Valentinstag

Nein, ihr werdet hier nichts über den Rettungsdienst lesen. Aber ich muss hier mal etwas loswerden.

Heute ist der Tag an dem man den Menschen, die man liebt, diese Liebe auch zeigt. Der Tag der Pärchen. Oderso…
Ich hasse diesen Tag – naja, so typisch Single eben. Kann damit nicht viel anfangen. Aber heute Morgen kam ich dann doch ins Grübeln über diesen Tag des Konsums… 

Blumen, Pralinen, kitschige Karten, Küsschen und Herzchenaugen überall. Bäh! Also nicht, dass ich jetzt was gegen Verliebte hab, ich hab was gegen diesen Tag. Bauscht unsere Konsumgesellschaft auf, um großen Profit zu machen. BÄH!!

In Wahrheit ist es ein Tag wie jeder andere. So wie Muttertag und Vatertag auch. Oder wasweißichwas… Man sollte den Tag nicht als Erinnerung benutzen. So „Ach, heute muss ich mal wieder allen sagen wie gern ich sie hab.“ Das kann man wirklich an jedem anderen Tag auch.
Valentinstag ist der Tag der Liebe – und Liebe betrifft nicht nur den Partner. Ich zum Beispiel liebe meine Familie und meine Freunde und möchte ihr das auch zeigen und sagen. Ich brauche dazu aber keinen 14. Februar und keine Geschenke. Ich brauche bloß etwas Zeit mit ihnen und ein bisschen reden, lachen, Spaß haben. Zeit mit den Menschen zu verbringen, die man liebt, das ist das richtige Geschenk. Keine Schokolade. Worte. Gefühle. Lachen.

Für mich ist der Valentinstag heuer trotzdem etwas „besonderes“.
Ich bin heute früh nämlich aufgewacht und wusste nicht, ob meine Oma noch lebt. Ich war gestern bei ihr, hab ihr Blumen gebracht (absichtlich nicht am Valentinstag!) – sie hat mich nicht mehr erkannt, konnte nicht mehr sprechen, bekommt kaum mehr Luft… Ich habe ihr gesagt, dass ich sie lieb hab. Ich weiß nicht, ob sie es mitbekommen hat oder nicht.
Seit Wochen schon geht es ihr schlecht, sie war schon kurz vorm Sterben, hat sich wieder etwas erholt und jetzt geht es weiter bergab. Ich hab ihr so selten gesagt wie sehr ich sie lieb hab. Ich habe das alles die letzten Wochen versucht aufzuholen. Es hat nicht gereicht. Es war immer noch zu wenig. Und jetzt befürchte ich plötzlich, dass ich ihr an diesem Valentinstag nicht mehr sagen kann, wie sehr ich sie lieb hab.
Ja, ich hab es ihr gestern gesagt.
Ja , ich habe es ihr die letzten Wochen schon gesagt.
Und ja, plötzlich möchte ich es ihr unbedingt heute noch sagen. Am Valentinstag. Weil es der Tag der Liebe ist.
Das Blöde daran – ich bin in der Arbeit. Morgens war es zu früh – darf noch kein Besuch rein. Aus der Arbeit kann ich nicht weg, für die Mittagspause ist es zu weit entfernt. Und wer weiß, kann ich es ihr am Abend noch sagen.

Liebe Leute – wir vernachlässigen unsere Lieben viel zu sehr.
Sagt nicht nur eurem Partner, dass ihr ihn liebt! Sagt es euren Eltern, euren Großeltern, Kinder und Freunden – sagt es einfach jedem, der euch wichtig ist! Und sagt es ihnen bei jeder Gelegenheit. Irgendwann war es dann nämlich die letzte Gelegenheit und die ungenutzt zu lassen wäre doch etwas traurig.

Wir brauchen keinen erfundenen Tag um Mama im Mai zu sagen, dass wir sie lieben. Papa kommt dann ein Monat später dran. Der Partner schon im Februar. Und der Rest bloß am Geburtstag.
Geht raus und sagt es jedem, dem ihr es sagen wollt, aber wartet nicht auf diesen einen speziellen Tag. Es gibt ihn nicht. Jeder Tag ist gut genug, um jemandem zu sagen und zu zeigen, was Liebe ist. Jeder Tag hat es verdient ein mit Liebe gefüllter Tag zu sein. Jeder Tag könnte die letzte Gelegenheit dazu sein.

