschwinden, weil sie sterben oder wieder gesund sind…

Es gab in unserem Einsatzbereich eine Patientin, da fanden wir alle hin, ohne noch die Adresse zu wissen, der Name reichte uns schon damit wir wussten, wo wir hinfahren müssen.
Es fing alles ganz harmlos an, Dame war krank, Dame ging zum Hausarzt, Dame wurde kränker, und dann gings erst richtig los…

Die Patientin rief immer und immer wieder beim Notruf an, mit der Beschwerde „Insekten im Körper“. So bekamen auch wir die Alarmierungen immer. Bei der Dame angekommen dann immer das selbe bei der Anamnese:
– Kopfschmerzen, die ganz sicher von Insekteneiern überall im Körper kommen, die sich entzunden habenen
– Schwindel, weil der Körper die Insekten nicht aushält
– Juckreiz, weil die Insekten überall unter der Haut herumkriechen

Und immer und immer wieder mussten wir die Patientin mitnehmen, weil sie nicht zu Hause bleiben wollte und wir sie auch nicht zu Hause lassen dürfen, wenn wir psychische Beeinträchtigung vermuten. Uns war natürlich klar, dass es sich hier um ein psychisches Problem handelt. Mit der Zeit wurde dann auch die Diagnose „fortschreitende Demenz mit paranoider Schizophrenie“ bestätigt und behandelt.
Die Dame lebte aber trotzdem noch immer allein zu Hause, sie hatte keine Sachwalter, die Pflege kam pro Tag 1 Stunde zu ihr. Und wieder und immer wieder rief sie den Notruf an.
Mehr als ins Krankenhaus bringen konnten wir nicht, die konnten allerdings auch nichts machen – immerhin war die Dame noch immer berechtigt selbst für sich und ihr Leben zu entscheiden, Unterbringung laut UBG (Unterbringungsgesetz) mit Einweisung eines Amtsarztes in eine Fachklinik gibts auch nicht, weil sie nicht Fremd- und nicht Eigengefährdend ist.
Und deshalb blieb sie in ihrem Haus wohnen und konnte uns weiterhin anrufen.

Die Einsätze veränderten sich. Durch die Diagnose „Schizophrenie“ hat sie natürlich neue Medikamente verordnet bekommen – und plötzlich wollte sie jeder Vergiften.
Der Hausarzt, weil er ihr die Rezepte dafür gibt.
Das Krankenhaus, weil sie die ihrer Meinung nach falsche Diagnose gestellt haben.
Die Pflegerin, weil sie ihre Medikamente immer vorbereitet.
Die Apothekerin, weil sie das Gift austeilt.
Somit wurden wir dann recht bald zum Einsatz „Vergiftung“ gerufen. Und das immer und immer und immer wieder.

Ich hatte einen Wochenenddienst. Samstag Tag. Ich war mittags zum Einsatz bei ihr. Die Kollegen schon nachts. die anderen Kollegen später. Insgesamt gab es in 24 Stunden vier Einsätze + drei Heimtransporte vom Krankenhaus zu ihr zurück.
Das einzige, dass wir zu diesem Zeitpunkt aber wussten: Ein Antrag auf Besachwaltung wurde angeblich gestellt.
Ein paar Tage später hörte ich dann aus Zufall, dass die Dame nun doch nach UBG eingewiesen wurde. Anscheinend gab es nun doch Anzeichen auf Eigengefährdung, die ausreichten um den Amtsarzt dazu zu bringen, sie einzuweisen.

Die Einsätze zogen sich über Monate. Es fing harmlos mit 1-2 Fahrten die Woche an, der Höhepunkt waren die vier Einsätze bei ihr in 24 Stunden. Und dann so plötzlich hörte das alles auf.
Ich hoffe nur, dass sie nun ausreichend Hilfe erhält, dass ihr die Medikamente so weit helfen, dass sie ihr restliches Leben halbwegs selbstständig in einem schönen Altenheim verbringen kann.

Aufruf…Kampf dem Herztod

KAMPF DEM HERZTOD

Da haben sich drei ganz ganz liebe Blogger zusammengetan und wollen mit einer Aktion auf die Gefahren eines Herzinfarktes hinweisen.
Liebe Leute – macht brav mit, es haben sicher viele von euch etwas dazu zu sagen, und wenn es als vollkommen Unbeteiligter bloß Gedanken eines Außenstehenden sind.