Ja ich weiß, dieser Artikel klingt jetzt vielleicht etwas kitschig.
Aber es liegt mir gerade wirklich am Herzen euch das zu sagen. 

immer und immer wieder

Es gibt so Patienten, die sieht man immer und immer wieder – und plötzlich sind sie dann doch weg.
Dialyse-Patienten, die nach Jahren als Dauerpatient versterben.
Chemo- oder Strahlentherapien, die doch nicht jedes Leben retten können.
Einfach nur alte Leute, die gebrechlich sind, uns oft brauchen, und dann friedlich einschlafen.
Patienten, die schlicht und einfach geheilt werden!
Aber nicht alle Patienten verschwinden, weil sie sterben oder wieder gesund sind…

Es gab in unserem Einsatzbereich eine Patientin, da fanden wir alle hin, ohne noch die Adresse zu wissen, der Name reichte uns schon damit wir wussten, wo wir hinfahren müssen.
Es fing alles ganz harmlos an, Dame war krank, Dame ging zum Hausarzt, Dame wurde kränker, und dann gings erst richtig los…

Die Patientin rief immer und immer wieder beim Notruf an, mit der Beschwerde „Insekten im Körper“. So bekamen auch wir die Alarmierungen immer. Bei der Dame angekommen dann immer das selbe bei der Anamnese:
– Kopfschmerzen, die ganz sicher von Insekteneiern überall im Körper kommen, die sich entzunden habenen
– Schwindel, weil der Körper die Insekten nicht aushält
– Juckreiz, weil die Insekten überall unter der Haut herumkriechen

Und immer und immer wieder mussten wir die Patientin mitnehmen, weil sie nicht zu Hause bleiben wollte und wir sie auch nicht zu Hause lassen dürfen, wenn wir psychische Beeinträchtigung vermuten. Uns war natürlich klar, dass es sich hier um ein psychisches Problem handelt. Mit der Zeit wurde dann auch die Diagnose „fortschreitende Demenz mit paranoider Schizophrenie“ bestätigt und behandelt.
Die Dame lebte aber trotzdem noch immer allein zu Hause, sie hatte keine Sachwalter, die Pflege kam pro Tag 1 Stunde zu ihr. Und wieder und immer wieder rief sie den Notruf an.
Mehr als ins Krankenhaus bringen konnten wir nicht, die konnten allerdings auch nichts machen – immerhin war die Dame noch immer berechtigt selbst für sich und ihr Leben zu entscheiden, Unterbringung laut UBG (Unterbringungsgesetz) mit Einweisung eines Amtsarztes in eine Fachklinik gibts auch nicht, weil sie nicht Fremd- und nicht Eigengefährdend ist.
Und deshalb blieb sie in ihrem Haus wohnen und konnte uns weiterhin anrufen.

Die Einsätze veränderten sich. Durch die Diagnose „Schizophrenie“ hat sie natürlich neue Medikamente verordnet bekommen – und plötzlich wollte sie jeder Vergiften.
Der Hausarzt, weil er ihr die Rezepte dafür gibt.
Das Krankenhaus, weil sie die ihrer Meinung nach falsche Diagnose gestellt haben.
Die Pflegerin, weil sie ihre Medikamente immer vorbereitet.
Die Apothekerin, weil sie das Gift austeilt.
Somit wurden wir dann recht bald zum Einsatz „Vergiftung“ gerufen. Und das immer und immer und immer wieder.

Ich hatte einen Wochenenddienst. Samstag Tag. Ich war mittags zum Einsatz bei ihr. Die Kollegen schon nachts. die anderen Kollegen später. Insgesamt gab es in 24 Stunden vier Einsätze + drei Heimtransporte vom Krankenhaus zu ihr zurück.
Das einzige, dass wir zu diesem Zeitpunkt aber wussten: Ein Antrag auf Besachwaltung wurde angeblich gestellt.
Ein paar Tage später hörte ich dann aus Zufall, dass die Dame nun doch nach UBG eingewiesen wurde. Anscheinend gab es nun doch Anzeichen auf Eigengefährdung, die ausreichten um den Amtsarzt dazu zu bringen, sie einzuweisen.

Die Einsätze zogen sich über Monate. Es fing harmlos mit 1-2 Fahrten die Woche an, der Höhepunkt waren die vier Einsätze bei ihr in 24 Stunden. Und dann so plötzlich hörte das alles auf.
Ich hoffe nur, dass sie nun ausreichend Hilfe erhält, dass ihr die Medikamente so weit helfen, dass sie ihr restliches Leben halbwegs selbstständig in einem schönen Altenheim verbringen kann.

Aufruf…Kampf dem Herztod

KAMPF DEM HERZTOD

Da haben sich drei ganz ganz liebe Blogger zusammengetan und wollen mit einer Aktion auf die Gefahren eines Herzinfarktes hinweisen.
Liebe Leute – macht brav mit, es haben sicher viele von euch etwas dazu zu sagen, und wenn es als vollkommen Unbeteiligter bloß Gedanken eines Außenstehenden sind.

Ich mache auf jeden Fall gerne mit =)

Alltagimrettungsdienst Blog

Hallo ihr Blogger.

die Hermione , der Krangewarefahrer und ich möchten gerne zu einer gemeinsamen Aktion aufrufen. Wir wollen, dass die Menschen über die Gefahren eines Herzinfarktes besser aufgeklärt werden und dass diese Krankheit wieder mehr in den Fokus der Menschen gerückt wird.

Deswegen würden wir uns wünschen, schreibt bis Ende Februar einen Artikel über dieses Thema, weil ihr Betroffener seid, jemand deswegen verloren habt oder weil ihr die Menschen darüber infomieren wollt.

Slogan : Kampf dem Herztod

Das genaue Datum werde ich noch bekannt geben.

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Achtung rutschig!

Der Rettungsdienst und der Schnee…

…das ist ja immer so eine Sache.

Ich komm ja aus Österreich, bin in einer Gegend, in der es tatsächlich noch so richtige Winter mit einer Menge Schnee gibt. Also zumindest ein paar Tage im Jahr. Es gibt so Tage, da fällt dann tatsächlich 25cm weißes Zeug vom Himmel und dann wirds ja auch teilweise schwierig für uns. 

Also mal angefangen bei den wintertypischen Verletzungen. Gebrochene Beine und Oberschenkelhalsknochen. Oder Arme. Oder Steißbeinprellungen. Oder Verletzungen durch Verkehrsunfälle, weil sich manche Menschen einfach überschätzen beim Fahren. Oder beim Skifahren. 

Grippe darf man auch nicht ignorieren. Schon gar nicht die Männergrippe. Respiratorische Infekte sind auch so typisch Winter. Plötzlich auftretende Atemnot in der 35°C warmen Wohnung, die seit 3 Wochen nicht gelüftet worden ist, weil ja -10°C draußen sind. 

Aber die Probleme sind ja gar keine richtigen Probleme. Sind Notfälle, gibts im Sommer auch. Richtige Probleme haben wir mit Schnee und Eis schon selbst. So beim Autofahren und so. Oder Patienten mit Trage oder Tragstuhl zum RTW bringen. Da sind dann vor allem die Häuser lustig, bei denen es einen schmalen Weg zum Haus gibt, der im 30° Winkel rauf führt. Und da sollst du dann jemanden mit Atemnot irgendwie runter bringen. Über den Weg. Bergab. Im Schnee. Mit Eis drunter. ACHTUNG RUTSCHIG! 

Oder wenn die Autofahrer vor dir meinen, sie müssen auf der frisch verschneiten Fahrbahn eine Vollbremsung machen, wenn du mit Blaulicht daher kommst. Ist ja schon auf trockener Straße nicht cool sowas, aber bei Schnee? Mensch Leute! ACHTUNG RUTSCHIG! 

Eigentlich wollte ich euch ja hier nur von unseren Problemen erzählen. Aber hier wird noch was drangehängt, weils so gut passt: Bitte liebe Autofahrer, passt auf was ihr tut, wenn wir mit Blaulicht hinter euch her kommen! Vor allem im Schnee. Das kann sehr sehr böse enden, wenn ihr auf spiegelglatter Straße Panik bekommt und eine Vollbremsung macht. Wir sind euch gerade bei dem Wetter absolut nicht böse, wenn ihr normal weiterfährt und in 560m dann in die Bushaltestelle biegt, um uns vorbei zu lassen. Und bitte liebe Hausbesitzer, ich finde die schön geschmückten Wege zu euren Häusern ja wirklich auch hübsch. Auch Schnee sieht da toll aus. Aber bitte räumt doch den Schnee weg wenn es euch möglich ist. Und entfernt das Eis. Kann sonst auch böse enden, für euch genauso wie für uns. Wäre schon nett von euch. Danke schon mal, dass ihr das in Zukunft beachtet. 

Was ich mir noch wünsche? Fußbodenheizung für Straßen und Gehwege und Hauszufahrten und Gartenwege. Dann darf auch ruhig mehr Schnee kommen. 🙂

Fotografie: Frohes Neues!

Mal wieder etwas von meinem anderen Hobby. So zwischendurch muss das halt mal sein.

Ich wünsch euch allen ein frohes neues Jahr, viel Glück und Gesundheit und allen RD-Menschen möglichst stressfreie Dienste.

 

RD-Lifehack #1

Da reißt dir doch tatsächlich im Dienst das Haarband und du findest absolut nirgends einen Ersatz! 

Was macht die erfinderische Sanitäterin? 

RD-Lifehack #1: Wenn du mal schnell ein Haarband brauchst und keins zu finden ist, nimm dir einen Handschuh und eine Schere! Sieht zwar komisch aus, aber es hält. Zumindest vorübergehend. Und ab jetzt kommt ein extra Päckchen Haarbänder in den Dienst-Kasten. 

Was mache ich…?

Ein Artikel von Wenn der Melder geht brachte mich die letzten Tage ganz schön ins Grübeln.
Der Medizinstudent fragt sich in dem Beitrag Was mache ich hier eigentlich?
Und genau die Frage beschäftigt mich jetzt auch… Sie lässt mich einfach nicht los…

Ich ging vor etwas über 4 Jahren in den freiwilligen Rettungsdienst. Ich war 18 und – wenn man es so nennen will – naiv. Ich wollte helfen, konnte aber (noch) nicht Medizin studieren. Die Ausbildung, die Dienste, es machte so viel Spaß und ich hatte endlich eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gefunden!

Und dann lernte ich mehr und lernte auch, dass wir dieses und jenes nicht dürfen.
Und dann lernte ich noch, dass manche Patienten Geld bringen, andere kosten uns Geld.
Und die zusätzliche Ausbildung, die musst du nicht machen, es reicht so auch für den RTW. Im Nachhinein weiß ich, es ist teuer. Ausbildung ist teuer. Kompetenz ist teuer.