Ich mache auf jeden Fall gerne mit =)

Alltagimrettungsdienst Blog

Hallo ihr Blogger.

die Hermione , der Krangewarefahrer und ich möchten gerne zu einer gemeinsamen Aktion aufrufen. Wir wollen, dass die Menschen über die Gefahren eines Herzinfarktes besser aufgeklärt werden und dass diese Krankheit wieder mehr in den Fokus der Menschen gerückt wird.

Deswegen würden wir uns wünschen, schreibt bis Ende Februar einen Artikel über dieses Thema, weil ihr Betroffener seid, jemand deswegen verloren habt oder weil ihr die Menschen darüber infomieren wollt.

Slogan : Kampf dem Herztod

Das genaue Datum werde ich noch bekannt geben.

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Achtung rutschig!

Der Rettungsdienst und der Schnee…

…das ist ja immer so eine Sache.

Ich komm ja aus Österreich, bin in einer Gegend, in der es tatsächlich noch so richtige Winter mit einer Menge Schnee gibt. Also zumindest ein paar Tage im Jahr. Es gibt so Tage, da fällt dann tatsächlich 25cm weißes Zeug vom Himmel und dann wirds ja auch teilweise schwierig für uns. 

Also mal angefangen bei den wintertypischen Verletzungen. Gebrochene Beine und Oberschenkelhalsknochen. Oder Arme. Oder Steißbeinprellungen. Oder Verletzungen durch Verkehrsunfälle, weil sich manche Menschen einfach überschätzen beim Fahren. Oder beim Skifahren. 

Grippe darf man auch nicht ignorieren. Schon gar nicht die Männergrippe. Respiratorische Infekte sind auch so typisch Winter. Plötzlich auftretende Atemnot in der 35°C warmen Wohnung, die seit 3 Wochen nicht gelüftet worden ist, weil ja -10°C draußen sind. 

Aber die Probleme sind ja gar keine richtigen Probleme. Sind Notfälle, gibts im Sommer auch. Richtige Probleme haben wir mit Schnee und Eis schon selbst. So beim Autofahren und so. Oder Patienten mit Trage oder Tragstuhl zum RTW bringen. Da sind dann vor allem die Häuser lustig, bei denen es einen schmalen Weg zum Haus gibt, der im 30° Winkel rauf führt. Und da sollst du dann jemanden mit Atemnot irgendwie runter bringen. Über den Weg. Bergab. Im Schnee. Mit Eis drunter. ACHTUNG RUTSCHIG! 

Oder wenn die Autofahrer vor dir meinen, sie müssen auf der frisch verschneiten Fahrbahn eine Vollbremsung machen, wenn du mit Blaulicht daher kommst. Ist ja schon auf trockener Straße nicht cool sowas, aber bei Schnee? Mensch Leute! ACHTUNG RUTSCHIG! 

Eigentlich wollte ich euch ja hier nur von unseren Problemen erzählen. Aber hier wird noch was drangehängt, weils so gut passt: Bitte liebe Autofahrer, passt auf was ihr tut, wenn wir mit Blaulicht hinter euch her kommen! Vor allem im Schnee. Das kann sehr sehr böse enden, wenn ihr auf spiegelglatter Straße Panik bekommt und eine Vollbremsung macht. Wir sind euch gerade bei dem Wetter absolut nicht böse, wenn ihr normal weiterfährt und in 560m dann in die Bushaltestelle biegt, um uns vorbei zu lassen. Und bitte liebe Hausbesitzer, ich finde die schön geschmückten Wege zu euren Häusern ja wirklich auch hübsch. Auch Schnee sieht da toll aus. Aber bitte räumt doch den Schnee weg wenn es euch möglich ist. Und entfernt das Eis. Kann sonst auch böse enden, für euch genauso wie für uns. Wäre schon nett von euch. Danke schon mal, dass ihr das in Zukunft beachtet. 

Was ich mir noch wünsche? Fußbodenheizung für Straßen und Gehwege und Hauszufahrten und Gartenwege. Dann darf auch ruhig mehr Schnee kommen. 🙂

Fotografie: Frohes Neues!

Mal wieder etwas von meinem anderen Hobby. So zwischendurch muss das halt mal sein.

Ich wünsch euch allen ein frohes neues Jahr, viel Glück und Gesundheit und allen RD-Menschen möglichst stressfreie Dienste.

 

RD-Lifehack #1

Da reißt dir doch tatsächlich im Dienst das Haarband und du findest absolut nirgends einen Ersatz! 

Was macht die erfinderische Sanitäterin? 

RD-Lifehack #1: Wenn du mal schnell ein Haarband brauchst und keins zu finden ist, nimm dir einen Handschuh und eine Schere! Sieht zwar komisch aus, aber es hält. Zumindest vorübergehend. Und ab jetzt kommt ein extra Päckchen Haarbänder in den Dienst-Kasten. 

Was mache ich…?

Ein Artikel von Wenn der Melder geht brachte mich die letzten Tage ganz schön ins Grübeln.
Der Medizinstudent fragt sich in dem Beitrag Was mache ich hier eigentlich?
Und genau die Frage beschäftigt mich jetzt auch… Sie lässt mich einfach nicht los…

Ich ging vor etwas über 4 Jahren in den freiwilligen Rettungsdienst. Ich war 18 und – wenn man es so nennen will – naiv. Ich wollte helfen, konnte aber (noch) nicht Medizin studieren. Die Ausbildung, die Dienste, es machte so viel Spaß und ich hatte endlich eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gefunden!

Und dann lernte ich mehr und lernte auch, dass wir dieses und jenes nicht dürfen.
Und dann lernte ich noch, dass manche Patienten Geld bringen, andere kosten uns Geld.
Und die zusätzliche Ausbildung, die musst du nicht machen, es reicht so auch für den RTW. Im Nachhinein weiß ich, es ist teuer. Ausbildung ist teuer. Kompetenz ist teuer.

Es ist sehr traurig, dass ein Gesundheitssystem so funktioniert. Es lässt sich von Macht und Geld leiten anstatt von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.
In Kliniken und auch bei Hausärzten und anderen Versorgungseinrichtungen muss man anscheinend schon bevor man den Patienten sieht abwägen, welche Untersuchungen und Therapien das System tragen kann. Möglichst doch bitte noch mit Gewinn, nur bitte ja nicht zu viel tun, das würde uns zu viel Geld kosten.
Im Rettungsdienst ist man dann eben mehr so Taxi, Krankentransporte bringen Geld, machen den Großteil der Alarmierungen aus und dafür braucht man nur die „Grundausbildung“. Die wenigen Einsätze, die schaffen dann schon die wenigen Leute, die die Ausbildungen haben, die Konpetenzen haben.

Ich wollte helfen. Ich will helfen. Ich will lernen, ich will Kompetenzen erreichen und unseren Patienten die bestmögliche präklinische Versorgung zukommen lassen. 
Das System sagt, diese und jene Geräte zur Diagnosestellung und Erstversorgung kommen uns zu teuer.
Das System sagt, dass auf den RTWs Rettungssanitäter reichen. Und dass Notfallsanitäter auch nicht wirklich viel mehr dürfen als Rettungssanitäter. Und dass Kompetenzerweiterung teuer ist. Und dass Kompetenzanwendung sowieso nur unter notärztlicher Aufsicht genehmigt ist. Somit sind Kompetenzen eigentlich überflüssig, der NA machts ja eh selber.

Wir kutschieren lieber mit den RTWs die Krankentransporte herum, anstatt auf die wenigen Notfalleinsätze zu warten. Die Krankenkassen zahlen uns ja nur für gefahrene Kilometer und nicht die Bereitschaftszeit. Und weil 90% der Fahrten eben Krankentransporte sind…. Und weil von den übrigen 10% sowieso 8 auch zum Hausarzt gehen könnten… Und sowieso und überhaupt.

Alles dreht sich im Gesundheitsbereich nur noch um Geld – so wie immer und überall in Leben. Geld ist Leben. Leben ist Geld. Der Sinn der Sache wird in den Hintergrund gestellt. 

Es macht so wie es ist keinen Spaß mehr. Und trotzdem bin ich gern hier. Weil es trotzdem was Gutes ist. 

Was mache ich hier eigentlich? Ich helfe… Weil das doch immer noch der Sinn ist.