Es ist sehr traurig, dass ein Gesundheitssystem so funktioniert. Es lässt sich von Macht und Geld leiten anstatt von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.
In Kliniken und auch bei Hausärzten und anderen Versorgungseinrichtungen muss man anscheinend schon bevor man den Patienten sieht abwägen, welche Untersuchungen und Therapien das System tragen kann. Möglichst doch bitte noch mit Gewinn, nur bitte ja nicht zu viel tun, das würde uns zu viel Geld kosten.
Im Rettungsdienst ist man dann eben mehr so Taxi, Krankentransporte bringen Geld, machen den Großteil der Alarmierungen aus und dafür braucht man nur die „Grundausbildung“. Die wenigen Einsätze, die schaffen dann schon die wenigen Leute, die die Ausbildungen haben, die Konpetenzen haben.

Ich wollte helfen. Ich will helfen. Ich will lernen, ich will Kompetenzen erreichen und unseren Patienten die bestmögliche präklinische Versorgung zukommen lassen. 
Das System sagt, diese und jene Geräte zur Diagnosestellung und Erstversorgung kommen uns zu teuer.
Das System sagt, dass auf den RTWs Rettungssanitäter reichen. Und dass Notfallsanitäter auch nicht wirklich viel mehr dürfen als Rettungssanitäter. Und dass Kompetenzerweiterung teuer ist. Und dass Kompetenzanwendung sowieso nur unter notärztlicher Aufsicht genehmigt ist. Somit sind Kompetenzen eigentlich überflüssig, der NA machts ja eh selber.

Wir kutschieren lieber mit den RTWs die Krankentransporte herum, anstatt auf die wenigen Notfalleinsätze zu warten. Die Krankenkassen zahlen uns ja nur für gefahrene Kilometer und nicht die Bereitschaftszeit. Und weil 90% der Fahrten eben Krankentransporte sind…. Und weil von den übrigen 10% sowieso 8 auch zum Hausarzt gehen könnten… Und sowieso und überhaupt.

Alles dreht sich im Gesundheitsbereich nur noch um Geld – so wie immer und überall in Leben. Geld ist Leben. Leben ist Geld. Der Sinn der Sache wird in den Hintergrund gestellt. 

Es macht so wie es ist keinen Spaß mehr. Und trotzdem bin ich gern hier. Weil es trotzdem was Gutes ist. 

Was mache ich hier eigentlich? Ich helfe… Weil das doch immer noch der Sinn ist.

 

Adventmärkte

…ausgegebenem Anlass – weil jetzt wieder die Zeit der Märkte und Ausstellungen begonnen hat…
Die Lichter auf den Ständen funkeln, die Leute um die Feuerkörbe herum lachen, die Kinder spielen. Es ist die Zeit des gemeinsamen Wartens, und wo macht man das lieber als am Christkindlmarkt?
Der Glühwein schmeckt und ist schön warm.
Hauptsache man kann sich wieder hübsche Dinge kaufen, mit denen man die Wohnung für die Weihnachtszeit aufhübschen kann oder auch Geschenke und Kekse.
Und Hauptsache der Glühwein schmeckt und wärmt bis zu den Zehen.
Es hat noch nicht geschneit, es sind fast schon angenehme Temperaturen draußen. Den Wintermantel braucht hier noch niemand, es reicht die Jacke, man steht ja eh beim Feuerkorb.

Es ist Sonntag vormittag, der erste Advent, und der Christkindlmarkt der kleinen Stadt findet wie jedes Jahr an diesem Wochenende bei der Kirche statt.
Im Hof stehen die Stände und verkaufen Glühwein, in den großen Räumen der Kirche findet man die Handwerks- und Kunstausstellung. Es ist halb 11 Uhr vormittags, die Kirche ist gerade vorbei und man trifft sich noch auf einen Punsch und ein paar Kekse, bis zum Mittagessen ist ja noch etwas Zeit.
Das Gedränge startet nach der Kirche, es ist ein kleiner Markt in einer winzig kleinen Stadt. Aber er ist wunderschön, angenehm ruhig und jeder kennt jeden.

 

Gemütlich sitzen wir beim zweiten Kaffee diesen Sonntag und reden über die schon erlebten Einsätze heute. Es ist ein ungewöhnlicher Tag, seit 7 Uhr morgens hatten wir schon vier Einsätze, in unserer Gegend um diese Zeit schon recht viel.
Es wird gemeinsam gelacht und schön langsam überlegen wir auch, was wir denn heute mittags zu Essen holen wollen.
Da läutet plötzlich mein Telefon, auch der Pager schlägt kurz darauf an und scheucht uns zum RTW.
Bewusstlosigkeit, Effektive Atmung, im Zusatztext steht geschrieben: 65j/m, nahezu umgekippt, schweißig. Wir fahren gemeinsam mit dem NEF hin – Einsatzort ist die Kirche. Dass heute Adventmarkt ist habe ich total vergessen…

 