 

Adventmärkte

…ausgegebenem Anlass – weil jetzt wieder die Zeit der Märkte und Ausstellungen begonnen hat…
Die Lichter auf den Ständen funkeln, die Leute um die Feuerkörbe herum lachen, die Kinder spielen. Es ist die Zeit des gemeinsamen Wartens, und wo macht man das lieber als am Christkindlmarkt?
Der Glühwein schmeckt und ist schön warm.
Hauptsache man kann sich wieder hübsche Dinge kaufen, mit denen man die Wohnung für die Weihnachtszeit aufhübschen kann oder auch Geschenke und Kekse.
Und Hauptsache der Glühwein schmeckt und wärmt bis zu den Zehen.
Es hat noch nicht geschneit, es sind fast schon angenehme Temperaturen draußen. Den Wintermantel braucht hier noch niemand, es reicht die Jacke, man steht ja eh beim Feuerkorb.

Es ist Sonntag vormittag, der erste Advent, und der Christkindlmarkt der kleinen Stadt findet wie jedes Jahr an diesem Wochenende bei der Kirche statt.
Im Hof stehen die Stände und verkaufen Glühwein, in den großen Räumen der Kirche findet man die Handwerks- und Kunstausstellung. Es ist halb 11 Uhr vormittags, die Kirche ist gerade vorbei und man trifft sich noch auf einen Punsch und ein paar Kekse, bis zum Mittagessen ist ja noch etwas Zeit.
Das Gedränge startet nach der Kirche, es ist ein kleiner Markt in einer winzig kleinen Stadt. Aber er ist wunderschön, angenehm ruhig und jeder kennt jeden.

 

Gemütlich sitzen wir beim zweiten Kaffee diesen Sonntag und reden über die schon erlebten Einsätze heute. Es ist ein ungewöhnlicher Tag, seit 7 Uhr morgens hatten wir schon vier Einsätze, in unserer Gegend um diese Zeit schon recht viel.
Es wird gemeinsam gelacht und schön langsam überlegen wir auch, was wir denn heute mittags zu Essen holen wollen.
Da läutet plötzlich mein Telefon, auch der Pager schlägt kurz darauf an und scheucht uns zum RTW.
Bewusstlosigkeit, Effektive Atmung, im Zusatztext steht geschrieben: 65j/m, nahezu umgekippt, schweißig. Wir fahren gemeinsam mit dem NEF hin – Einsatzort ist die Kirche. Dass heute Adventmarkt ist habe ich total vergessen…

 

Beim vorderen Tor zum Kirchenplatz erwartet uns niemand, wir entscheiden uns daher die hintere Zufahrt zu nehmen. Und wirklich, eine Dame wartet schon auf uns, wir parken uns ein und entdecken den Adventmarkt. Hilfe, damit haben wir nicht gerechnet!
Ich nehme den Notfallrucksack, mein Kollege kommt mit dem restlichen Equipment nach und gemeinsam folgen wir der Ehefrau des Patienten durch das Gedränge.
Ganz gemütlich gehen die Damen und Herren Kirchen- und Marktbesucher umher, gemütlich durchkommen mit dem großen Rucksack geht hier nicht, ich muss immer wieder die Stimme heben und mir Platz verschaffen, um nicht mit den vielen Menschen zusammenzustoßen.
Wir werden in die Ausstellung gelotst, als erstes fällt mir die schlechte Luft auf und als zweites die Menschenmassen. Erst dann entdecke ich ein Grüppchen, dass rund um einen Mann steht, der auf einem Stuhl sitzt. Ich gehe hin, mache mir auch hier ein bisschen Platz und sehe mir den Mann einmal an.

Der Patient schwitzt starkt, ist blass im Gesicht. Er kann frei sprechen, sein Puls ist etwas erhöht bei ca. 100/min und nicht allzu gut tastbar. Die Ersthelfer haben ihn auf einen Stuhl gesetzt und ein kaltes Tuch in den Nacken gelegt. So der Ersteindruck. Im Schema:
A – keine Beschwerden
B – keine Beschwerden
C – blass, schweißig, schlecht tastbarer Puls
D – orientiert, keine Schmerzen, genauere Untersuchung später
E – Blutdruck manuell bei dem Lärm nicht mit Stethoskop messbar, systolischer Wert durch palpatorische Messung aufgrund schlecht tastbarem Puls nicht erhebbar, wir warten auf die automatische Blutdruckmessung des EKG-Geräts. Temperatur bei Ohrmessung 36,6°C.
Jetzt trifft auch gerade der Notarzt ein, ich mache eine ganz kurze Übergabe – viele Daten haben wir ja noch nicht. Die Blutdruckmessung ergibt 105/75, recht wenig für einen großen, stämmigen Mann.
Die Anamnese ergibt, dass der Herr normalerweise zu hohen Blutdruck hat und deshalb auch Tabletten nimmt.