Beim vorderen Tor zum Kirchenplatz erwartet uns niemand, wir entscheiden uns daher die hintere Zufahrt zu nehmen. Und wirklich, eine Dame wartet schon auf uns, wir parken uns ein und entdecken den Adventmarkt. Hilfe, damit haben wir nicht gerechnet!
Ich nehme den Notfallrucksack, mein Kollege kommt mit dem restlichen Equipment nach und gemeinsam folgen wir der Ehefrau des Patienten durch das Gedränge.
Ganz gemütlich gehen die Damen und Herren Kirchen- und Marktbesucher umher, gemütlich durchkommen mit dem großen Rucksack geht hier nicht, ich muss immer wieder die Stimme heben und mir Platz verschaffen, um nicht mit den vielen Menschen zusammenzustoßen.
Wir werden in die Ausstellung gelotst, als erstes fällt mir die schlechte Luft auf und als zweites die Menschenmassen. Erst dann entdecke ich ein Grüppchen, dass rund um einen Mann steht, der auf einem Stuhl sitzt. Ich gehe hin, mache mir auch hier ein bisschen Platz und sehe mir den Mann einmal an.

Der Patient schwitzt starkt, ist blass im Gesicht. Er kann frei sprechen, sein Puls ist etwas erhöht bei ca. 100/min und nicht allzu gut tastbar. Die Ersthelfer haben ihn auf einen Stuhl gesetzt und ein kaltes Tuch in den Nacken gelegt. So der Ersteindruck. Im Schema:
A – keine Beschwerden
B – keine Beschwerden
C – blass, schweißig, schlecht tastbarer Puls
D – orientiert, keine Schmerzen, genauere Untersuchung später
E – Blutdruck manuell bei dem Lärm nicht mit Stethoskop messbar, systolischer Wert durch palpatorische Messung aufgrund schlecht tastbarem Puls nicht erhebbar, wir warten auf die automatische Blutdruckmessung des EKG-Geräts. Temperatur bei Ohrmessung 36,6°C.
Jetzt trifft auch gerade der Notarzt ein, ich mache eine ganz kurze Übergabe – viele Daten haben wir ja noch nicht. Die Blutdruckmessung ergibt 105/75, recht wenig für einen großen, stämmigen Mann.
Die Anamnese ergibt, dass der Herr normalerweise zu hohen Blutdruck hat und deshalb auch Tabletten nimmt.

Noch während wir mit ihm reden, hört der Mann auf zu schwitzen und auch die Hautfarbe wird wieder ein bisschen rosiger. Beim Sprechen merkt man ihm an, dass er jetzt auch wieder mehr Kraft hat. Er möchte nur noch heim, möchte nicht mit ins Krankenhaus. Mit Einverständnis der Notärztin begleiten wir ihn noch zum RTW, warten dort bis seine Frau das Auto geholt hat und lassen ihm einen Revers unterschreiben.
Warum schreibe ich hier jetzt eigentlich einen Blogartikel zu einem stinknormalen Standardeinsatz? – Wegen der Problematik mit Menschenmassen.
Ja, ich bin der Meinung es kann so schnell zu Problemen kommen.
Schon beim Durchschlängeln bis zum Patienten hatten wir es nicht unbedingt leicht. Ich ging mit ausgetreckten Händen voran und versuchte die Menschen sanft zur Seite zu schubsen, damit wir wenigstens halbwegs ohne Zusammenstöße und hoffentlich doch zügig in Richtung Patient weitergehen konnten. Beim Patienten angekommen erwarteten uns gleich etliche Adventmarktbesucher, die den Herrn alle kannten und sich verständlicherweise Sorgen machten. Alles schön und gut, aber manchmal ist es eben nur gut gemeint und in Wirklichkeit störend. Dauernd haben die Freunde unseres Patienten ihn gefragt wie es ihm denn gehe und ob es schon besser gehe und was denn überhaupt passiert wäre – der Patient konnte sich in dem ganzen Geplapper nicht mal wirklich auf mich konzentrieren, es wurde immerhin aus allen Richtungen auf ihn eingeredet. Außerdem rückten die Menschen immer näher heran, auch nachdem ich mal gesagt habe, sie sollen uns doch bitte ein bisschen Platz machen. Mit jeder Minute wieder ein Stückchen näher – ich hatte schon Angst, dass jemand bald in unseren Rucksack tritt.

Eine Aussage hat mich wirklich maßlos aufgeregt. Wir sind gerade am Zusammenpacken, wollen den Patienten noch nach oben zu seinem Auto begleiten, da kommt plötzlich eine Dame her, die schon einige Zeit hinter mir gestanden ist. Sie spricht den Patienten an, kennt ihn anscheinend, und fragt, ob es ihm gut gehe, sie habe erst jetzt gerade registriert, dass das hier ein echter Einsatz und keine Schauübung ist!
Warum mich das so aufgeregt hat? Weil es die Probleme beim durchkommen durch die Menschenmassen erklärt und ich das aber einfach nicht verstehen kann.
Aus meiner Sicht: Ich mache Platz, wenn ich privat unterwegs bin und Blaulicht und/oder hastende Uniformierte sehe, ich weiß, hier ist etwas passiert und die brauchen jetzt mal Platz zum durchgehen und arbeiten.
Ich denke aber, dass viele Menschen uns schon als so selbstverständlich ansehen, dass sie uns sogar schon übersehen. Es half mir nichts mit bloßer Stimme Platz zu machen („Entschuldigung ich müsste hier bitte schnell durch“), ich erntete nur verständnislose Blicke. Es half auch nichts den gaffenden Menschen zu sagen sie sollen uns bitte Platz machen, sie rückten trotzdem weiter heran als ob ich nichts gesagt hätte. Und dass ein Einsatz, bei dem fünf in auffälliger Uniform angezogene Menschen zu einem offensichtlich nicht ganz gesunden Menschen hasten, mit einer Schauübung, die nicht in dem Tagesplan des Adventmarktes aufscheint und mitten unter hunderten Menschen anstatt in einem abgesperrtem Bereich stattfindet, dass so ein Einsatz unter diesen Bedingungen mit einer Schauübung verwechselt wird – das finde ich wirklich traurig. Denn selbst bei einer Schauübung gehe ich nicht so nahe ran!

HWS-Schienung ja/nein?

Unlängst hatte  ich Dienst am RTW, ich war Sani, hatte noch eine Azubiene mit. Gerade beim Schlafengehen kurz vor 23 Uhr läuteten die Pager und Handys – Verkehrsunfall, eine verletzte Person, Anforderung der Polizei. Die Azubiene war noch nie bei einem VU, sie wird sich im Hintergrund halten, machen wir schon am Weg zum RTW aus.

Wie befinden uns im Stadtgebiet, höchstens erlaubte Geschwindigkeit auf dieser Straße 50 km/h. Es ist eine kleine Straße durch eine Wohngegend, in Längsrichtung stehen links und rechts am Straßenrand geparkte Autos, es bleibt genügend Platz für zwei aneinander vorbeifahrende PKW auf den Fahrstreifen. Es ist dunkel, beidseitig der Straße aber Straßenlaternen, kaum Verkehr, die Straße ist trocken, es liegt auf der Straße kein Schmutz und kein Laub.
Neben der Straße stehen zwei PKW, die offensichtlich die Unfallfahrzeuge sind. Etliche Teile der beiden KFZ liegen im näheren Umkreis herum. Es sieht nach Auffahrunfall aus, wobei das vordere Fahrzeug geparkt gewesen sein dürfte, das hintere ist vermutlich darauf aufgefahren. Im hinteren PKW haben der Seitenairbag und der Lenkradairbag ausgelöst.

Von der Polizei erfahren wir, dass die junge Dame beim Unfallfahrzeug die Lenkerin des hinteren Wagens war, es war niemand bei ihr im Auto und das vordere Fahrzeug war wie schon vermutet geparkt und ohne Insasse. Somit eine Verletzte Person, die wie uns gleich mal näher anschauen.

Szene: Die Patientin geht herum, vom Beobachten her keine Probleme beim Bewegen erkennbar, keine Schonhaltung, Patientin reagiert auf Ansprache sofort mit Blickkontakt und Antworten
Airway + Breathing: Die Patientin spricht frei und ohne erkennbare Atembeschwerden – genauere Begutachtung später im RTW
Circulation: Puls peripher gut tastbar, keine Blutflecken auf Überbekleidung, Rekapzeit aufgrund der Kälte nicht messbar
Disability: Die Patientin spricht ohne Probleme in ganzen Sätzen, ist aufgelöst, aber nicht verwirrt. Sie kann sich an alles erinnern, außer an den kurzen Moment des Aufpralls.
Exposure: kurzer Traumacheck in vorgefundener Lage (stehend) ergibt keine Anzeichen auf gröbere Verletzungen, eine Beteiligung der Wirbelsäule scheint unwahrscheinlich, auf Immobilisation wird verzichtet.
Maßnahmen vorerst: Wärmeerhalt mittels Einweg-Fleece-Decke

Weiters werden später im RTW die genaueren Vitalwerte erhoben: Puls, Blutdruck und Atemfrequenz sind jeweils leicht erhöht, wurde Aufgrund der Aufregung der Patientin erwartet, jedoch ansonsten alle Werte im Normbereich.
Schmerzen lokalisiert die Patientin am linken Daumengrundgelenk und am rechten Unterarm, Beurteilung des Schmerzes leicht. Außerdem fühlt sie ein leichtes Brennen im Gesicht – hier sind oberflächliche Airbagverbrennungen zu erkennen.
Die Patientin gibt ansonsten keine Beschwerden an, sie möchte sitzend transportiert werden, es werden ansonsten keine weiteren Maßnahmen unsererseits gesetzt.
Mit Verdacht auf Prellungen der Unterarme und Airbagverletzungen im Gesicht fahren wir in die Unfall-Erst-Versorgung des nächstgelegenen Krankenhauses.

Später kommt die Azubiene natürlich mit einigen Fragen zu uns und wir besprechen den Einsatz noch kurz durch. Die Frage, auf die ich hier eingehen will: Warum genau haben wir hier die Patientin nicht HWS-immobilisiert? 
Für unsere Abschlussprüfungen als Rettungssanitäter ist das Traumaszenario folgendes: ein Traumapatient, der HWS-Immobilisiert und in einer Vakuummatratze gelagert wird weil Verletzungsmuster „passend“ nach Sturz von Leiter, Motorradsturz,…. Deshalb sind vor allem unsere neuesten Mitglieder noch sehr motiviert, was Immobilisation anbelangt.
In vielen Fällen ist das aber gar nicht nötig. Folgende zwei Studien geben zu dieser Problematik sehr gute Ansätze.