Noch während wir mit ihm reden, hört der Mann auf zu schwitzen und auch die Hautfarbe wird wieder ein bisschen rosiger. Beim Sprechen merkt man ihm an, dass er jetzt auch wieder mehr Kraft hat. Er möchte nur noch heim, möchte nicht mit ins Krankenhaus. Mit Einverständnis der Notärztin begleiten wir ihn noch zum RTW, warten dort bis seine Frau das Auto geholt hat und lassen ihm einen Revers unterschreiben.
Warum schreibe ich hier jetzt eigentlich einen Blogartikel zu einem stinknormalen Standardeinsatz? – Wegen der Problematik mit Menschenmassen.
Ja, ich bin der Meinung es kann so schnell zu Problemen kommen.
Schon beim Durchschlängeln bis zum Patienten hatten wir es nicht unbedingt leicht. Ich ging mit ausgetreckten Händen voran und versuchte die Menschen sanft zur Seite zu schubsen, damit wir wenigstens halbwegs ohne Zusammenstöße und hoffentlich doch zügig in Richtung Patient weitergehen konnten. Beim Patienten angekommen erwarteten uns gleich etliche Adventmarktbesucher, die den Herrn alle kannten und sich verständlicherweise Sorgen machten. Alles schön und gut, aber manchmal ist es eben nur gut gemeint und in Wirklichkeit störend. Dauernd haben die Freunde unseres Patienten ihn gefragt wie es ihm denn gehe und ob es schon besser gehe und was denn überhaupt passiert wäre – der Patient konnte sich in dem ganzen Geplapper nicht mal wirklich auf mich konzentrieren, es wurde immerhin aus allen Richtungen auf ihn eingeredet. Außerdem rückten die Menschen immer näher heran, auch nachdem ich mal gesagt habe, sie sollen uns doch bitte ein bisschen Platz machen. Mit jeder Minute wieder ein Stückchen näher – ich hatte schon Angst, dass jemand bald in unseren Rucksack tritt.

Eine Aussage hat mich wirklich maßlos aufgeregt. Wir sind gerade am Zusammenpacken, wollen den Patienten noch nach oben zu seinem Auto begleiten, da kommt plötzlich eine Dame her, die schon einige Zeit hinter mir gestanden ist. Sie spricht den Patienten an, kennt ihn anscheinend, und fragt, ob es ihm gut gehe, sie habe erst jetzt gerade registriert, dass das hier ein echter Einsatz und keine Schauübung ist!
Warum mich das so aufgeregt hat? Weil es die Probleme beim durchkommen durch die Menschenmassen erklärt und ich das aber einfach nicht verstehen kann.
Aus meiner Sicht: Ich mache Platz, wenn ich privat unterwegs bin und Blaulicht und/oder hastende Uniformierte sehe, ich weiß, hier ist etwas passiert und die brauchen jetzt mal Platz zum durchgehen und arbeiten.
Ich denke aber, dass viele Menschen uns schon als so selbstverständlich ansehen, dass sie uns sogar schon übersehen. Es half mir nichts mit bloßer Stimme Platz zu machen („Entschuldigung ich müsste hier bitte schnell durch“), ich erntete nur verständnislose Blicke. Es half auch nichts den gaffenden Menschen zu sagen sie sollen uns bitte Platz machen, sie rückten trotzdem weiter heran als ob ich nichts gesagt hätte. Und dass ein Einsatz, bei dem fünf in auffälliger Uniform angezogene Menschen zu einem offensichtlich nicht ganz gesunden Menschen hasten, mit einer Schauübung, die nicht in dem Tagesplan des Adventmarktes aufscheint und mitten unter hunderten Menschen anstatt in einem abgesperrtem Bereich stattfindet, dass so ein Einsatz unter diesen Bedingungen mit einer Schauübung verwechselt wird – das finde ich wirklich traurig. Denn selbst bei einer Schauübung gehe ich nicht so nahe ran!