NEXUS-Kriterien: Seit dem Jahr 2000 bekannt, zählt die Studie fünf Kriterien auf, nach denen man nach einer HWS-Verletzung suchen kann. Diese 5 Kriterien geben bei genauer Durchführung zu über 99% korrekt die Antwort auf die Frage „HWS-Beteiligung ja/nein“.
1. Fehlender Druckschmerz über der Mittellinie der HWS
2. Kein fokal neurologisches Defizit
3. GCS 15
4. Kein Hinweis auf Intoxikation
5. keine von der HWS ablenkende schwere Verletzung
Canadian C-Spine Rule Study: Diese Studie aus dem Jahr 2001 verlangt eine noch ausführlichere Beurteilung des Patienten und auch des Unfallhergangs.
1. Hochrisikofaktoren
1.1 Alter 65+ Jahre
1.2 Gefährlicher Unfallhergang (Sturz aus 3m+ Höhe/5 Stufen, Sturz auf Kopf, Hochgeschwindigkeit 100km/h+, Herausschleudern, Fahrrradkollision
1.3 Missempfindungen an den Extremitäten (Taubheit, Kribbeln, …)
–> alle Fragen mit nein beantwortet –>
2. Niedrigrisikofaktoren
2.1 Einfacher Auffahrunfall (bei niedriger Geschwindigkeit unter 60km/h gegen ein unbewegtes Objekt oder einen fahrenden Kleinwagen [kein Bus, LKW, …])
(2.2 Sitzende Person, die selbstständig in eine klinische Einrichtung gelangt ist)
(2.3 Ambulante Aufnahme)
2.4 Verzögerter Schmerzbeginn
2.5 Fehlender Druckschmerz an der Mittellinie der HWS
–> alle Fragen mit ja beantwortet –>
3. 45° Rotation des Kopfes ohne Schmerzen möglich? 
–> ja, ist möglich –> keine Immobilisation der HWS nötig
Werden Fragen der Hochrisikofaktoren mit ja oder der Niedrigrisikofaktoren mit nein beantwortet ist eine HWS-Schienung anzulegen und der Patient einer klinischen Einrichtung mit bildgebender Diagnostik zuzuführen.

In Kanada ist das Gesundheitssystem unserem sowieso um Jahre voraus, auch von Amerika können wir uns präklinisch noch einiges abschauen.
Unserer Auszubildenden haben wir deshalb geraten sich auch durch Fachzeitschriften, Foren und Bücher zu wühlen, auch außerhalb unserer Organisation Fortbildungen zu besuchen und nie aufzuhören zu lernen. Immer wieder gibt es sowohl bei der Traumaversorgung als auch bei internistischen Notfällen Neuerungen, neue Erkenntnisse, neue Wege zu diagnostizieren und Differenzialdiagnosen zu erstellen – oft Umsetzbar mit nur wenigen Fragen oder Handgriffen, ohne dass man zusätzliches Material brauchen würde.

Man darf die Kompetenzen, die im Sanitätergesetz vorgeschrieben sind, nicht überschreiten, man darf nicht machen, was einem das Gesetz verbietet – aber welches Gesetz verbietet uns die Fortbildung und die Anwendung anderer Fragen in der Diagnostik? 😉

Was meint ihr dazu? Kennt ihr die Studien dazu und wenn ja – werden sie in euren Organisationen offiziell gelehrt und weitergegeben oder habt ihr diese wie ich durch lesen lesen lesen selbst erforscht? Wendet ihr diese Art der Diagnostik als Entscheidungshilfen generell an oder ist es sogar „verboten“ bei euch?
Über Antworten und Meinungen würde ich mich auf alle Fälle wie immer sehr freuen =) 

Trauer

Warum trauern wir?
Es gibt viele Gründe dafür, am häufigsten kommen wir im Rettungsdienst mit der Trauer um einen verstorbenen Menschen in Berührung. Wenn wir nach Hause gerufen werden, weil der Opa im Bett liegt und sich nicht mehr rührt. Wenn wir den Angehörigen mitteilen müssen, dass es der Opa nicht geschafft hat. Dann sehen wir meist zwei Dinge in ihren Gesichtern: Schmerz und Trauer.

Trauer ist ein Prozess, der sich in verschiedene Phasen einteilen lässt. Hierzu die beiden gängisten Modelle kurz beschrieben (detaillierte Infos unter www.trauerphasen.de)
Nach Verena Kast sind das die vier Phasen:
Nicht-Wahrhaben-Wollen („Es darf nicht wahr sein.“)
aufbrechende Emotionen (Schwankungen zwischen Trauer, Wurt, Angst, …)
Suchen (auf Fotos, in seinem Zimmer, am Lieblingsplatz, …)
neuer Bezug zur Umwelt und sich selbst (= Akzeptanz, Einfügen in eine neue Rolle)
Yorick Spiegel teilt die vier Phasen etwas anders ein:
Schockphase (Verhalten wie in einer Traumwelt)
Kontrollierte Phase (Ablenkung durch verschiedene Aktivitäten um das Gefühl der Leere zu verdrängen)
Regression (Rückzug um mit der Trauer allein zu sein und damit umgehen zu lernen)
Anpassung (Rückkehr in ein normales Leben)

Warum schreibe ich hier jetzt von Trauer?
Nun ja, ich durfte eine faszinierende Seite der Trauer kennenlernen.
Trauer kann nämlich auch vor dem Verlust eines geliebten Menschen bestehen. Wenn man zum Beispiel erklärt bekommt, dass Mutter mit fast 90 Jahren nicht mehr lange zu leben hat, weil sie Krebs hat.

Wir brachten mit dem KTW eine Patientin nach Hause, die Palliativ im Krankenhaus war. Sie wurde auf eigenen Wunsch nach Hause gebracht, sie wollte im Kreise der Familie und vor allem zu Hause sterben.
Palliativ – was ist das? Es gibt in Krankenhäusern eigene Stationen, es gibt eigene Pflegehäuser, Pflegedienste dafür. Für sterbenskranke Menschen, die nur noch bestmöglich gepflegt und betreut werden, bis sie sterben. Die dadurch sozusagen darauf vorbereitet werden.
Ich bewundere alle Palliativpfleger – ihr macht eine wahnsinnig wichtige, schöne, anstrengende, belastende Arbeit. Schön? Ja, ich finde es schön, wenn man die letzten Tage/Wochen einer sterbenden Person noch bestmöglich mitgestalten kann. Man lernt Menschen in ihren ehrlichsten Momenten kennen und darf ihnen die wahren Herzenswünsche noch erfüllen. Aber es ist auch belastend, immerhin weiß man ganz genau, was auf den Menschen zukommt, dem man gerade noch geholfen hat, sich auf das Kommende vorzubereiten.
Ich könnte das nicht mein Leben lang machen.

Was ich aber kann, ist immer mal wieder durch den Rettungsdienst die Palliativstation bei uns unterstützen. Und zwar, indem ich helfe, die Wünsche zu erfüllen.
Ich durfte einmal eine Patientin nach Hause bringen, der nur noch ganz ganz wenig Zeit zu Leben gegeben wurde. Die Dame war ganz klar im Kopf. Fast 90, sehr krank aber eine tapfere kleine Lady. Sie wünschte sich, dass sie zu Hause sterben dürfe. Im Kreis ihrer Familie, ihrer Kinder.

Im Krankenhaus erwarteten uns die Tochter und einer der Söhne. Wir lagerten die Dame nach ihren Wünschen auf unserer Trage – es soll so bequem wie möglich sein. Jetzt gibt es außerdem keinen Stress mehr. Der Oberarzt wollte noch mit uns reden, also mussten wir auch noch kurz warten.
Er erklärte uns, wie es um die Dame stand. Was der Grund für den Heimtransport war. Dass sie bei klarem Verstand sei. Wir wurden darüber aufgeklärt, dass der Dame so wenig Zeit gegeben wird, dass sogar der Tod am Transportweg nach Hause nicht ausgeschlossen werden kann.
Nein, sie starb nicht im KTW. Sie war tapfer, auch ihre Kinder. Der Sohn fuhr bei uns mit, er hielt die ganze Zeit über die Hand seiner Mutter. Sie wirkten so friedlich.

Man merkte allen an, dass sie mit der Sache abgeschlossen hatten. Sie waren darauf vorbereitet. Die prägenden Trauerphasen waren überwunden. Sie wollten nur noch Ruhe. Nach den Phasen von Yorick Spiegel wären sie in der Regression gewesen. Der Rückzug, der Abschluss mir dem Thema, das war in diesem Moment wichtig. Keine Tränen mehr, keine Wut, keine ungläubigen Worte oder Verleugnungen. Jeder wusste, was jetzt kommt.

Ich will ehrlich sein: Ich wünschte der Dame, dass sie nicht zu leiden hat. Dass sie ein paar angenehme Stunden mit ihren Liebsten verbringen darf. Dass es vorbei ist, bevor die Schmerzen wiederkehren. Das waren auch ihre Wünsche, und wir haben es geschafft, dass ein Teil des Wunsches wahr wurde. Sie bedankte sich noch bei uns, auch ihre Kinder. Sie wirkte so entspannt, wie sie da in ihrem Bett lag. So still und heimlich wie möglich machten wir uns aus dem Staub. Hier wollten wir nicht mehr stören.

Etwas später erfuhr ich durch eine Traueranzeige, dass die Dame noch am selben Abend verstorben war, ein paar Stunden nachdem wir sie heimgebracht hatten. Sie hatte es geschafft, ihr letzter Wunsch war in Erfüllung gegangen.
Es freut mich, dass ich sie unterstützen – also heimbringen – durfte.
Es freut mich, dass sie bis zuletzt nicht allein war.
Es freut mich, dass sie in aller Ruhe gehen konnte.